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Pressemeldung

Nr. 17 / 2009

14. January 2009 : Antike Kampfhandlungen – Indizien für die Varusschlacht - Vortrag des Archäologen Dr. Achim Rost am Mittwoch, 21. Januar in der Volkshochschule

Üblicherweise sind es Historiker, die sich mit militärischen Konflikten wissenschaftlich auseinandersetzen. Vor den Toren Osnabrücks in Kalkriese besteht nun zum ersten Mal die Chance, eine antike Schlacht mit modernen archäologischen Methoden zu erforschen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Römer und Germanen in Nordwestdeutschland« spricht am Mittwoch, 21. Januar, Dr. Achim Rost (Universität Osnabrück) über »Die Bedeutung der Forschungen in Kalkriese für die Schlachtfeldarchäologie«.

Üblicherweise sind es Historiker, die sich mit militärischen Konflikten wissenschaftlich auseinandersetzen. Vor den Toren Osnabrücks in Kalkriese besteht nun zum ersten Mal die Chance, eine antike Schlacht mit modernen archäologischen Methoden zu erforschen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Römer und Germanen in Nordwestdeutschland« spricht am Mittwoch, 21. Januar, Dr. Achim Rost (Universität Osnabrück) über »Die Bedeutung der Forschungen in Kalkriese für die Schlachtfeldarchäologie«. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Volkshochschule Osnabrück. Die Vortragsreihe der Universität, der Stadt und der Volkshochschule will ein lebendiges Bild der antiken Verhältnisse in Norddeutschland vermitteln. Eintritt: 4 Euro.

In seinem Vortrag wird der Osnabrücker Wissenschaftler darstellen, welche außergewöhnlichen Möglichkeiten sich mit der Untersuchung dieses Schlachtfeldes ergeben. Anders als bei Schlachtfeldern der Neuzeit, wo häufig Munition zurückblieb, ist bei antiken Feldschlachten oftmals schon der Nachweis des Kampfareals sehr schwierig. »Die Fundmenge, die sich von antiken militärischen Konflikten bis heute im Gelände erhalten hat, kann wegen der auf die Kämpfe folgenden Plünderungen sehr gering sein, da Kettenpanzer und andere Rüstungen, Schilde, aber auch Schwerter und selbst Lanzen zu wertvoll waren, um sie einfach zurückzulassen; auch sind sie so groß und auffällig, dass sie beim ‚Aufräumen’ normalerweise nicht übersehen wurden«, so der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Universität Osnabrück.

Übrig blieben allenfalls Kleinteile und kleine Geschosse wie Pfeilspitzen oder Schleuderbleie; kamen solche Waffen nicht zum Einsatz, sind die Spuren spärlich, da Schlachtfelder zu allen Zeiten durch die Sieger oder die einheimische Bevölkerung abgesucht wurden. »Das Fundareal Kalkriese erlaubt es erstmals, detaillierter zu untersuchen, unter welchen Voraussetzungen von antiken Kampfhandlungen überhaupt erheblichere Mengen der militärischen Ausrüstung zurückbleiben können«, erläutert der Archäologe. In Kalkriese werden Spuren eines Defileegefechtes greifbar, in dessen Verlauf römische Truppen auf dem Marsch wiederholt angegriffen wurden.

»Für schlachtfeldarchäologische Forschungen ist dies insofern ein großer Vorteil, als wir aus der Quantität wie der Qualität der Funde in den einzelnen Kampfabschnitten Rückschlüsse ziehen können auf unterschiedliche Ereignisse.« Die Menge der Funde auf verschiedenen Plätzen im Untersuchungsgebiet sei keineswegs einheitlich, doch gebe es inzwischen erste Erklärungsmöglichkeiten für diese zunächst unerwartete Fundverteilung. Rost: »Es ist nicht allein die Intensität der eigentlichen Kämpfe, die den Umfang der heutigen archäologischen Hinterlassenschaft beeinflusst hat; mindestens ebenso ausschlaggebend ist der Umgang mit den Toten und Verwundeten sowie ihrer Ausrüstung nach der Schlacht. Die archäologisch fassbaren Verhaltensmuster reichen vom Bergen der Toten bis zu Plünderung und Verschrottung des Metalls.«

Insofern führe die Beschäftigung mit dem Fundplatz Kalkriese nicht in erster Linie zu einer Auseinandersetzung mit militärgeschichtlichen Details, sondern vielmehr zu einem eingehenden Studium der Prozesse nach den Kampfhandlungen, die Einblicke gewähren in die Dramatik antiker Kriege auch jenseits der eigentlichen Kämpfe. »Ein derartig methodisch-quellenkritische Herangehensweise liefert im übrigen neue Indizien für eine Identifizierung des Fundareals Kalkriese als Ort der historisch überlieferten Varusschlacht, so der Osnabrücker Archäologe.
<br<Weitere Informationen zu der Vortragsreihe »Römer und Germanen in Nordwestdeutschland« auf der Webseite www.kongress-2009.uni-osnabrueck.de (Stichwort „VHS-Vortragsreihe“) oder auf der Internetseite der Volkshochschule: www.vhs-os.de </p>

Weitere Informationen

PD Dr. Günther Moosbauer, Universität Osnabrück,
Fachbereich Kultur- und Geowissenschaften,
Alte Geschichte: Archäologie der Römischen Provinzen,
Schloßstraße 8, D-49069 Osnabrück,
Telefon: + 49 541 969 4395 / 4387; Fax: +49 541 969 4397,
guenther.moosbauer@uni-osnabrueck.de