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Pressemeldung

Nr. 180 / 2012

04. July 2012 : Philosophischer Fakultätentag - Überzeugender Erfolg für die Universität Osnabrück

Zum ersten Mal fand vom 28. bis 30. Juni die Plenarversammlung des Philosophischen Fakultätentages an der Universität Osnabrück statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Chryssoula Kambas aus dem Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft.

Zum ersten Mal fand vom 28. bis 30. Juni die Plenarversammlung des Philosophischen Fakultätentages an der Universität Osnabrück statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Chryssoula Kambas aus dem Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft.

Der Philosophische Fakultätentag ist die fächerübergreifende hochschulpolitische Vertretung der Geistes‐, Kultur‐ und Sozialwissenschaften an deutschen Universitäten. Das Gremium vertritt die Interessen seiner Mitglieder gegenüber den Hochschulleitungen, den Ländern und der hochschulpolitischen Öffentlichkeit. Die Plenarversammlungen finden halbjährlich im Juni und November statt. Veranstalter sind reihum die Mitgliederfakultäten. Die Sitzungen geben insbesondere während der Eröffnung der veranstaltenden Hochschule die Gelegenheit zu hochschulpolitischen Akzentsetzungen.

Zum Auftakt der Veranstaltung hielt der Erziehungswissenschaftler, Präsident der Universität Hamburg und Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Prof. Dr. Dieter Lenzen, einen Vortrag zu dem Thema »Lehrausbildung in Deutschland – Lost in Translation«. Dabei visierte Lenzen die ab Herbst 2012 seitens der Kultusministerkonferenz (KMK) zu erwartenden Normierungsabsichten für die Lehrerausbildung an, um die Problematik normativer »Standards« vor allem in ihren Konsequenzen für die ausbildenden Fächer in Frage zu stellen. Er tat dies, rückblickend auf die Geschichte der Lehrerausbildung an den Universitäten seit dem späten 19. Jahrhundert bis hin zu den weiteren Normierungsversuchen der Kultusminister, wie letztere seit der expansiven gymnasialen Bildungspolitik ab den siebziger Jahren wiederholt vorkamen. Die dabei beispielsweise von der Mathematik auf die evangelische Religion übertragenen quantitativen »Kompetenzmodelle« haben, so Lenzen, zu »Banalitäten auf hohem Niveau« geführt. In den Geisteswissenschaften müssen quantifizierbare Leistungsmessungen scheitern. Hingegen ist der Erwerb wissenschaftlichen Könnens für den einzelnen Lehrer von der Grundschule bis zum Gymnasium unabdingbare Voraussetzung späteren beruflichen Könnens. Es gründet auf »konkreten Normen, zum Beispiel die Novelle von Ludwig Tieck«. Die derzeitigen Bologna-Studiengänge mit ihrem kleinschrittigen Leistungspunkteerwerb und pseudoobjektiven Standards (»workloads«) führen den einzelnen Studierenden nicht zum Kern des universitären Studiums, der Persönlichkeitsentfaltung. Lenzen erachtet diese als genuines Qualifikationsziel für die Ausbildung eines Lehrers. Für diese sei die Beibehaltung der fachwissenschaftlichen Anforderungen - einschließlich der selbständig verfassten Qualifikationsschrift, etwa im Standard der früheren Staatsarbeit - Grundlage.

In der anschließenden Diskussion erwähnte Lenzen die im letzten Monat in Rumänien stattgefundene Konferenz von Vertretern der einzelnen Bologna-Teilnehmerstaaten. Die hier verabschiedeten Grundsätze zur weiteren Ausgestaltung des europäischen Hochschulraumes haben, auf Nachdruck des deutschen Teilnehmers, Persönlichkeitsbildung in den Zielkatalog der Bologna-Studiengänge aufgenommen. Mit Blick auf die Kultusministerkonferenz zur Formulierung der für das Abitur geltenden Bildungsstandards im Herbst 2012, gaben sodann die Vizepräsidentin der Universität, Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke, und Prof. Dr. Gerhard Wolf als Vorsitzender des Philosophischen Fakultätentages eine kurze Stellungnahme ab. Beide betonten, insbesondere die geisteswissenschaftlichen Fächer müssten aus den unterschiedlichsten Gründen in breitem Maßstab fehlende, allgemeinbildende Grundlagen der Studienanfänger kompensieren.

Kritisch wurde Lenzens Vorschlag diskutiert, dass die in breiterem Maßstab seitens der Schulen bei Abiturienten nicht erzielte Studierfähigkeit mit Hilfe einer vorgeschalteten Collegestufe bzw. durch »general studies« an den Universitäten ausgeglichen werden soll. Während dieser konkrete Vorschlag eher zurückhaltend aufgenommen wurde, bestärkte Lenzens nachhaltiges Plädoyer zur Persönlichkeitsbildung die Plenarversammlung, sich auch auf den nächsten Konferenzen, in Begleitung der absehbaren aktuellen KMK-Politik, mit Fragen der Lehrämterausbildung zu befassen. Insbesondere fatal erscheint den Geisteswissenschaften der unbefragte Grundsatz fortwährend quantitativer Steigerung der Abiturienten- und Studienanfängerzahlen, wie er von Bundesministerin Schavan als Erfolg ausgegeben wird.

Die Arbeitssitzungen des Fakultätentages waren bestimmt von der Wahl des neuen Vorstands und des Vorsitzenden sowie einzelner Funktionen innerhalb der Vereinigung. Zum Vorsitzenden gewählt wurde Prof. Dr. Tassilo Schmitt, Althistoriker an der Universität Bremen. Darüber hinaus wurden die Empfehlungen »Gute wissenschaftliche Praxis« überarbeitet und verabschiedet. Ein einleitendes Papier dazu, das den Fachbereichen und Fakultäten Empfehlungen gibt, wie eine allgemeine Sensibilisierung zu guter wissenschaftlicher Praxis bereits beim Verfassen der ersten Qualifikationsarbeiten in den Studienablauf eingespeist werden kann, wurde ebenfalls verabschiedet. Weiter wurde der aktuelle Stand sowie die zu erwartenden Umsetzungen des BVG-Urteils zur W-Besoldung der Hochschullehrer in den verschiedenen Bundesländern von seiten der Justitiarin des Deutschen Hochschulverbands (DHV), Dr. Kathrin Grewe, erläutert.

Zahlreiche weitere Gäste waren beim Philosophischen Fakultätentag anwesend. Darunter Vertreter der HRK, der österreichischen Dekane-Versammlung, Abgesandte anderer Fakultätentage und von Evaluationsagenturen. »Diese Plenarsitzung hat die Notwendigkeit hochschulpolitischer Diskussion auf der interuniversitären Ebene innerhalb der Geistes- und Sozialwissenschaften erneut gezeigt. Die Fakultätentage sind ein Korrektiv zur Sicht innerhalb der Rektoren-Konferenz, sie geben hier andererseits Anregung, ihre Stimme wird zunehmend gehört. Sie binden in den hochschulpolitischen Austausch zwischen den Universitäten die Erfahrungen unserer Fächer sachbezogen ein. Man lernt auch Probleme und Lösungsmöglichkeiten aus den anderen Bundesländern kennen. Und nicht zuletzt gewinnt man tiefe Einblicke in die einzelnen Universitäten - und man vermittelt sie«, so Professorin Kambas. »Die Gäste haben sich in unserer Universität sehr wohl gefühlt. Es gab Reaktionen großer Sympathie, auch für die Stadt Osnabrück als Standort der Universität.«

Weitere Informationen

Prof. Dr. Chryssoula Kambas, Universität Osnabrück
Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft
Neuer Graben 40, 49074 Osnabrück
Sekretariat Frau Brink, Tel.: 0541-969 4369
irene.brink@uni.osnabrueck.de