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Pressemeldung

Nr. 326 / 2010

08. November 2010 : Wer gehörte dazu und wer nicht? - Historiker der Uni Osnabrück lädt ein zu Symposium »Nationalsozialistisches Migrationsregime und „Volksgemeinschaft“«

Im Rahmen der Ausstellung des Deutschen Historischen Museums (DHM) »Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen« findet am 19. und 20. November das Symposium »Nationalsozialistisches Migrationsregime und „Volksgemeinschaft“« im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums Berlin statt. Organisiert wird die Tagung von apl. Prof. Dr. Jochen Oltmer, Historiker am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück.

Im Rahmen der Ausstellung des Deutschen Historischen Museums (DHM) »Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen« findet am 19. und 20. November das Symposium »Nationalsozialistisches Migrationsregime und „Volksgemeinschaft“« im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums Berlin statt. Organisiert wird die Tagung von apl. Prof. Dr. Jochen Oltmer, Historiker am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück.

Im Zentrum der Konstruktion von »Volksgemeinschaft« im nationalsozialistischen Deutschland stand eine Frage: Wer ist zugehörig, wer nicht? »Migration musste den Nationalsozialisten folglich als Herausforderung für die Umsetzung ihrer gesellschaftspolitischen Vorstellungen gelten – und diente zugleich als deren Mittel«, so Oltmer. »Ungeregelte bzw. unkontrollierte Zu- und Abwanderung verstand der NS-Staat als Gefahr. Er strebte sowohl bei grenzüberschreitender Migration als auch bei internen Bewegungen nach repressiver Steuerung und weitreichender Kontrolle.« Sie wurde insbesondere mit Hilfe des Kompetenzzuwachses der Arbeitsverwaltung, verschärfter Grenzkontrollen und restriktiver Anwendung der Pass- und Visabestimmungen erreicht. Die Aufhebung liberal-demokratischer Freiheitsrechte ermöglichte die Etablierung eines weitreichenden migratorischen Lenkungssystems.

Auf der Tagung werden besonders die Wechselwirkungen zwischen der Entwicklung der Migrationsverhältnisse und den Aktivitäten des NS-Regimes zur Konstruktion von »Volksgemeinschaft« in der durch massive Aufrüstung und Kriegsvorbereitung geprägten Phase bis zum Kriegsbeginn 1939 im Mittelpunkt stehen. Darüber hinaus geht es darum, das nationalsozialistische Migrationsregime in die Entwicklungen in Deutschland und Europa im 20. Jahrhundert einzuordnen.

In den Blick genommen werden die Erscheinungsformen räumlicher Bevölkerungsbewegungen von, nach und in Deutschland in den 1930er Jahren, ihre Bedingungen, Formen und Folgen. Zum einen geht es um die Entwicklung der Ausländerbeschäftigung in der Situation der Rüstungshochkonjunktur sowie um den politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Umgang mit den zugewanderten Arbeitskräften. Zum andern werden aber auch Aspekte des »Arbeitseinsatzes« als großangelegtes System zur (zwangsweisen) Lenkung einheimischer Arbeitskräfte diskutiert. Oltmer: »Dessen Folgen waren vor allem dort sichtbar, wo NS-Großprojekte umgesetzt wurden – ob es um die Aufrichtung des gegen Frankreich gerichteten „Westwalls“ ging, um den Bau der „Stadt des KDF-Wagens“ Wolfsburg oder um die Errichtung der „Hermann-Göring-Werke“, mit der die Stadt Salzgitter aus dem Boden gestampft wurde, wo sich die lokale Gesellschaft ausschließlich aus deutschen und ausländischen Zuwanderern zusammensetzte.«

Die Tagung wird veranstaltet vom Forschungskolleg »Nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“? Konstruktion, gesellschaftliche Wirkungsmacht und Erinnerung vor Ort«, an dem die Universitäten Hannover, Göttingen, Oldenburg und Osnabrück beteiligt sind, und dem DHM.

Weitere Informationen

apl. Prof. Dr. Jochen Oltmer, Universität Osnabrück
Fachbereich Kultur- und Geowissenschaften, IMIS
Seminarstraße 19/21, 49069 Osnabrück
Telefon: +49 541 969 4365
jochen.oltmer@uni-osnabrueck.de