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Pressemeldung

Nr. 236 / 2009

02. July 2009 : Zwischen funktionalistischer und kirchlicher Orientierung - Uni Osnabrück untersucht Unterschiede der Pflegsysteme in Deutschland und den USA

Die Frage, wie die Pflege alter, kranker und hilfsbedürftiger Menschen zukünftig gestaltet werden kann, ist angesichts des demografischen Wandels derzeit Gegenstand intensiver politischer Kontroversen. Ein neues Forschungsprojekt an der Universität Osnabrück greift diese Debatten auf, verfolgt sie jedoch in historischer Perspektive durch einen Vergleich der Pflegesysteme zwischen Westdeutschland und den USA nach 1945.

Die Frage, wie die Pflege alter, kranker und hilfsbedürftiger Menschen zukünftig gestaltet werden kann, ist angesichts des demografischen Wandels derzeit Gegenstand intensiver politischer Kontroversen. Ein neues Forschungsprojekt an der Universität Osnabrück greift diese Debatten auf, verfolgt sie jedoch in historischer Perspektive durch einen Vergleich der Pflegesysteme zwischen Westdeutschland und den USA nach 1945.

Im Mittelpunkt des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts stehen zwei unterschiedliche Pflegetraditionen, erklärt der Fachgebietsleiter Prof. Dr. Hartmut Remmers. »In Deutschland existiert ein stark in kirchliche Traditionen, beispielsweise des evangelischen Mutterhaussystems, eingelassenes berufliches Selbstverständnis. Und in den Vereinigten Staaten sehen wir ein stark an säkularen Professionalisierungsinteressen orientiertes, weitaus rückhaltloser durch gesellschaftliche Rationalisierungsprozesse beeinflusstes, eher funktionalistisch ausgerichtetes Pflegesystem«, so der Gesundheitswissenschaftler an der Universität Osnabrück. Während das Leitbild des christlichen »Liebesdienstes« die westdeutsche Pflegegeschichte noch bis in die 1960er Jahre prägte, setzten sich in den USA schon seit Ende des 19. Jahrhunderts Vorstellungen zweckrational organisierter Krankenversorgung durch. Nach 1945 nahmen die USA international eine Vorreiterrolle bei der Akademisierung der Pflegeberufe ein, während Westdeutschland bis heute als pflegewissenschaftliches Entwicklungsland gilt.

Dr. Susanne Kreutzer, die gegenwärtig ihre Habilitation im Fachgebiet Pflegewissenschaft in Osnabrück vorbereitet, hat sich in ihrem neuen Forschungsprojekt eine kritische Überprüfung der am US-amerikanischen Modell orientierten Fortschrittsperspektive zum Ziel gesetzt. »Dabei sollen die verschiedenartigen Pflegekonzepte in ihren nationalen Kontexten verortet und nach ihrem sozialen Sinn befragt werden«, so Kreutzer. Die internationale Vergleichsstudie wird sich auf die Diakonissenmutterhäuser und die Vorreiterinnen einer Verwissenschaftlichung der Pflege jeweils in den USA und Westdeutschland konzentrieren. Methodisch stützt sich das Forschungsprojekt auf Erfahrungen der Oral History-Studien und die Auswertung schriftlicher Quellen. Untersucht werden die biografischen Hintergründe, das pflegerische Selbstverständnis, die Motivationen, Ziele und Erfahrungen verschiedenster Protagonistinnen im Prozess der Verwissenschaftlichung, Ökonomisierung und Technisierung der Krankenpflege nach 1945.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hartmut Remmers, Universität Osnabrück,
Fachbereich Humanwissenschaften,
Seminarstraße 20, 49069 Osnabrück,
Telefon: +49 541 969 2474,
hartmut.remmers@uni-osnabrueck.de