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Pressemeldung
Nr. 234 / 2009
01. Juli 2009 : Der sechste Sinn - Uni Osnabrück: Forschungsprojekt untersucht das Erlernen eines neuen Sinns
In einem von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) gefördertem Projekt erforschen Hirnforscher der Universität Osnabrück zusammen mit Wissenschaftlern der Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) und dem Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen, ob und wie Menschen einen völlig neuen Sinn lernen können. Durch bildgebende Verfahren, die Lernprozesse im Gehirn untersuchen, und Verhaltensstudien in virtuellen Umgebungen versprechen sich die Forscher neue Einblicke in die Mechanismen der Sinnesentwicklung.
In einem von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) gefördertem Projekt erforschen Hirnforscher der Universität Osnabrück zusammen mit Wissenschaftlern der Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) und dem Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen, ob und wie Menschen einen völlig neuen Sinn lernen können. Durch bildgebende Verfahren, die Lernprozesse im Gehirn untersuchen, und Verhaltensstudien in virtuellen Umgebungen versprechen sich die Forscher neue Einblicke in die Mechanismen der Sinnesentwicklung.
Augen, Ohren und Finger sind uns angeboren; wie wir sie benutzen, allerdings nicht. Wie neue Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen, müssen wir, um unsere Sinne vollständig zu entwickeln, erlernen, wie sich unser Sinneseindruck ändert, wenn wir unseren Körper ändern – etwa, auf welche Art sich der Bildausschnitt verschiebt, wenn wir unseren Kopf drehen oder uns durch den Raum bewegen. Diese Verbindung zwischen Sinnesreiz und Handlung nennt sich sensorimotorische Kontingenz. Da diese Kontingenzen normalerweise schon im frühesten Kindesalter oder bereits im Mutterleib erworben werden, ist bislang wenig über die exakten Wirkungs- und Lernmechanismen bekannt. Wissenschaftlern an der Universität Osnabrück bietet sich nun die einmalige Gelegenheit, diesen Lernprozess an erwachsenen, gesunden Menschen zu studieren.
Dazu hat die Arbeitsgruppe um den Kognitionswissenschaftler Prof. Dr. Peter König einen Gürtel entwickelt, der mittels eines elektronischen Kompasses und vibrotaktiler Stimulation die Richtung des magnetischen Nordpols auf die Haut um der Hüfte projiziert – und somit dem Träger ein neues, in der menschlichen Physiologie bislang nicht vorhandenes Sinnesorgan verleiht, durch welches er im ständigen Bezug zu einem stabilen externen Referenzpunkt steht. »Mit physiologischen Techniken wie EEG und bildgebenden Verfahren zur Hirnaktivität untersuchen wir neu erworbene sensorimotorische Kontingenzen«, erklärt König. Ob und wie es zu solchen Kontingenzen kommt, welche Faktoren beim Lernprozess eine Rolle spielen, und wie sich die subjektive Wahrnehmung des Sinnes während der sechswöchigen Trainingszeit ändert, wird in Kooperation mit Wissenschaftlern des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) und dem Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen erforscht. Von besonderem Interesse ist für die beteiligten Forscher, ob und wie sich eine subjektive, qualitative Wahrnehmung des Sinnes für die Träger ausbildet und mit unseren natürlichen Sinneseindrücken integriert.
Weitere Informationen
Prof. Dr. Peter König, Universität Osnabrück,
Institut für Kognitionswissenschaft,
Albrechtstraße 28, 49076 Osnabrück,
Telefon: +49-541 969 2399, Fax:+49-541 969 2596
pkoenig@uni-osnabrueck.de
