Hauptinhalt
Topinformationen
Pressemeldung
Nr. 53 / 2011
03. Februar 2011 : Einsicht in die eigene Erkrankung - Uni Osnabrück erforscht Krankheitseinsicht bei Schizophrenie-Patienten
Die häufig fehlende oder beeinträchtigte Krankheitseinsicht bei Personen, die an einer Erkrankung aus dem Schizophrenie-Spektrum leiden, ist ein bereits seit Längerem bekanntes Phänomen. Die näheren Ursachen liegen indes oftmals im Dunkeln, erklärt der Psychologe Prof. Dr. Karl H. Wiedl von der Universität Osnabrück. In dem seit April 2009 laufenden Projekt »Neurokognitive und motivationale Bedingungen von Krankheitseinsicht bei Schizophrenie« der Arbeitsgruppe um Prof. Wiedl sollen mögliche Ursachen untersucht werden.
Die häufig fehlende oder beeinträchtigte Krankheitseinsicht bei Personen, die an einer Erkrankung aus dem Schizophrenie-Spektrum leiden, ist ein bereits seit Längerem bekanntes Phänomen. Die näheren Ursachen liegen indes oftmals im Dunkeln, erklärt der Psychologe Prof. Dr. Karl H. Wiedl von der Universität Osnabrück. In dem seit April 2009 laufenden Projekt »Neurokognitive und motivationale Bedingungen von Krankheitseinsicht bei Schizophrenie« der Arbeitsgruppe um Prof. Wiedl sollen mögliche Ursachen untersucht werden. Erste Zwischenergebnisse der durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Untersuchung liegen nun vor.
Die Studie basiert auf einem Modell, das neben kognitiven auch motivationale Ursachen für die Einsichtsdefizite betont. Ein erstes Ergebnis der Studie besteht in dem Nachweis, dass für unterschiedliche Patiententypen verschiedene Ursachen eine Rolle spielen. Wiedl und seine Mitarbeiter konnten spezifische Untergruppen aufzeigen und belegen, dass bei einem Teil der Patienten die reduzierte Krankheitseinsicht vor allem mit kognitiver Beeinträchtigung zusammenhängt. Weiterhin ließen sich auch Patientengruppen identifizieren, für die spezifische motivationale Aspekte eine bedeutsame Rolle spielen. Vor allem Stigmatisierungseffekte und sozial erwünschtes Antwortverhalten seien hier als Erklärung anzuführen, wie Wiedl betont: »Patienten, die in ausgeprägter Weise Vorurteile über Personen mit Schizophrenie-Diagnosen wahrnehmen, neigen eher dazu, ihre Erkrankung zu „verheimlichen“, was in der Folge mit reduzierter Krankheitseinsicht verbunden ist.«
Darüber hinaus fanden die Wissenschaftler heraus, dass Patienten mit Neigung zu sozial erwünschtem Antwortverhalten ebenfalls eher »verheimlichend« mit ihrer Diagnose umgehen. Wiedl: »Die Bedeutung dieser Studie liegt nach unserer Auffassung darin, dass sie die Notwendigkeit zur Erweiterung aktueller, monokausaler Theorien zur Genese von Krankheitseinsicht verdeutlicht. Gleichzeitig kann sie eine erste Basis für die Entwicklung adäquater Behandlungsansätze darstellen, welche angesichts der Konsequenzen mangelnder Krankheitseinsicht für den Krankheitsverlauf und -folgen dringend erforderlich sind.« Im weiteren Verlauf der Studie soll nun unter anderem untersucht werden, wie sich die reduzierte Krankheitseinsicht auf das Selbstwertgefühl der Patienten auswirkt und ob hier auch spezifische Unterschiede für die gefundenen Patientengruppen festzustellen sind. Abschließende Ergebnisse werden Ende 2012 vorliegen.
Weitere Informationen
Prof. Dr. Karl H. Wiedl, Universität Osnabrück
Institut für Psychologie
Knollstraße 15, 49069 Osnabrück
Telefon: +49 541 969 4752
wiedl@uni-osnabrueck.de
