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Pressemeldung
Nr. 339 / 2008
01. Dezember 2008 : »Ich brauche keine Hilfe, ich bin ja nicht krank!« - Universität Osnabrück erforscht Ursachen mangelnder Krankheitseinsicht bei Schizophrenie
»Ich brauche keine Hilfe! Ich bin ja nicht krank!« – Menschen mit der Diagnose einer Schizophrenie zeigen oftmals Defizite der »Krankheitseinsicht«: Ihre Selbstbeschreibung weicht oft deutlich vom Krankheitsbegriff der sie behandelnden Psychiater und Psychologen ab. Das Institut für Psychologie der Universität Osnabrück wird sich in einem von Prof. Dr. Karl Heinz Wiedl aus dem Fachgebiet Klinische Psychologie geleiteten und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt mit den Ursachen dieser mangelnden Störungsbewusstheit beschäftigen.
»Ich brauche keine Hilfe! Ich bin ja nicht krank!« – Menschen mit der Diagnose einer Schizophrenie zeigen oftmals Defizite der »Krankheitseinsicht«: Ihre Selbstbeschreibung weicht oft deutlich vom Krankheitsbegriff der sie behandelnden Psychiater und Psychologen ab. Oftmals werden »psychotische« Erlebnisse (wie beispielsweise Halluzinationen) nicht als Zeichen einer Störung gewertet, bestehender Behandlungsbedarf und weitreichende, gravierende Konsequenzen für das Leben nicht erkannt. Das Institut für Psychologie der Universität Osnabrück wird sich in einem von Prof. Dr. Karl Heinz Wiedl aus dem Fachgebiet Klinische Psychologie geleiteten und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt mit den Ursachen dieser mangelnden Störungsbewusstheit beschäftigen.
Es existieren verschiedene Erklärungen mangelnder Einsicht bei Schizophrenie: Während »neurokognitive« Ätiologien Störungen höherer Funktionen der Informationsverarbeitung annehmen, sehen »motivationale« Erklärungen eine von mehreren Ursache in einem defensiven Stil der Krankheitsverarbeitung. Dies ist allerdings kein schizophrenie-spezifisches, sondern ein allgegenwärtiges menschliches Phänomen: Informationen, die den Selbstwert bedrohen, werden unter bestimmten Umständen »abgewertet« oder zumindest weniger bereitwillig mitgeteilt. Auch zeigen gesundheitspsychologische Erkenntnisse, dass die Konstruktion subjektiver Krankheitskonzepte auch bei körperlichen Erkrankungen unter anderem von der Wahrnehmung und Deutung von Symptomen abhängt.
»Bislang wurden kognitive und motivationale Ansätze kaum integriert«, so Wiedl. »Wir erwarten, dass für unterschiedliche Subgruppen von Betroffenen unterschiedliche Wirkfaktoren gefunden werden können.« Die Wissenschaftler wollen sich dem Problem mit einer Auswahl selbst entwickelter und etablierter psychologischer Tests annähern. Wiedl: »Wir erhoffen uns Erkenntnisse, die zur besseren Vermittlung funktionaler Krankheitsmodelle und zur Prävention depressiver Krankheitsverarbeitung bei Schizophrenie beitragen.«
Weitere Informationen
Prof. Dr. Karl Heinz Wiedl, Universität Osnabrück,
Fachbereich Humanwissenschaften, Institut für Psychologie,
Knollstraße 15, 49069 Osnabrück,
Telefon: +49 541 969 4695, Fax +49 541 969 14404,
wiedl@uni-osnabrueck.de
