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Pressemeldung
Nr. 90 / 2011
04. März 2011 : Welche Gefühle ruft der Gedanke an den Tod hervor? - Uni Osnabrück: Psychologe untersucht Hirnaktivitäten im Zusammenhang mit Gedanken an den Tod
Welche Gefühle und Assoziationen ruft der Gedanke an den Tod hervor? Dr. Quirin, Psychologe am Fachbereich Humanwissenschaften der Universität Osnabrück, hat mit einem internationalen Forschungsteam nach Antworten auf diese Frage gesucht. Mit Hilfe eines Magnetresonanztomopgraphen wurde die Hirnaktivität von Personen gemessen, während sie aufgefordert wurden, sich Gedanken über die eigene Sterblichkeit zu machen. Die Ergebnisse überraschen.
Welche Gefühle und Assoziationen ruft der Gedanke an den Tod hervor? Dr. Quirin, Psychologe am Fachbereich Humanwissenschaften der Universität Osnabrück, hat mit einem internationalen Forschungsteam nach Antworten auf diese Frage gesucht. Mit Hilfe eines Magnetresonanztomopgraphen wurde die Hirnaktivität von Personen gemessen, während sie aufgefordert wurden, sich Gedanken über die eigene Sterblichkeit zu machen. Die Ergebnisse überraschen: »Wenn im Augenblick noch sehr spekulativ, so sprechen die Ergebnisse aber für die existentialistische Theorie von Martin Heidegger, zumindest wenn man den integrativen Ansatz meines Doktorvaters Julius Kuhl als Interpretationsgrundlage heranzieht«, so Quirin.
Zum Ablauf der Untersuchung: 17 junge Männer wurden mit Aussagen konfrontiert, die eine Assoziation mit dem Gedanken an den Tod hervorrufen. Beispiele dafür sind Sätze wie »Ich habe Angst, einen qualvollen Tod zu sterben« oder »ich werde auf jeden Fall rechtzeitig mein Testament machen«. Während die untersuchten Personen beurteilen sollten, inwieweit der jeweilige Satz mit dem eigenen Empfinden übereinstimmt, wurden mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie ihre Hirnaktivitäten aufgezeichnet.
Die Ergebnisse seien erstaunlich, so Quirin. Zwar sei es nicht verwunderlich, dass im Gehirn der Probanden beim Gedanken an den Tod eine erhöhte Aktivität von Hirnregionen zu verzeichnen sei, die in Zusammenhang mit Angstgefühlen eine Rolle spielen. Überraschend sei es indes festzustellen, so der Forscher, dass der Tomograph auch für die Hirnstruktur Nucleus caudatus eine verstärkte Aktivität zeigte - ein Bereich im Gehirn, der gerne aktiviert wird, wenn vertraute, automatisierte Verhaltensmuster ausgeführt werden. Quirin verweist bei der Erklärung dieses Ergebnisses auf den Philosophen Martin Heidegger: »Viele Menschen kompensieren ihre existentielle Angst, indem sie sich konform zu den Konventionen und Gewohnheiten ihrer Umgebung verhalten.« Eine weitere, hierzu aber durchaus kompatible Erklärung könne sein, dass die Aktivierung Gedanken an geliebte Menschen wiederspiegelt, was in der Tat bereits mit Aktivierung des Nucleus Caudatus in Verbindung gebracht wurde, so Quirin. Dieser Erklärungsansatz sei allerdings nicht weniger spekulativ.
In einem weiteren Schritt möchte Quirin die Untersuchungsergebnisse mit den Hirnaktivitäten älterer Menschen beim Gedanken an den Tod vergleichen. »Da wäre es sicher interessant, zu schauen, inwieweit unterschiedliche Strategien mit dem Gedanken an den herannahenden Tod umzugehen mit unterschiedlichen Mustern neuronaler Aktivität einhergehen.«
Weitere Informationen
Dr. Markus Rainer Quirin, Universität Osnabrück
Fachbereich Humanwissenschaften
Institut für Psychologie
Seminarstraße 20, Osnabrück
Telefon: +49 541 969 4729
mquirin@uni-osnabrueck.de
