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034/2025
Studie zur Bedrohung von Kalkmagerrasen publiziert

Im Einsatz für die Biodiversität

Ursachen und Auswirkungen des Vordringens der Aufrechten Trespe (Bromus erectus), ein hochwüchsiges, mehrjähriges Gras, in Kalkmagerrasen haben Prof. Dr. Thomas Fartmann mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Kaiserstuhl untersucht.

Ihre nun in der Fachzeitschrift Journal of Environmental Management publizierte Studie ergab, dass trotz eines intensivierten Naturschutzmanagements die Bedeckung der Grasart in den vergangenen 40 Jahren stark zugenommen hat.

Sogenannte Kalkmagerrasen sind durch jahrhundertelange Nutzung als Viehweiden, aber auch als Wiesen, meist ohne jegliche Düngung auf kalkreichen Böden entstanden. Aufgrund der großen Vielfalt an Pflanzen- und Insektenarten kommt ihnen für die Erhaltung der Biodiversität eine herausragende Bedeutung zu. Sie sind durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) in der gesamten EU rechtlich geschützt. Lange Zeit ging die größte Gefahr für diese Hotspots der Artenvielfalt von der Nutzungsaufgabe aus. In jüngster Zeit führt dagegen die Ausbreitung der Aufrechten Trespe zu massiven Veränderungen der Lebensgemeinschaften der Kalkmagerrasen in Mitteleuropa.

Insgesamt, so ein Ergebnis der Forscherinnen und Forscher, habe das Vordringen der Aufrechten Trespe zu einer strukturellen und floristischen Homogenisierung geführt. „Wir erklären die Ausbreitung in den letzten 40 Jahren vor allem durch den Klimawandel, also mildere Winter und trockenere Sommer, aber auch durch Stickstoffeinträge“, erklärt Prof. Fartmann. „Die Fähigkeit dieser Pflanze, auch bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen im Winter zu wachsen, ist ein starker Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten. Dies gilt vor allem für tiefgründige Böden, die durch atmosphärische Einträge mit Stickstoff angereichert sind. Auch die Sommertrockenheit begünstigt die sehr dürreresistente Art.“

Was ist indes zu tun, um die weitere Ausbreitung und damit verbunden den Rückgang der Artenvielfalt zu verhindern? „Entscheidend ist eine Nutzung im Winter und zeitigen Frühjahr während der Phase des ersten Austriebs der Grasart und wieder während der nachfolgenden Wachstumsphase, also normalerweise sechs bis acht Wochen später. Die Bewirtschaftung kann durch Beweidung oder Mähen erfolgen“, erklärt Prof. Fartmann.

 Link zur Publikation

Weitere Informationen für die Medien:
Prof. Dr. Thomas Fartmann, Universität Osnabrück,
Fachbereich Biologie/Chemie
Abteilung für Biodiversität und Landschaftsökologie,
 thomas.fartmann@uos.de

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