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059/2026
Neue Studie der Universität Osnabrück und des Max-Planck-Instituts

Wie das Gedächtnis unsere Blicke steuert

Was fesselt unseren Blick wirklich? Eine neue Studie der Universität Osnabrück und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften zeigt: Unsere Augen verweilen nicht dort, wo Bilder besonders kompliziert sind – sondern dort, wo das Gehirn entscheidet, Erinnerungen zu schaffen.

Unsere Augen sind ständig in Bewegung. Rund 200.000-mal am Tag springen sie von einem Punkt zum nächsten. Doch nicht überall verweilt der Blick gleich lang: Manche Stellen betrachten wir kaum einen Augenblick lang, bei anderen halten wir deutlich länger inne. Warum? Die einfache Vermutung lautete: Weil manche Bildinhalte schwieriger zu verarbeiten sind. Eine neue Studie der Universität Osnabrück und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften zeigt nun: Das stimmt so nicht. Entscheidend ist besonders, ob das Gesehene ins Gedächtnis überführt wird.

In einer in der Fachzeitschrift  Nature Neuroscience veröffentlichten Arbeit hat ein Forschungsteam um Philip Sulewski und Prof. Dr. Tim C. Kietzmann vom Institut für Kognitionswissenschaft untersucht, was die Verweildauer unseres Blicks bestimmt. Dazu betrachteten die Versuchspersonen jeweils über 4.000 natürliche Szenen, während gleichzeitig ihre Hirnaktivität und Augenbewegungen aufgezeichnet wurden. In einem Teil der Durchgänge beschrieben die Teilnehmenden anschließend, was sie gesehen hatten.

Das Ergebnis war überraschend: Bildausschnitte, die schwer zu erkennen waren, erhielten kürzere Fixierungen, nicht längere. „Die bisherige Erklärung, dass komplexere Inhalte mehr Verarbeitungszeit brauchen, ließ sich somit nicht bestätigen“, sagt Prof. Dr. Tim C. Kietzmann. Auch auf neuronaler Ebene habe sich kein entsprechender Hinweis gefunden: Die Hirnaktivität stabilisierte sich stets zum gleichen Zeitpunkt, unabhängig davon, wie lange der Blick verweilte.

Stattdessen zeigte sich ein anderer Zusammenhang: Bildinhalte, die die Versuchspersonen später in ihren Beschreibungen erwähnten, waren zuvor deutlich länger betrachtet worden. Auch Inhalte, die ein trainiertes KI-System als besonders einprägsam einschätzte, erhielten längere Fixierungen. Dazu passend fanden die Forschenden während längerer Fixierungen verstärkt Signalmuster im Gehirn der Probanden, die als Kennzeichen von Gedächtnisprozessen gelten.

Die Studie zeichnet damit ein neues Bild der Blicksteuerung: Das Gehirn entscheidet sich für eine längere Verweildauer unseres Blicks, wenn es lohnenswert scheint, den Inhalt abzuspeichern. Mit unseren Augenbewegungen schaffen wir so aktiv die Voraussetzungen dafür, dass wichtige Informationen im Gedächtnis verankert werden können.

 

Weitere Informationen für die Medien: 
Prof. Dr. Tim C. Kietzmann, Universität Osnabrück
Institut für Kognitionswissenschaft

E-Mail:  tim.kietzmann@uni-osnabrueck.de

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