Detailseite News

050/2026
Ein starkes Antioxidans

Wissenschaftler widerlegen Annahme: Pflanzen können Ergothionein selbst herstellen

Das Forschungsteam der AG Botanik hat gezeigt, dass zahlreiche Pflanzen das Antioxidans Ergothionein (EGT) selbst produzieren. Bislang galt EGT ausschließlich als ein Produkt, das von Pilzen und bestimmten Bakterien synthetisiert wird.

EGT ist ein starkes Antioxidans mit vielfältigen Vorteilen für den Menschen, für das daher der Begriff ‚longevity vitamin‘ vorgeschlagen wurde: es schützt Zellen vor oxidativem Stress und Entzündungen und kann so altersbedingte Erkrankungen wie Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen abmildern. Durch umfassende Genanalysen identifizierten die Wissenschaftler die beiden Schlüsselgene EGT1 und EGT2 für die EGT-Synthese auch in verschiedenen Pflanzengruppen.

Mittels hochsensitiver Massenspektrometrie wurde dann weiterführend die Synthese dieses Moleküls in verschiedenen Pflanzengruppen nachgewiesen. „Unsere Daten zeigen, dass entgegen der bisherigen Annahmen, Pflanzen EGT selbst produzieren, welches unser Verständnis von pflanzlichen Antioxidans-Systemen verändert“, erklärt Prof. Dr. Sabine Zachgo, Leiterin der AG Botanik und Direktorin des Botanischen Gartens an der Universität Osnabrück.

Bei der Alge Klebsormidium nitens und dem Blasenmützenmoos Physcomitrium patens führten hohe Lichtbelastungen und erhöhte Temperaturen zu einem deutlichen Anstieg der EGT-Produktion. „Unsere Beobachtungen legen nahe, dass EGT in Pflanzen als Teil der antioxidativen Abwehr gegen auftretende Stressoren dient – welches angesichts zunehmender Klimaextreme von großer praktischer Bedeutung ist“, betont der Erstautor der Studie, Dr. Cilian Kock. Die Entdeckung eröffnet neue Perspektiven für weitere Analysen zur Funktion von EGT in Pflanzen als auch für die Entwicklung stressresistenter Nutzpflanzen und die Pflanzenzüchtung.

Die Ergebnisse wurden am 28. April im Fachjournal Plant Biology, der Zeitschrift der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DOI:10.1111/plb.70218), veröffentlicht.

Weitere Informationen für die Medien:
Prof. Dr. Sabine Zachgo, Universität Osnabrück
AG Botanik
 szachgo@uni-osnabrueck.de

Verwandte Nachrichten

Zwei Ananasgewächse in Blüte
© Foto: Botanischer Garten

Die erstaunliche Vielfalt der Ananasgewächse

Eine Pflanzenbörse und zwei spannende Vorträge erwarten Besucher des Botanischen Gartens der Universität Osnabrück am Samstag, 29. August 2026: Dann kommt hier die Deutsche Bromelien-Gesellschaft e. V. (DBG) zu ihrem Jahrestreffen zusammen. 

Ein alter Mensch mit Rollator steht vor einer Treppe.
© Ingo Bartussek

Universität Osnabrück evaluiert Hamburger Modellprojekte für ein gutes Leben im Alter

Für viele Menschen ist der Wunsch groß, auch bei Pflegebedürftigkeit möglichst lange in ihrem vertrauten Wohnumfeld leben zu können. Wie dies durch innovative Unterstützungs- und Versorgungsstrukturen gelingen kann, erprobt die Stadt Hamburg im Modellvorhaben „Wohnen bleiben im Quartier“. Die [...]

California, Forest, Landscape, Orange, Redwood Tree, Summer, Sun, Tranquil, Travel, Trees, Warm, Wood, bark, floor, forest floor, hiking, outdoors, peaceful, pine, pine needles, redwood, sticks, tree
© Daniel Neve|adobe.stock

In Zeiten von Hitze und Waldbränden: Geographen erforschen Feuchtigkeit in Waldböden

In einem Sommer der Extremtemperaturen und Waldbrände ist dieses Projekt aktueller denn je: Forschende der Universität Osnabrück untersuchen die biologischen Prozesse und ökohydrologischen Mechanismen, die die Wasserverfügbarkeit in Waldböden steuern.

Zu sehen sind verschiedene Sinnesorgane.
© Deyan Georgiev

Uni sucht Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer

Eine negative Bewertung des eigenen Körpers stellt einen Risikofaktor für die Entwicklung von Essstörungen dar. Betroffene erleben häufig unangenehme Gefühle wie Scham, Angst oder negative Gedanken. Damit befasst sich das Forschungsprojekt „sensED“.