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086/2026
Wie Sprache entsteht

Forschende veröffentlichen Ergebnisse in renommiertem Verlag

Wie strukturieren Menschen ihre begriffliche Welt mithilfe von Sprache? Mit dieser und weiterführenden Fragen haben sich am Institut für Kognitionswissenschaft Dr. Kristina Kobrock, Dr. Xenia Ohmer, Prof. Dr. Elia Bruni sowie Prof. Dr. Nicole Gotzner befasst. 

Ihre Ergebnisse wurden nun in dem renommierten Verlag PLoS Computational Biology veröffentlicht.

In dem Beitrag geht es um die kognitionswissenschaftliche Forschung an der Schnittstelle zwischen Sprache und Denken. Konkret lautet eine der Fragen: Wie kommt es, dass uns natürliche Sprachen mehrere Möglichkeiten bieten, dasselbe Objekt mit verschiedenen Ausdrücken, beispielsweise Dalmatiner, Hund, Tier, zu kommunizieren? „Wir zeigen mithilfe von computergestützter Modellierung, dass sich effiziente Sprachen aus dem Zusammenspiel der Bedürfnisse von Gesprächspartnern in kommunikativer Interaktion entwickeln“, erklärt Kobrock. Während Sprecherinnen und Sprecher kurze, prägnante und leicht verfügbare Begriffe benutzen wollen, bevorzugen Zuhörerinnen und Zuhörer informative Nachrichten. „Das ständige Austarieren dieser gegensätzlichen Wünsche untersuchen wir mithilfe von agentenbasierter Modellierung. Kleine KI-Systeme lernen miteinander zu kommunizieren und entwickeln dafür eine eigene Sprache, die wir interpretieren und auf Merkmale natürlicher Sprachen hin untersuchen“, ergänzt die Postdoktorandin. 

Die Ergebnisse der Forschenden zusammengefasst: Zum einen entwickeln effiziente und natürlichen Sprachen ähnliche Kommunikationssysteme aus dem Zusammenspiel kommunikativer Bedürfnisse in der Interaktion. „Zweitens arbeiten wir die für diesen Prozess relevanten Faktoren heraus: Die Kommunikation in einem gemeinsamen Kontext, also eine Situation wo Gesprächspartner Wissen teilen, ist entscheidend für die Evolution effizienter Sprachen“, so Kobrock. Wenn Sprecherinnen und Sprecher sich zusätzlich Gedanken machen, wie ihre Nachrichten interpretiert werden, verbessert dies die Effizienz von Sprachsystemen weiter, jedoch nur, wenn sich die Sprachen bereits in einem gemeinsamen Kontext entwickelt haben. 

Drittens leistet die Modellierungsstudie einen Beitrag zu einer Theorie der Sprachevolution, die eine gemeinsame Entwicklung von sprachlichen Begriffen und mentalen Kategorien aus den kommunikativen Bedürfnissen in konkreten Interaktionen erklären kann: Die Ergebnisse unterstützen die Idee, dass Wörter und Konzepte gleichzeitig entstehen. Beide entwickeln sich aus dem Wunsch nach einer ausgeglichenen Kommunikation – einfach genug für Sprecherinnen und Sprecher, aber informativ genug für Zuhörerinnen und Zuhörer. „Die agentenbasierte Modellierung erlaubt es uns bahnbrechende Erkenntnisse über Kommunikation zu gewinnen, weil wir vollständige Kontrolle über alle Faktoren haben. Das könnten wir mit menschlichen Experimenten nicht in dem Maße erreichen. Ich freue mich auf weitere spannende Untersuchungen mit diesem exzellenten Forschungsteam“, fügt Prof. Nicole Gotzner hinzu. 
 

Kobrock K, Ohmer X, Bruni E, Gotzner N (2026) The role of pragmatic mechanisms in referential communication and categorization: An emergent communication model. PLoS Computational Biology 22(5): e1014326.  https://doi.org/10.1371/journal.pcbi.1014326

Weitere Informationen für die Medien: 
Dr. Kristina Kobrock, Universität Osnabrück
Institut für Kognitionswissenschaft 
 kristina.kobrock@uos.de

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