Detailseite News

125/2026
Zehn Doktoranden starten im DFG-geförderten Graduiertenkolleg Ecorisk an der Uni Osnabrück

Ökologische Kipppunkte in der Landwirtschaft und ihre Folgen

Wie tiefgreifende Veränderungen von Ökosystemen durch menschliches Handeln entstehen, welche Folgen sie für Gesellschaften haben und wie Menschen mit den damit verbundenen Risiken umgehen können, untersuchen zehn neue Promovierende an der Universität Osnabrück. Am 1. Oktober 2026 starten die Projekte im Graduiertenkolleg Ecorisk – im Fokus steht dabei die Landwirtschaft.

Die neuen Promotionsprojekte betrachten ökologische Regimewechsel und systemische Risiken aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven. „Wir bringen unterschiedliche Disziplinen zusammen – von Soziologie bis Informatik und von Geographie bis Umweltsystemwissenschaften. So kann ein besseres Verständnis von Veränderungen und damit einhergehenden Problemen entwickelt werden und es können innovative Lösungsansätze entstehen“, erläutert der Geograph Prof. Dr. Martin Franz, Sprecher von Ecorisk. Ein Projekt untersucht beispielsweise, wie sich mithilfe von Satellitendaten und Methoden des maschinellen Lernens verschiedene Formen landwirtschaftlicher Nutzung erfassen lassen. Dadurch soll besser nachvollzogen werden, wie intensive Landwirtschaft auf Gewässer und andere Ökosysteme wirkt.

Andere Projekte richten den Blick auf die Menschen, die von ökologischen Veränderungen betroffen sind oder diese durch ihre Entscheidungen beeinflussen. Untersucht wird beispielsweise, wie Landwirtinnen und Landwirte Risiken wahrnehmen und welche Faktoren ihre Bereitschaft fördern oder hemmen, Bewirtschaftungsweisen zu verändern. Auch Hofübergaben spielen dabei eine Rolle: Sie können wichtige Zeitpunkte für eine nachhaltigere Ausrichtung eines landwirtschaftlichen Betriebs sein. Häufig werden bestehende intensive Produktionsweisen jedoch trotz bekannter ökologischer Risiken fortgeführt.

„Das Ecorisk-Team möchte besser verstehen, unter welchen Bedingungen Politik und Verwaltung frühzeitig auf Warnsignale reagieren, anstatt erst dann Maßnahmen zu ergreifen, wenn eine Krise bereits eingetreten ist“, erläutert Prof. Dr. Claudia Pahl-Wostl, stellvertretende Sprecherin von Ecorisk. „Wir untersuchen, wie vorhandenes Wissen in Entscheidungen einfließt, wie Risiken bewertet werden und ob akute Krisen langfristige Veränderungen anstoßen – oder lediglich kurzfristige Reaktionen hervorrufen. Dabei richtet sich unser Blick weit über die deutsche Landwirtschaft hinaus: Geforscht wird unter anderem in Argentinien, Kolumbien und Frankreich.“ Die Ergebnisse aus den Projekten werden ein besseres Verständnis für systemische Risiken liefern, dies sind Risiken, die von einer Stelle des Systems ausgehend, das ganze System – in diesem Fall die landwirtschaftliche Produktion – gefährden können. 

Gemeinsame Forschung über Fachgrenzen hinweg

Das Graduiertenkolleg Ecorisk ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderter Forschungs- und Qualifizierungsverbund. Promovierende und Postdocs bearbeiten darin eigene Forschungsprojekte innerhalb eines gemeinsamen thematischen Programms. Neben ihrer individuellen Forschung nehmen sie an einem gemeinsamen Qualifizierungsprogramm teil.

„Die besondere Stärke von Ecorisk liegt im Zusammenspiel der verschiedenen Disziplinen“, sagt Dr. Jana Rülke, Koordinatorin des Graduiertenkollegs. „Dabei arbeiten die neuen Promovierenden nicht nur untereinander eng zusammen, sondern auch mit den beteiligten Professorinnen und Professoren, unseren internationalen Partnerinnen und Partnern und vor allem den Promovierenden der ersten Ecorisk-Kohorte.“ Bereits 2024 starteten die ersten zehn Promovierenden mit ihrer Forschung in Ecorisk. „Von deren Erfahrungen und Ergebnissen können die neuen nun profitieren“, so Rülke. 

An dem Graduiertenkolleg mit dem vollständigen Titel „Ecological Regime Shifts and Systemic Risk in Coupled Social-Ecological Systems“ sind die Institute für Geographie, Sozialwissenschaften, Mathematik, Informatik, Umweltökonomie und Umweltsystemwissenschaften der Universität Osnabrück beteiligt. Darüber hinaus kooperiert Ecorisk mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig.

 

Weitere Informationen für die Medien:
Dr. Jana Rülke, Universität Osnabrück
Koordination und Öffentlichkeitsarbeit
Graduiertenkolleg Ecorisk
E-Mail: jana.ruehlke@uos.de
 www.uni-osnabrueck.de/ecorisk

Verwandte Nachrichten

Eine große Gruppe junger Menschen steht und sitzt gut gelaunt vor der Kamera
© ISC 2025 Committee and Parahyangan Catholic University (UNPAR)

International Student Conference 2027 in Indonesien

Die Parahyangan Catholic University (UNPAR) veranstaltet vom 25.-30. Januar 2027 die 12. International Student Conference (ISC) in Bandung & Jakarta, Indonesien. Alle Bachelor- und Masterstudierenden der UOS können sich bis zum 25. Oktober 2026 bewerben!

Ein Jugendlicher blickt melancholisch zur Seite.
© Marvin Menne

Filmfest Osnabrück: Migrationsforschung trifft Kinopublikum

Zum 41. Mal findet Anfang Oktober das „Filmfest Osnabrück – Festival des Unabhängigen Films“ statt. Vom 6. bis 11. Oktober werden nicht nur Filme vorgeführt – es soll auch über sie diskutiert werden.

Ein Mann mit dunklen Haaren in formeller Kleidung vor einem gelben Gebäude.
© Oliver Schmidt

Neu in der Geschichtsdidaktik

Herzlich willkommen an der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Martin Schlutow! Seit dem 1. Oktober hat er die Professur „Didaktik der Geschichte“ inne.

Silhouette einer Honigbiene beim Pollensammeln auf einer gelben Blüte in freier Natur
© Latsamee | stock.adobe.com

Klima und Biodiversität in der Krise: Wege in eine nachhaltige Zukunft

Unter dem Titel „Klima und Biodiversität in der Krise: Wege in eine nachhaltige Zukunft“ geht die Vortragsreihe der Scientists for Future Osnabrück (S4F) in die 15. Runde.