Detailseite News

112/2026
Dr. Zeynep Şahin-Mencütek übernimmt neue Professur „Global Migration and Politics“

Spitzenforschung zur globalen Migration: Zwei-Millionen-Euro-Projekt startet an der Uni Osnabrück

Die Universität Osnabrück stärkt ihr Profil in der Migrationsforschung: Zum 1. September 2026 tritt Dr. Zeynep Şahin-Mencütek die neu eingerichtete Professur für „Global Migration and Politics“ an. Die international vernetzte Wissenschaftlerin bringt eine hochdotierte Förderung des Europäischen Forschungsrats (ERC) an die Universität.

Mit der Berufung von Dr. Şahin-Mencütek setzt die Universität Osnabrück einen strategischen Akzent in ihrem Profilschwerpunkt Migration. Prof. Dr. Daniel Mertens, Dekan des Fachbereichs Kultur- und Sozialwissenschaften, betont die Bedeutung des Neuzugangs: „Dr. Zeynep Şahin-Mencütek vereint in hervorragender Weise mit ihren Kompetenzen und Forschungsschwerpunkten die Schnittstellen, an denen die neue Professur für Global Migration and Politics ansetzt: das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse an der gesellschaftlichen Aushandlung von Migration und politikwissenschaftliche Konfliktforschung.“ 

In ihrer Forschung befasst sich Dr. Şahin-Mencütek schwerpunktmäßig mit der Governance von Migration, Rückkehrmigration, Diaspora-Politiken sowie Migration und Migrationspolitik im Nahen Osten. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch einen langfristigen, qualitativen und international vergleichenden Ansatz aus. 

Darüber hinaus erhielt sie in der letzten Förderrunde einen ERC Consolidator Grant, eine der renommiertesten europäischen Förderungen für Spitzenforschung. Mit einem Budget von knapp zwei Millionen Euro leitet Şahin-Mencütek ab September an der Uni Osnabrück das Projekt „MULTI-RES - Rethinking Multilevel Responsibilities in Displacement(s)“. Darin untersucht sie die Frage, wie Verantwortung in Vertreibungskontexten von verschiedenen Akteuren wahrgenommen, ausgehandelt und ausgeübt wird.

Das Projekt analysiert dabei drei Vertreibungskontexte – Syrien, Afghanistan, Ukraine – und sechs Aufnahmeländer: Deutschland, die Türkei, Polen, Pakistan, die USA und Kanada. „Es mangelt an systematischer empirischer Forschung zum Konzept der Verantwortung in Migrationskontexten – trotz seiner grundlegenden Bedeutung für das moralische, soziale und politische Leben, insbesondere bei der Bewältigung globaler Herausforderungen in der Gegenwart und in der Zukunft. Diese Forschungslücke möchten wir schließen“, erklärt Dr. Şahin-Mencütek. Das Auswahlverfahren zu den ERC Consolidator Grants ist hoch kompetitiv –  2025 erhielten nur gut elf Prozent der 3.121 eingereichten Projektanträge eine Förderzusage, darunter drei Projekte mit Migrationsbezug.

Migration ist nicht nur ein Forschungsschwerpunkt von Dr. Şahin-Mencütek, sondern prägte auch ihre eigene akademische Karriere: Im Anschluss an ihre Promotion 2011 in Politikwissenschaft und Internationalen Beziehungen an der University of Southern California in den USA war sie als Assistenzprofessorin in der Türkei tätig. Es folgten eine Beteiligung am Horizon2020-Projekt „RESPOND: Multilevel Governance of Mass Migration in Europe and Beyond“ und eine Fellowship am Käte-Hamburger Kolleg/Centre for Global Cooperation Research in Duisburg. Im Juni 2020 wurde Dr. Şahin-Mencütek mit dem renommierten Alexander von Humboldt-Forschungsstipendium für erfahrene Forschende ausgezeichnet. Vor ihrem Wechsel an die Universität Osnabrück arbeitete sie zuletzt als Senior Researcher am Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC), wo sie Teil des Leitungsteams des 14 Länder vergleichenden Horizon Europe-Forschungsprojekts GAPs zu Politiken der Rückkehr und Reintegration von Geflüchteten sowie Migrantinnen und Migranten war. 

Ihre Professur an der Universität Osnabrück wird eng mit den bereits bestehenden Strukturen im Bereich der Migrationsforschung verzahnt. Prof.in Dr. Helen Schwenken, Direktorin des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS), und Prof. Dr. Andreas Pott, Sprecher der Sonderforschungsbereichs „Produktion von Migration“ (SFB 1604), erwarten eine substanzielle Stärkung dieses Profilschwerpunkts der Universität Osnabrück. „Zeynep Şahin-Mencütek betrachtet Migration konsequent in global verflochtener Perspektive. Nur so verstehen wir Dynamiken und Konflikte vor Ort. Ihre Perspektive ergänzt die bisher am IMIS und im Sonderforschungsbereich vertretenen Schwerpunkte hervorragend, gerade auch mit Blick auf unsere künftigen Planungen. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit“, so Schwenken. 

Dr. Şahin-Mencütek freut sich ebenfalls, dass es nun losgeht: „Zusammen mit meiner Familie bin ich 2019 nach Deutschland gekommen. Das war ein wichtiger Meilenstein in meinem privaten und beruflichen Leben. Seitdem haben verschiedene Stipendien und Forschungsprojekte meinen akademischen Werdegang geprägt, mein Forschungsprofil gestärkt und neue Möglichkeiten für internationale Zusammenarbeit eröffnet. Die Universität Osnabrück genießt im Bereich der Migrationsforschung einen hervorragenden internationalen Ruf, und ich freue mich sehr, Teil ihrer akademischen Gemeinschaft zu werden und einen Beitrag zur Arbeit des IMIS und des SFB 1604 zu leisten. Neben meiner Forschung engagiere ich mich intensiv in der Lehre und freue mich darauf, mit Studierenden zusammenzuarbeiten und zur weiteren Internationalisierung des Lehrumfelds beizutragen.“

Dr. Şahin-Mencütek wird in der Politikwissenschaft sowie im Master Internationale Migration und Interkulturelle Beziehungen (IMIB) unterrichten.

Weitere Informationen für die Medien:
Prof. Dr. Helen Schwenken, Universität Osnabrück

Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien

 hschwenken@uni-osnabrueck.de

 

Verwandte Nachrichten

Eine Frau steht vor dem Schloss und zeigt ihre Berufungsurkunde in die Kamera
© Jens Raddatz

Herzlich willkommen!

Seit dem 1. September besetzt Prof. Dr. Zeynep Şahin-Mencütek die Professur „Global Migration and Politics“ an der Universität Osnabrück. Ihr Forschungsspektrum umfasst unter anderem Migrationsgovernance, Migrationsdiplomatie, Rückkehrmigration und Diasporapolitik.

Nebliger See in einer stillen, herbstlichen Landschaft. Im Vordergrund rahmen kahle Äste und vereinzelte Blätter das Bild. Der See spiegelt die gespenstisch wirkenden, vom Nebel umhüllten Bäume am Ufer wider. Die Szene wirkt ruhig, melancholisch und nachdenklich.
© Adobe Stock, Lars Gieger

Trauer um Prof. Dr. Wilfried Westheide

Die Universität trauert um Prof. Dr. Wilfried Westheide, der am 27. Juli 2026 verstarb. Er war von 1983 bis 2003 als Professor für Spezielle Zoologie an der Universität Osnabrück im Fachbereich Biologie/Chemie tätig.

Sechs junge Menschen und zwei mittelalte Menschen stehen in einer Gruppe auf der Treppe eines großen Gebäudes und lächeln in die Kamera
© Vivienne Vent

Sechs Auszubildende starten an der Uni Osnabrück

Es ist ein aufregender Schritt: Zum 3. August haben sechs Auszubildende ihre Berufsausbildung an der Universität Osnabrück begonnen. Die neuen Talente verstärken die Bereiche Verwaltung, Gartenbau, Fachinformatik und Anlagenmechanik.

Ein Mann lächelt in die Kamera.
© Hermann Pentermann

Mit vielfältiger Erfahrung die Zukunft der Universität gestalten

Zum 1. Oktober wechselt die Präsidentin, Prof. Dr. Susanne Menzel-Riedl, als Rektorin an die Universität Münster. Ausgehend von einem mehrstufigen Auswahlverfahren hat der Senat am 15. Juli Prof. Dr. Tim Römer einstimmig zu ihrem Nachfolger gewählt. Der Hochschulrat gab hierzu eine positive [...]