099/2026
Forschende der Uni Osnabrück untersuchen Kommunikation

Neue Studie: Weißbüschelaffen folgen ähnlichen Gesprächsregeln wie Menschen

Eine neue Studie der Universität Osnabrück zeigt, dass freilebende Weißbüschelaffen ihre Lautäußerungen nach festen Regeln organisieren und damit überraschende Parallelen zur menschlichen Gesprächsführung aufweisen.

Was sind die Grundlagen menschlicher Sprache und welche Ähnlichkeiten gibt es in Kommunikationssystemen anderer Primaten? Diesen Fragen gehen Forschende weltweit seit Jahrzehnten nach. Eine neue Studie der Universität Osnabrück liefert nun weitere Hinweise: Das Forschungsteam untersuchte die Kommunikation freilebender Weißbüschelaffen in Nordostbrasilien, eine Primatenart, die ähnlich wie der Mensch ihre Jungen kooperativ aufzieht. Es stellte fest, dass die Tiere mehrere grundlegende Merkmale menschlicher Gesprächsorganisation aufweisen. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift  „Scientific Reports“ veröffentlicht. 

Für die Studie untersuchte das Team vier benachbarte Gruppen und sammelte 1.245 Lautinteraktionen zwischen den Tieren. Dabei stellte es fest, dass Weißbüschelaffen häufig längere „Gespräche“ führen, in denen sich die Tiere abwechseln und oft denselben Ruftyp wie ihr Interaktionspartner verwenden. Zwischen den einzelnen Lautäußerungen lagen meist nur rund 1,3 Sekunden. Zudem unterschieden sich die verwendeten Rufe und Kommunikationsmuster je nachdem, ob die Tiere mit Mitgliedern der eigenen Gruppe oder mit benachbarten Gruppen kommunizierten.

„Die Ergebnisse sprechen dafür, dass diese kooperativen Affen ihre Lautäußerungen flexibel an ihre Interaktionspartner und die Gruppenzugehörigkeit anpasst“, so Simone Pika. Damit weist die Kommunikation der Primaten Merkmale auf, die bislang vor allem mit menschlichen Gesprächen in Verbindung gebracht wurden.

Während frühere Arbeiten oft überwiegend einzelne Rufarten oder Tiergruppen in Gefangenschaft untersucht haben, betrachtet die aktuelle Studie das gesamte Lautrepertoire freilebender Weißbüschelaffen in natürlichen sozialen Interaktionen. Dadurch entsteht ein umfassenderes Bild ihrer Kommunikationsfähigkeit und neue Ansatzpunkte für die Erforschung der Evolution von Sprache.

Weitere Informationen für die Medien: 

Prof. Dr. Simone Pika, Universität Osnabrück

Institut für Kognitionswissenschaft

 Simone.pika@uni-osnabrueck.de

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