Wie gelingt Peacebuilding 2026 in der Praxis - trotz massiver Haushaltskürzungen, einem allgegenwärtigen Fokus auf Sicherheit, Strategie und Militär und einer zunehmend gewaltvolleren Gegenwart? Im Rahmen der Praxisexkursion des Masterstudiengangs Conflict Studies & Peacebuilding haben Prof. Ulrich Schneckener und Hannes Kohlhoff gemeinsam mit einer Gruppe Studierender verschiedenste Praxisakteur:innen im politischen Berlin besucht. Die Kernfragen: Wie setzen Organisationen Peacebuilding und Konfliktbearbeitung an den Schnittstellen Entwicklung, Sicherheit und Co. entgegen aller Widerstände der Gegenwart um? Und wie sieht darüber hinaus die berufliche Zukunft für junge Friedens- und Konfliktforscher:innen aus?
Den Auftakt der Studienfahrt bildete die Präsentation des Friedensgutachtens 2026, verfasst von den vier großen PACS-Instituten Deutschlands ( PRIF Peace Research Institute Frankfurt, Institut für Entwicklung und Frieden (INEF), Universität Duisburg-Essen, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, bicc - Bonn International Centre for Conflict Studies) in der Evangelischen Akademie zu Berlin. Unter dem Titel "Die neuen Warlords" diskutierten u. a. Prof.in Nicole Deitelhoff, AA-Abteilungsleiterin Katharina Ahrendts und der ehem. Leiter der UNDP, Achim Steiner, die Rolle internationaler und kollektiver Institutionen. Mit Blick auf Deutschlands erfolglose Bewerbung auf einen Sitz im UN-Sicherheitsrat wurde auch die Glaubwürdigkeit von Peacebuilding-Bestrebungen kontrovers und hitzig debattiert.
An den darauffolgenden zwei Tagen besuchte die Gruppe verschiedene Praktiker:innen aus Politikberatung, Bildungsarbeit, Mediation und humanitärer Hilfe: Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) mit Lars Brozus, das ZIF - Zentrum für Internationale Friedenseinsätze gGmbH mit Tobias Pietz, die Friedrich-Ebert-Stiftung mit Johann Ivanov, das Global Public Policy Institute (GPPi) mit Julia Friedrich und Paul Flachenecker, Brot für die Welt mit Amelie Overmann sowie die Berghof Foundation mit Beatrix Austin und Juan Diaz-Prinz.
Die viel besprochenen Kürzungen wurden dabei als äußerst kurzsichtige Politik wahrgenommen, die im Grunde Deutschlands „Soft Power“ schwächen und einige langjährige Beziehungen zu Ländern des Globalen Südens, insbesondere auf zivilgesellschaftlicher Ebene, beenden wird – und das zu einer Zeit, in der Zusammenarbeit mehr denn je gefragt ist. Darüber hinaus wurde auch deutlich, dass Kürzungen bei der Entwicklungshilfe zudem die Chancen verringern, die Ursachen von forced migration anzugehen sowie sekundäre Migration aus sicheren Aufnahmeländern der Geflüchteten zu verhindern.
Wir danken allen Host-Organisationen für die spannenden Einblicke und freuen uns auf den künftigen Austausch und die Weiterführung der angerissenen Gespräche über Peacebuilding und äußerst heterogene friedenspolitische Praktiken!