Thema des Monats Januar 2026: Kaiser durch Zufall. Der Herrschaftsantritt des Claudius

Der Herrschaftsantritt des Claudius nach Sir Lawrence Alma-Tadema.

Die Stadt Rom erwacht aus ihrem Schlaf und es scheint ein Tag wie jeder andere zu werden. Auch der römische Kaiser geht seinem Alltag nach: Er erfreut sich eines Theaterstücks und begibt sich schließlich auf den Weg zum Essen in seine Gemächer. Noch ahnt er nicht, diese Mahlzeit soll er nicht mehr erleben...

In der 7. Tagestunde des 24. Januar 41 n. Chr. fällt der amtierende römische Kaiser Gaius Caesar Augustus Germanicus, heute bekannt unter seinem Spitznamen Caligula, zusammen mit seiner Frau Milonia Caesonia und der gemeinsamen Tochter Iulia Drusilla einem Attentat zum Opfer. Unterscheiden sich die genauen Abläufe der Ermordung bei verschiedenen antiken Historikern, haben sie jedoch eins gemeinsam: In Rom herrscht Ausnahmezustand und das unter seinen beiden Vorgängern Augustus und Tiberius neu etablierte und dann gefestigte Herrschaftssystem, der Prinzipat, gerät wohl ein letztes Mal ernsthaft ins Wanken. Denn mit dem Tod des dritten Kaisers stand die erste Dynastie, das julisch-claudische Kaiserhaus, vor einem großen Problem: Mit Caligula starb der letzte direkte männliche Blutsverwandte des Augustus – der Prinzipat stand ohne einen Nachfolgekandidaten aus der Familie der Julier da, seine Zukunft war daher ungewiss.

Nach der ersten unmittelbaren Unruhe versammelten sich wenig später die beiden amtierenden Konsuln und der Senat auf dem Kapitol, um über die Zukunft des Reiches zu beraten: Will man wieder zur alten republikanischen Ordnung zurück? Was passiert mit den übrigen Mitgliedern des Kaiserhauses? Will man den Prinzipat beibehalten? Wenn ja, welcher der Senatoren soll dem verhassten Caligula nachfolgen? Diese leidenschaftlich geführte Debatte blieb jedoch aufgrund der großen Meinungsverschiedenheiten und einer Vielzahl an Kandidaten ohne Ergebnis; eine endgültige Entscheidung wurde daher auf den Folgetag verschoben.

Das Militär kam dieser Entscheidung allerdings zuvor, war es doch in der Zwischenzeit nicht untätig geblieben. So hatte ein Teil der in Rom stationierten Prätorianergarde unmittelbar nach dem Attentat den kaiserlichen Palast durchsucht und eine willkommene Entdeckung gemacht. Die Gardesoldaten fanden den sich versteckenden Claudius, den Onkel des Caligula und das gleichzeitig letzte erwachsene männliche Mitglied des Kaiserhauses (jedoch aus dem claudischen Familienzweig). Kurzerhand ernannten sie ihn zum Imperator (ein militärischer Ehrentitel), brachten ihn, laut den Quellen angeblich gegen seinen Willen, in ihr Lager am Rande der Stadt und riefen ihn dort nach der Zusage eines Geldgeschenks (je 15.000 Sesterzen pro Mann) zum neuen Kaiser aus. So gab es an beiden Tagen neben der Debatte im Senat auch schon erste Verhandlungen mit der Partei des Claudius. Der Senat wollte der Kaisererhebung nicht zustimmen, Claudius sollte sich vielmehr dem Senat unterordnen. Als dann jedoch im Laufe des 25. Januar die senatorischen Stadtkohorten zu Claudius überliefen und der Senat ohne jegliche militärische Unterstützung dastand, blieb diesem nichts anderes übrig als Claudius als neuen Kaiser anzuerkennen. Dieser war somit der erste römische Kaiser, der durch Bestechung des Militärs und ohne den Senat an die Macht kommen sollte. Der Senat verlieh ihm nun, wie schon seinen Vorgängern, ein umfangreiches Paket an Befugnissen (hervorzuheben sind hier das prokonsularische Imperium und die tribunizische Gewalt) sowie die Namen und Augustus.

Damit war die Ordnung wiederhergestellt, die Kontinuität der julisch-claudischen Dynastie fürs Erste gesichert und Rom hatte einen neuen Kaiser. Dieser regierte das Reich die nächsten 13 Jahre lang unter dem Namen Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus.

 

Patrick Kösters

 

Quellen:

Cassius Dio / Veh, Otto (Hrsg.): Römische Geschichte, Bd. 4. Bücher 51 - 60, Übersetzung von Otto Veh, Zürich / München 1986.

Sueton / Martinet, Hans (Hrsg.): Die Kaiserviten. De vita Caesarum / Berühmte Männer. De viris illustribus. Lateinisch - Deutsch, Übersetzung von Hans Martinet, Sammlung Tusculum, Berlin / Bosten 20144.

Literatur:

Bernstein, Frank: Von Caligula zu Claudius. Der Senat und das Phantom der Freiheit, in: Historische Zeitschrift, Bd. 285/1 (2007), S. 1 - 18.

Eck, Werner: Caligula, in: Cancik, Hubert / Schneider, Helmuth (Hrsg.): Der Neue Pauly, Bd. 2, Stuttgart / Weimar 1997, Sp. 937 - 939.

Levick, Barbara: Claudius (Roman Imperial Biograhies), London 20152.

Bildnachweis:

Sir Lawrence Alma-Tadema: „A Roman Emperor: 41 AD“ (1871) - The Walters Art Museum,  https://art.thewalters.org/object/37.165/