Am 5. Februar 146 v. Chr. endet einer der bekanntesten Konflikte der Antike, damit beginnt eine Praxis, die bis in die Gegenwart hinein geübt wird: die vollständige Vernichtung einer besiegten Partei. In diesem Jahr wurde eine der größten und einflussreichsten Städte ihrer Zeit von römischen Truppen systematisch zerstört: Karthago im heutigen Tunesien.
Der dritte Punische Krieg war kein Krieg auf Augenhöhe: Karthago stellte keine reale militärische Bedrohung mehr für Rom dar. Vielmehr wurde der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt als Bedrohung wahrgenommen, der von Rom weder bedacht noch toleriert wurde. Die Stadt hatte ihre Position durch Handel, den Fokus auf intensive Plantagenwirtschaft und innenpolitische Reformen, die durch den Feldherren Hannibal ermöglicht wurden, neu festigen können. Es spricht manches dafür, dass der Aufschwung der Grund für Roms radikale Entscheidung der Zerstörung der Stadt war. Nicht, weil es notwendig gewesen wäre, sondern weil es nach den ersten beiden Punischen Kriegen militärisch möglich war.
Erinnerungen an Niederlagen, Demütigungen und existenzielle Bedrohungen waren in der Geschichte Roms selten, prägten jedoch in mancherlei Hinsicht das politische Selbstverständnis. Dass eine existentielle Gefahr 146 v. Chr. von Seiten Karthagos faktisch nicht mehr bestand, spielte bei der Entscheidung eine untergeordnete Rolle. Eigene Sicherheit wurde nicht als zeitlich begrenzter Zustand verstanden, sondern als dauerhafter politischer Anspruch. Bei dieser Debatte nahm der römische Politiker Cato der Ältere eine zentrale Rolle ein. Als Gesandter verhandelte er zwischen dem konkurrierenden Karthago und Numidien, auf Geheiß Roms zugunsten Numidiens und trug damit zur Destabilisierung Karthagos bei. Sein überlieferter Satz „Carthago delendum esse“ („Karthago muss zerstört werden“) verdeutlicht diese Haltung. Karthago sollte nicht kontrolliert, nicht geschwächt oder in das römische Reich integriert, sondern schlicht dem Erdboden gleich gemacht werden. Die Belagerung der Stadt dauerte drei Jahre. Als die Römer schließlich die Mauern durchbrachen, kam es zu Kämpfen innerhalb der Stadt. Am 5. Februar 146 v. Chr. war die Eroberung abgeschlossen. Die überlebende Bevölkerung wurde versklavt und die Stadt zerstört. Karthago wurde für lange Zeit aus der politischen Landschaft des Mittelmeerraums entfernt. Das Datum markiert einen Wendepunkt, an dem römische Macht sich zunehmend durch vollständige militärische Ausschaltung des Gegners definierte.
Roms Sicherheit wurde mit dieser Politik nicht erreicht, denn im Anschluss an die grausame Auslöschung von Karthago und Korinth im gleichen Jahr begann sich die Aristokratie gegenseitig zu zerfleischen.
Niklas Eilers
Bildnachweis:
Joseph Mallord William Turner: The Decline of the Carthaginian Empire, 1817, Öl auf Leinwand, Tate Britain, London. Abbildung via Wikipedia, URL: [Link], abgerufen am 05.02.2026.