Exkursionen

Tagesexkursion nach Hamburg: Historische Perspektiven auf Arbeitsmigration aus der Türkei

Am 6. Mai 2026 fuhr eine Gruppe von Studierenden des IMIB, der Geographie und der Geschichte mit David Templin (Geschichte), Sophie Hinger und Francina Guggenberger (beide Sozialgeographie und SFB1604) nach Hamburg, um historische Perspektiven auf die Arbeitsmigration aus der Türkei in die Hansestadt zu erkunden. Neben einem Stadtteilspaziergang im Hamburger Bahnhofsviertel stand der Besuch einer Fotoausstellung zum Thema und ein Zeitzeugengespräch auf dem Programm.

Während des Spaziergangs durch das Bahnhofsviertel St. Georg besuchte die Gruppe Orte, die von Arbeitsmigration aus der Türkei geprägt waren und zum Teil noch immer sind. Anhand von historischen Quellen erkundeten wir diese Migrationsgeschichte(n) und stellten Bezüge zur Gegenwart her. Die verschiedenen Stationen des Spaziergangs veranschaulichten unterschiedliche Aspekte und Infrastrukturen des (Zusammen-)Lebens in dem von Migration geprägten Stadtteil. Dazu gehörten u.a. der in den 1970er Jahren bestehende Supermarkt und Imbiss „Hasan Bakkal“, ein Reiseunternehmen sowie Begegnungsräume wie die Centrum-Moschee (s. Foto 1) oder das Gewerkschaftshaus (s. Foto 2). 

Die Ausstellung „Früher hießen wir Gastarbeiter“, die die Gruppe im Hamburger Museum für Kunst & Gewerbe besuchte (s. Foto 3;  https://www.mkg-hamburg.de/ausstellungen/frueher-hiessen-wir-gastarbeiter), zeigt sonst eher unterbelichtete Perspektiven: Hier stehen die Arbeiten der Fotograf*innen Muhlis Kenter, Nuri Musluoğlu, Asimina Paradissa und Mehmet Ünal im Fokus, die in den 1960er und 1970er Jahren aus der Türkei und Griechenland nach Westdeutschland kamen. Ihre Arbeiten zeigen nicht nur das Innenleben von Fabriken und Wohnheimen, sondern auch Protestaktionen wie Wilde Streiks und Aktionen der Friedensbewegung, Asylunterkünfte oder „typische deutsche Hobbies“. Während die Fotografien Paradissas private Szenen aus dem Alltagsleben zeigen, stehen die Arbeiten Ünals in einer politisch-künstlerischen Tradition sozialkritischer Fotografie und Collage. 

Den Abschluss der Exkursion bildete das Gespräch mit einem Zeitzeugen, der 1965 aus Istanbul zum Studieren und Arbeiten nach Hamburg gekommen war. In den 1970er Jahren war er für die Sozialberatung der Arbeiterwohlfahrt „Türk Danış“ tätig und wurde auch politisch aktiv, u.a. durch die Gründung eines Vereins türkischer Sozialdemokraten. Im Gespräch reflektierten wir über die Entwicklungen seit den 1960er/70er Jahren, die einerseits von einer langen Weigerung der Bundesrepublik geprägt waren, die Einwanderungssituation zu akzeptieren, und andererseits auf die dauerhafte Etablierung von Migrant*innen verweisen. 

Die verschiedenen Stationen der Exkursion zeigten so, wie die Migration aus der Türkei städtische Räume, Institutionen und Lebenswelten in deutschen Großstädten wie Hamburg langfristig geprägt und verändert hat. Unser Mittagessen in einem syrischen Restaurant, das sich am Ort des früheren „Hasan Bakkal“ befindet, verdeutlichte, wie zu solchen Transformationsprozessen des städtischen Raumes in den letzten Jahren auch neue Migrationsprozesse aus anderen Teilen der Welt beigetragen haben.