Exkursion ins „Hexenbürgermeisterhaus“ nach Lemgo (29.05.2026)

Am 29. Mai war die Abteilung „Geschichte der Frühen Neuzeit“ auf Spuren der Hexenverfolgung in Ostwestfalen Lippe unterwegs. Ziel war das „Hexenbürgermeisterhaus“ in Lemgo. Die Studierenden Alaya Schwietert und Meike Ellerbrock berichten.

Am 29. Mai 2026 ging es mit einiger Verspätung seitens der Deutschen Bahn auf den Weg nach Lemgo. Trotzdem haben wir den Umstieg in Bielefeld (ja, das gibt es wirklich!) geschafft und sind pünktlich in Lemgo angekommen. Vom Bahnhof sind wir gemeinsam zum sogenannten „Hexenbürgermeisterhaus“ gelaufen und hatten dort noch die Möglichkeit, für ein kurzes Frühstück vom Bäcker. Nachdem wir unsere Taschen eingeschlossen hatten, haben wir uns im Foyer versammelt, das uns als Start für die Führung durch das Museum gedient hat. Unser Museums- und Stadtführer Werner Kuloge hat uns zunächst allgemeine Informationen zum Gebäude gegeben, das nahezu so erhalten ist, wie es vor 450 Jahren erbaut wurde. Der letzte private Besitzer wollte die alte Fassade abtragen lassen und verkaufen, das wurde jedoch verhindert, da die Stadt Lemgo das Gebäude erwarb. Vor einigen Jahren wurde die Fassade restauriert, die im Übrigen nicht nur hübsch anzusehen ist, sondern auch viele biblische Symbole wie beispielsweise Adam und Eva zeigt. Seit mittlerweile 100 Jahren beherbergt das Haus das Städtische Museum Lemgo. Im Inneren wird die Veränderung im Laufe der Zeit anhand verschiedener Ausstellungsobjekte visualisiert, durch die „Fenster in die Geschichte“ geschaffen werden sollen. Herr Kuloge erklärte uns, dass Lemgo auch als das „Hexennest“ bekannt war und versuchte, uns nebenbei auf sehr charmante und subtile Weise die im Museumsshop erhältlichen Broschüren zu empfehlen. Auch die Bezeichnung „Hexenbürgermeisterhaus“ kommt nicht von ungefähr: Es war das Wohnhaus von Hermann Cothmann, der seinerzeit als Bürgermeister von Lemgo zahlreiche Hexenprozesse führte. Dies wirkt jedoch ein bisschen paradox, wenn man bedenkt, dass vor Hermann Cothmann seine Mutter in dem Haus gelebt hatte, die selbst der Hexerei bezichtigt und hingerichtet wurde.

Im Laufe der Führung fanden sich einige typische Vorstellungen über die Hexenverfolgung bestätigt, so waren die Opfer tatsächlich zu einem sehr großen Teil Frauen. Andere Bilder, wie eine Verbrennung auf dem Marktplatz inmitten der Stadt, wurden wiederum aus der Welt geschafft. Die Verbrennung von Verurteilten fand außerhalb der Stadtmauern statt, aus ganz praktischen Gründen, wie die Tatsache, dass viele Häuser der Stadt aus Holz gebaut waren, was eine große offene Flamme zu einer schlechten Idee machte. Dennoch waren Hexenverbrennungen, wie Herr Kuloge sagte, ein bisschen wie heutiges ‚public viewing‘. Es stellte sich die Frage, aus welchen Gründen man überhaupt als Hexe (oder Hexenmeister) angeklagt werden konnte. Die Möglichkeiten dafür waren vielfältig. Eine häufige Ursache waren Konflikte um Wasser- und Wegerechte, Gärten oder Erbschaften. Aber auch wenn die Kuh des Nachbarn auf einmal weniger Milch gab, konnte man bezichtigt werden, die Milch mittels eines Zaubers gestohlen zu haben.

Herr Kuloge bezog uns durch verschiedenen Textfragen in die Führung mit ein: Wie viel Prozent der Angeklagten waren Frauen? Wie viele Menschen gingen bei der Wasserprobe unter? Bei der sogenannten Kaltwasserprobe wurden Angeklagte entkleidet und mit verbundenen Händen und Füßen in den Mühlteich geworfen. Schwamm man an der Wasseroberfläche war das der Beweis für Hexerei. Ging man unter, galt man als unschuldig, war aber möglicherweise dennoch tot, wenn man nicht rechtzeitig herausgeholt wurde. Dies erübrigt sich aber dadurch, dass keines der Opfer unterging. Das lässt sich heute durch einfache Physik erklären, wurde damals jedoch mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Dazu kamen einige Verschwörungstheorien hinzu, wie z.B., dass die Menschen, die der Hexerei bezichtigt wurden, die Weltherrschaft an sich reißen wollten. Im Keller des Museums ließen sich Informationen zur Hexenverfolgung allgemein sowie Darstellungen von Einzelschicksalen finden. Ein besonderes Beispiel eines Opfers ist Maria Rampendahl, die letzte als Hexe Verurteilte in Lemgo im Jahr 1681. Im Keller gab es zudem eine Folterkammer mit einer Ausstellung verschiedener Folterinstrumente, in der teils Originale, allerdings auch einige Nachbildungen zu sehen sind. Diese Folterkammer hatte nie wirklich existiert, sondern wurde später zur Inszenierung eingebaut. Folterungen wurden dennoch durchgeführt und das bis zum Geständnis. Herr Kuloge hat uns durch die schöne Altstadt Lemgos bis hin zum Rathaus geführt, wo wir den Saal besichtigen konnten, in dem die Hexenprozesse stattgefunden haben. Danach hatten wir eine Mittagspause, die wir in der Stadt oder im Garten des „Hexenbürgermeisterhauses“ verbringen konnten, was uns bei sonnigem Wetter und warmen Temperaturen sehr willkommen war. Anschließend war ausreichend Zeit, das Museum noch einmal selbstständig zu besichtigen oder Dinge im Museumsshop zu kaufen. Dabei sind dann auch verschiedene Gegenstände aus der Lemgoer Stadtgeschichte aufgefallen, bspw. Münzen oder Siegel, die bei der Führung zunächst unentdeckt geblieben waren. Abschließend haben wir uns noch für eine Reflexionsrunde im Geschichtslabor des Museums zusammengefunden. Hier wurde darüber gesprochen, dass die Führung mit diversen Erklärungen sehr wichtig für das Verständnis des Museums ist. Zudem wurde besprochen, inwiefern man das Museum mit verschiedenen Jahrgangsstufen im Geschichtsunterricht besuchen könnte. Die Exkursion wurde vor dem Hexenbürgermeisterhaus beendet und alle durften sich individuell auf den Heimweg machen. Aufgrund eines Zugausfalls haben einige Studierende noch Zeit in Lemgo verbracht.