Erasmus von Rotterdam

Erasmus von Rotterdam (eigentlich Gerrit Gerritszoon, geboren Ende 1460 in Rotterdam, gestorben 1536 in Basel) war einer der wichtigsten Humanisten und Gelehrten der Renaissance. Trotz seines familiären Hintergrunds als unehelicher Sohn eines Priesters genoss er eine gute Ausbildung und kam schon früh mit den Ideen des Humanismus in Kontakt. Besonders der Gelehrte Rudolf Agricola weckte in ihm das Interesse für antike Literatur und die Bildungsideale jener Zeit. Nach dem Tod seiner Eltern musste Erasmus von Rotterdam auf Wunsch seines Vormunds in das Kloster Augustinerchorherren eintreten. Fünf Jahre später verließ er das Kloster wieder und studierte Theologie in Paris, wo er begann, die starren Lehrmeinungen der Kirche kritisch zu hinterfragen.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde Erasmus von Rotterdam Professor an der Universität Löwen (heute Belgien). Dort entwickelte sich die Hochschule durch seinen Einfluss zu einem Zentrum des Humanismus. Er gründete das „Drei- Sprachen- Kolleg“ für lateinische, griechische und hebräische Philologie – die einzige universitäre Einrichtung dieser Art in Europa. Erasmus vertrat das humanistische Forschungsprinzip „ad fontes“ („zu den Quellen“): er setzte sich dafür ein, sich auf die die antiken und biblischen Texte zurückzubesinnen, d.h. sie selbst zu lesen, zu verstehen und kritisch zu interpretieren.

Über 150 Bücher und mehr als 2000 Briefe hat Erasmus von Rotterdam verfasst. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die „Adagia“, eine Sammlung antiker Sprichworte und das „Handbuch des christlichen Streiters“, in dem er die Bedeutung einer persönlichen, inneren Frömmigkeit statt äußerlicher Rituale betont. 1509 veröffentlichte er die Satire „Das Lob der Torheit“, in der er Kirche, Adel und Gelehrte kritisch beleuchtete. Erasmus strebte nach einer Einheit von geistlicher und gebildeter Kirche, die sowohl Tradition als auch Humanismus verband.

1516 erschien seine kritisch überarbeitete griechisch-lateinische Ausgabe des Neuen Testaments „Novum Instrumentum“, gefolgt vom „Novum Testamentum“ im Jahre 1518. Damit beeinflusste er das theologische Denken Europas und stellte indirekt die kirchliche Autorität infrage. Obwohl er Reformideen offen gegenüberstand, lehnte er Martin Luthers radikalen Bruch mit der Kirche ab. Der Streit über den freien Willen führte zum endgültigen Zerwürfnis zwischen beiden.

Trotz der Spannung blieb Erasmus von Rotterdam der katholischen Kirche treu, setzte sich aber für Frieden, Bildung und religiöse Mäßigung ein. Sein Wahlspruch, der auch auf seinem Grab steht, bringt seine Haltung auf den Punkt: „Concedo nulli“- „Ich weiche niemandem“.

Take- away

  • Führender Humanist: setzte auf Bildung, kritisches Denken und „ad fontes“.
  • Schrieb über 150 Werke, darunter „Das Lob der Torheit“ und eine neue Ausgabe des Neuen Testaments.
  • Reformiert, aber kirchentreu – kritisierte Missstände, lehnte radikale Kirchenspaltung ab und setzt sich für religiöse Mäßigung ein.

Quellen

  • Alfried Schmitz, Erasmus von Rotterdam, Ein kosmopolitische Vordenker, Deutschlandfunk, veröffentlicht am 11.08.2016 (zuletzt aufgerufen am 10.11.2025)

 https://www.deutschlandfunk.de/erasmus-von-rotterdam-ein-kosmopolitische-vordenker-100.html.

  • Hans Conrad Zander, Erasmus von Rotterdam: Der Fürst der Humanisten, WDR Zeitzeichen, veröffentlicht am 28.10.2024 (zuletzt aufgerufen am 10.11.2025)

 https://www1.wdr.de/mediathek/audio/zeitzeichen/audio-erasmus-von-rotterdam-der-fuerst-der-humanisten-100.html.

  • Heinrich Kämmel, Erasmus von Rotterdam, Desiderius, in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 160 – 180 (Online-Version:  https://www.deutsche-biographie.de/pnd118530666.html#adbcontent). 
  • Valerie Mitwali, Kritischer Theologe, visionärer Philologe, geschickter Schriftsteller, Erasmus von Rotterdam: Der Fürst der Humanisten zwischen allen Stühlen, katholisch.de, veröffentlicht am 12.07.2021 (zuletzt aufgerufen am 10.11.2025)

 https://www.katholisch.de/artikel/30507-erasmus-von-rotterdam-der-fuerst-der-humanisten-zwischen-allen-stuehlen.

Verfasser

Femi Ajayi, Melina Meise, Vanessa Gil, Aaron Beck, Stan Kerremans und Benedikt Specht