Judicature Acts

Judicature Acts

Die Judicature Acts von 1873 und 1875 reformierten das englische Gerichtssystem, indem sie die zuvor streng getrennten Gerichtsbarkeiten des Common Law und der Equity-Rechtsprechung in einer neuen Instanz, dem Supreme Court of Judicature, zusammenführten.

 

Der Supreme Court of Judicature bestand aus dem High Court of Justice und einem darüberstehenden Berufungsgericht, dem sog. Court of Appeal. Der High Court of Justice wiederum gliedert sich in verschiedenen Divisionen (Abteilungen), die jeweils für spezifische Rechtsgebiete zuständig sind und entsprechende Streitigkeiten bearbeiten.

 

Vor der Reform gab es getrennte Gerichte für Common Law (z.B King‘s Bench) und für Equity (Court of Chancery). Gerade der Court of Chancery sorgte für langwierige und teure Gerichtsverfahren, die sich über Jahrzehnte hinziehen konnten. Die Reform strebte eine prozessökonomischere Verfahrensweise, welche einen besseren Rechtschutz gewähren sollte, an. Zu diesem Zweck sollten die Rechtsgrundlagen des Common Law und der Equity-Rechtsprechung zusammengeführt werden. Diese Zusammenführung führte zum Ende der strikten institutionellen Trennung von Common Law und Equity. Ab dann  war es jedem Gericht möglich, sowohl die Regeln des Common Law als auch die der Equity-Rechtsprechung bei Rechtsstreitigkeiten anzuwenden. Im Falle einer Rechtskollision genoss die Equity-Rechtsprechung jedoch Geltungsvorrang.

 

Die Judicature Acts wurden mehrfach durch Reformen geändert und ergänzt. Die grundsätzlichen Prinzipien der Judicature Acts bestehen aber heute weiterhin fort, auch die gerichtliche Einteilung in High Court und Court of Appeal gibt es heute immer noch. Außerdem kann jedes Zivilgericht Common Law und Equity-Rechtsprechung gleichzeitig anwenden.

Take-away

  • Die Judicature Acts von 1873 und 1875 beendeten die institutionelle Trennung von Common Law und Equity, indem sie beide Rechtsgrundlagen im neuen Supreme Court of Judicature zusammenführten.
  • Durch die Reform wurden langwierige, ineffiziente und kostspielige Verfahren – insbesondere vor dem Court of Chancery – reduziert, um einen schnelleren und effektiveren Rechtsschutz zu gewährleisten.

Quellen

Verfasser

Justus Flock und Jan Geringer