Altes Testament und Antikes Judentum
Laufende Forschungsprojekte
Seit Herbst 2019 kooperiert der Lehrstuhl für Altes Testament und Antikes Judentum mit dem Sonia und Marco Nadler Institute of Archaeology der Tel Aviv University im Tel Moza Expedition Project. Der Tempel in Tel Moza ist eine Sensation und liefert neue Impulse für die Forschung. Daneben ist das Projekt aber auch eine großartige Erfahrung für die Studierenden der Universität Osnabrück. Leandra Vetter hatte über ihre Erfahrungen in der Grabungskampagne 2021 berichtet. Von der Kampagne im Jahr 2022 erzählen Martje Petruck, Julian Meyer und Shaline Baumann.
Im Rahmen der Kooperation wurde eine Minerva School unter dem Titel Temple and Cult in the Iron Age – Resuming the Discussion considering the ongoing Discoveries at Tel Moẓa, Israel unter der Leitung von Shua Kisilevitz und Dr. Florian Oepping organisiert. Die School widmete sich den neuen Erkenntnissen in Bezug auf die Kultpraxis und den Tempelbau und brachte Expertinnen und Experten mit jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und Israel zusammen. Es wurde über das Thema diskutiert, Vorträge gehört und relevante Ausgrabungen in Israel besucht.
‚ Jewish Heritage Community Resilience’
Im Rahmen des SPP Jüdisches Kulturerbe kooperieren Prof. Dr. Anselm C. Hagedorn und Dr. Florian Oepping mit Prof. Dr. Sarah M. Ross (Hannover), Dr. Cordula Dittmar und Dr. Daniel F. Lorenz (Berlin) im Teilprojekt "Jewish Heritage Community Resilience’
Katastrophen und Konflikte bedrohen sowohl materielles als auch immaterielles Kulturerbe, einschließlich traditionellen Wissens, dass für den Erhalt weiterer Kulturerbeformen wichtig ist. Der Verlust kulturellen Erbes kann katastrophale gesellschaftliche Folgen haben, wie den Verlust grundlegender identitäts-, wert- und wirklichkeitsstiftender gesellschaftlicher und/oder kultureller Konstrukte. Wird Kulturerbe nicht geschützt, drohen weitreichende Folgen für die Gesellschaft.
Vor diesem Hintergrund erforscht das interdisziplinäre Forschungsprojekt das Spannungsfeld von Bedrohung, Zerstörung, Bewahrung und Schutz jüdischen Erbes in Israel und wie dieses trotz diverser Bedrohungslagen zur sozialen Resilienz, bzw. zu einer „Jewish Heritage Community Resilience” beiträgt. Zentral ist die Betrachtung der Beziehung zwischen jüdischem Kulturerbe und Resilienzbildung aus diversen Blickwinkeln. Alle Teilbereiche des Projekts haben gemeinsam, dass sie sich mit der Bewahrung, Nachhaltigkeit und dem Schutz jüdischen Kulturerbes unter Berücksichtigung der Resilienz, sowohl im materiellen als auch im immateriellen Sinne, befassen. Hierbei wird jeweils die Bedeutung des Erbes für die kulturelle Identität und die Fähigkeit zur Krisenbewältigung in der israelischen Gesellschaft analysiert.
Die Kombination historischer, soziologischer, musikwissenschaftlicher und theologischer Perspektiven ermöglicht eine facettenreiche Betrachtung jüdischer Resilienz, vor allem mit einem Schwerpunkt darauf wie 1) wie jüdisches Kulturerbe – die natürliche archäologische Zerstörung miteinschließend – langfristig bewahrt wird und 2) wie jüdisches Kulturerbe in Israel und der Diaspora nachhaltig die gemeinschaftliche Resilienz stärken kann.
"Bringing an Ancient Temple to Life – With Texts, Archaeology, and 3D Reconstruction"
Aus dem Tel Moẓa Expedition Project ist für die Aufbereitung der Grabungsergebnisse ein weiteres Forschungsprojekt hervorgegangen. Gemeinsam mit Dr. Florian Oepping und Prof. Dr. Oded Lipschits (Tel Aviv) wurde im Programm zukunft.niedersachsen (gefördert durch die VolkswagenStiftung und das MWK) das Projekt "Bringing an Ancient Temple to Life – With Texts, Archaeology, and 3D Reconstruction" eingeworben.
Ziel des Projekts ist es, den antiken Tempel, der in Tel Moẓa bei Jerusalem ausgegraben wurde, wieder zum Leben zu erwecken. Die archäologischen Funde in Moẓa sind einzigartig, da es sich um den einzigen Ort im alten Israel handelt, an dem ein Tempel entdeckt wurde – und was noch bedeutender ist: Dieser Tempel existierte parallel zu dem in der Bibel beschriebenen Tempel in Jerusalem. Die drei Teilprojekte sollen diesen Prozess der „Wiederbelebung“ begleiten. Projekt 1 wird die archäologischen Daten ergänzen und dazu beitragen, die Gemeinschaft besser zu verstehen, die den Ort als religiöses und wirtschaftliches Zentrum nutzte (Tel Aviv). Projekt 2 wird die reichhaltigen Textüberlieferungen über den benachbarten Tempel in Jerusalem heranziehen und mit den Daten der Ausgrabung in Zusammenhang bringen (Osnabrück). Projekt 3 wird ein 3D-Modell des Ortes erstellen und eine App entwickeln, die dazu beitragen wird, den Ort einem breiteren Publikum zugänglich zu machen (Tel Aviv).