DFG-Projekt: ÖkuPraxiS
Ökumene als Praxis in der Schule entwickeln. Eine praxeologische Studie zur Implemen-tierung des neuen Schulfachs ‚Christlicher Religionsunterricht‘ in Niedersachsen
Prof. Dr. Kerstin Rabenstein (Schulpädagogik, Universität Göttingen)
Prof Dr. Bernd Schröder und Dr. Elisabeth Hohensee (Religionspädagogik, Universität Göttingen)
Prof. Dr. Jan Woppowa und Marie-Sophie Brösing (Religionspädagogik, Universität Osnabrück)
Projektlaufzeit: 2026 bis 2029
Mit der Einführung des neuen Schulfachs „Christliche Religion nach evangelischen und katholischen Grundsätzen“ (CRU) in Niedersachsen zum Schuljahr 2026/27 wird Neuland betreten. Zwar gibt es in Deutschland und anderen Ländern Europas schon länger einen Entwicklungstrend hin zu einer Organisationsform des Religionsunterrichts, die mindestens konfessionsübergreifende Gestalt hat. Doch für dieses neue Modell gibt es bislang keine Vorbilder. Der CRU knüpft zwar an den bestehenden und in Niedersachsen schon lange etablierten konfessionell-kooperativen Religionsunterricht an. Allerdings verfolgt er diesem Modell gegenüber neue Ziele wie etwa eine stärker ausgeprägte und unterrichtlich sichtbare religiöse und konfessionelle Differenzsensibilität einerseits und Ökumenizität andererseits, bis hin zu einer völlig neuen Lehrplanentwicklung. An das Fach werden also durchaus einige Erwartungen gestellt, sowohl inhaltlich im Blick auf die Konstruktion von Lerngegenständen als auch didaktisch hinsichtlich differenzsensibler und ökumenebildender Unterrichtsprozesse sowie nicht zuletzt im Blick auf die Professionalisierung von Lehrkräften.
Die ersten zwei Jahre nach der formalen Einführung des neuen Schulfaches sind ein besonderer Zeitraum, den wir für das geplante Forschungsprojekt nutzen wollen. Übergreifendes Ziel ist, die Unterschiede zwischen dem bisher konfessionell getrennt oder kooperativ realisierten Religionsunterricht und CRU zu rekonstruieren. Das Forschungsinteresse richtet sich dabei auf die Art und Weise der Implementierung, die Auswirkung auf die Praxis und auf das Verständnis des Fachs sowie nicht zuletzt auch auf mögliche Potenziale des neuen Schulfachs für die Förderung von Ökumene – in der Schule und über sie hinaus.
Das seit 1. April 2026 laufende Projekt geht praxeologisch vor, es versteht die Einführung des neuen Schulfachs als einen Wandel, der sich in kleinen Schritten vollzieht, die für die schulischen Akteur:innen von Bedeutung sind. Es verbindet ethnographische Fallstudien an drei Schulen (Grundschule, Gesamtschule, Gymnasium) mit einem ‚Folgen‘ der praktischen Verbreitung des Neuen des Schulfachs durch die im Umfeld der Schule tätigen Multiplikator:innen. Im Projekt werden daher auch Expert:inneninterviews geführt: zum einen mit Fachberater:innen, um sowohl die Prozesse im Zusammenhang mit der Einführung von CRU in der Schule bzw. in der Multiplikator:innenpraxis zu untersuchen; zum anderen mit Fachbereichsleitungen in ausgewählten weiteren Schulen, um nach der Relevanz unterschiedlicher konfessionell-religiöser Kontexte zu fragen. Das Projekt wird interdisziplinär von zwei konfessionsverschiedenen Religionspädagogen und einer Schulentwicklungsforscherin aus der Erziehungswissenschaft verantwortet.