Konfessionelle und interreligiöse Differenzsensibilität. Empirische Erkenntnisse und konzeptionelle Wege zu einer reflexiven Lehrkräfteprofessionalisierung für den Religionsunterricht für alle
Der gegenwärtige Religionsunterricht sieht sich mit neuen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen konfrontiert, bei denen man nicht mehr auf eine konfessionell und religiös homogene, sondern vielmehr eine religiös plurale und säkulare Schülerschaft trifft. Um auf religionssoziologische und religionsdemographische Bedingungen und damit verbundenen neuen Herausforderungen adäquat reagieren zu können, entstehen neue, alternative Modelle des Religionsunterrichts. Eines dieser Modelle ist der „Religionsunterricht für alle“ in Hamburg: In ihm wird ein dialogischer Raum geschaffen, in dem verschiedene Religionen und Weltanschauungen gleichberechtigt anerkannt werden und in dem der Vielfalt an Religionen in Hamburg entsprochen werden kann. In diesem multireligiösen Kontext stellt sich insbesondere die Frage nach der Rolle der Lehrkraft, wobei der spezifischen Professionalisierung von Religionslehrkräften ein großer Faktor bei der Qualitätssicherung und den Gelingensbedingungen von Religionsunterricht zugesprochen werden kann.
Das Forschungsprojekt widmet sich seit 2022 dem Religionsunterricht für alle und insbesondere dem Feld der Unterrichts- und Professionsforschung der dort eingesetzten Lehrkräfte. Es verfolgt zugleich den Anspruch, relevante Erkenntnisse über die regionalen Grenzen Hamburgs hinaus zu gewinnen. Dazu zählen bspw. die Themenfelder der Positionalität bzw. Positionierung von Lehrkräften, subjektive Theorien über heterogenitätsfähiges Unterrichten und Unterrichtsplanung sowie Fragen einer selbstreflexiven Professionalisierung von Lehrkräften in multireligiösen Settings. Insgesamt sollen unter dem Anspruch konfessions- und religionsbezogener Differenzsensibilität sowohl Herausforderungen als auch Gelingensfaktoren des Religionsunterrichts für alle erschlossen und Bedarfe an die Lehrerfortbildungen herausgearbeitet werden.
Die Forschungsmethode zeichnet sich durch eine Kombination von qualitativen Zugängen (bspw. Einzel- und Gruppeninterviews, ethnografische Unterrichtsbeobachtungen) und inhaltsanalytischen Auswertungen (bspw. Unterrichtsmaterialien) aus, um optional Professions-, Fortbildungs-, und Materialforschung miteinander verschränken zu können.
Projektzeitraum: seit 2022
Wissenschaftlicher Projektmitarbeiter: Jonas Hüster
Förderung: Erzbistum Hamburg
Publikationen:
J. Woppowa, Konfessionsbezogene Differenzsensibilität im Religionsunterricht für alle. Analysen – Interpretationen – Empfehlungen, Paderborn 2022, abrufbar unter: https://digital.ub.uni-paderborn.de/urn/urn:nbn:de:hbz:466:2-40827