Verhaltensbiologie
Die Abteilung Verhaltensbiologie unter Leitung von Prof. Dr. Chadi Touma erforscht molekulare Mechanismen von Stressanfälligkeit, Resilienz und Wohlergehen. Die Untersuchungen dazu erfolgen an verschiedensten Tierarten, von Labormäusen über Nutztiere bis zu Zoo- und Wildtieren.
Molekulare Mechanismen stress-assoziierter Erkrankungen
Affektive Störungen wie die Depression betreffen viele Menschen und gehören zu den am schwersten belastenden psychiatrischen Erkrankungen. Bislang sind ihre biologischen Grundlagen aber kaum verstanden und die Therapieoptionen oft nicht ausreichend. Um die biologischen Grundlagen dieser stress-assoziierten Erkrankungen besser zu verstehen und so Ansatzpunkte für neue Therapien zu schaffen, entwickeln und charakterisieren wir klinisch relevante Tiermodelle der angeborenen Emotionalität und Stressreaktivität. Unsere selektiv gezüchteten Mauslinien bilden auf verhaltensbiologischer, hormoneller und physiologischer Ebene Symptome unterschiedlicher Subtypen der Depression nach. Mit unseren Untersuchungen wollen wir neue Zielstrukturen für die Diagnose und Behandlung von affektiven Störungen, wie beispielsweise spezifische metabolische oder immunologische Veränderungen, identifizieren.
Frag doch mal die Maus! Methoden der Versuchstierkunde evaluieren für mehr Tierschutz
Labormäuse sind die am häufigsten genutzte Tierart in der biomedizinischen Forschung. Einer unserer Forschungsansätze zielt darauf ab, ihr Wohlergehen zu verbessern. Denn nur wenn es den Versuchstieren gut geht, können Daten gewonnen werden, die für Mensch und Tier relevante Erkenntnisse liefern. Um wissenschaftlich zu analysieren, wie es um das Wohlergehen einer Maus bestellt ist, untersuchen wir ihr Verhalten, physiologische Veränderungen, wie z.B. die Ausschüttung von Stresshormonen, sowie die Veränderung der Mimik als Marker der subjektiven Schmerzwahrnehmung. Damit können wir versuchstierkundliche Methoden, wie z.B. verschiedene Blutentnahmemethoden, wissenschaftlich evaluieren und im Sinne des Tierschutzes verbessern.
Tierwohl in der Nutztierhaltung verbessern
In Deutschland werden jedes Jahr viele Millionen Hühner und Puten für den menschlichen Verzehr und zur Produktion von Eiern gehalten. Dabei leben die meisten dieser Tiere in Bodenhaltung in geschlossenen Ställen. Wir untersuchen das Wohlergehen der Tiere in verschiedenen Haltungssystemen oder den Einfluss bestimmter Managementmaßnahmen durch Verhaltensbeobachtungen und die nicht-invasive Bestimmung von Stresshormonmetaboliten aus dem Kot der Tiere. Mit unseren Studien wollen wir Faktoren evaluieren, die das Wohlergehen der Tiere verbessern können.
Das Wohlergehen von Wildtieren in zoologischen Gärten
Zoologische Gärten dienen einerseits als Erholungsraum, andererseits leisten sie aber auch einen wichtigen Beitrag zu Bildung, Forschung und Artenschutz. Dabei stellt sich für alle im Zoo gehaltenen Tierarten die Frage, wie deren Wohlergehen sichergestellt und verbessert werden kann. In unseren Untersuchungen erfassen wir auf verhaltensbiologischer und stressphysiologischer Ebene beispielsweise, wie unterschiedliche Enrichment- oder Fütterungsmaßnahmen sich auf das Wohlergehen der Tiere auswirken.