Die genetische Geschichte der Pest: Leibniz-Preisträger Johannes Krause spricht in Osnabrück über seine Forschung

Am 15. Januar 2026 ist Archäogenetiker und Leibniz-Preisträger Prof. Dr. Johannes Krause im Fachbereich Biologie/Chemie zu Gast und wird in einem Fachvortrag über seine Forschung zum Erreger der Beulenpest sprechen.

Der biotechnologische Fortschritt macht es möglich, alte DNA aus archäologischen Funden zu gewinnen und zu analysieren. Dadurch lassen sich wertvolle Einblicke in unsere eigene genetische Vergangenheit, aber auch in die unserer Krankheitserreger gewinnen. Johannes Krause wird in seinem Fachvortrag im Rahmen des biologischen Kolloquiums das Bakterium Yersinia pestis in den Blick nehmen, den Erreger der Beulenpest.

Titel des Vortrags: „The genetic history of the plague - from the stone age to the middle ages”

Vortragssprache: Englisch

Zeit: 15.01.2026 um 16:15 Uhr

Ort: Hörsaal 35/E01

Thema des Vortrags: Studien an alter DNA haben die Rekonstruktion vollständiger Yersinia pestis-Genome ermöglicht. Dadurch konnten wertvolle Erkenntnisse zur Evolutionsgeschichte des Erregers ebenso gewonnen werden wie zur Entstehung wichtiger Virulenzfaktoren, die für die Übertragung durch Flöhe entscheidend sind. Genome aus einem Zeitraum von über 7.000 Jahren, von der Steinzeit bis zur Neuzeit, deuten darauf hin, dass sehr virulente Beulenpeststämme bereits über 1.000 Jahre früher existierten als bisher angenommen, was einen möglichen Hinweis auf prähistorische Epidemien liefert.

Johannes Krause wird aktuelle genomische, archäologische und historische Daten vorstellen, die ein neues Licht auf die evolutionäre Geschichte von Y. pestis werfen. Dabei wird es um frühe epidemische Ausbrüche ebenso gehen wie um die geografischen Ursprünge einer der verheerendsten Pandemien in der Geschichte der Menschheit.

Über den Vortragenden: Prof. Dr. Johannes Krause ist Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Er leistete einen wesentlichen Beitrag zur Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms und des gemeinsamen genetischen Erbes von Neandertalern und modernen Menschen. Im Jahr 2010 entdeckte er den ersten genetischen Beweis für die Denisovaner, eine ausgestorbene Hominidenlinie. Zu seinen jüngsten Arbeiten gehören die Aufklärung der komplexen Geschichte der prähistorischen und historischen Massenmigrationen in Europa, die Aufdeckung des genetischen Erbes der alten Nordafrikaner, die Rekonstruktion der ältesten Genome moderner Menschen aus dem pleistozänen Europa und die Aufdeckung der Quelle der epidemischen Pestbakterien, die regelmäßig historische und prähistorische Epidemien in Eurasien verursachten. Er ist Mitglied der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, der Berlin-Brandenburgischen Akademie und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften in Deutschland. Seine internationalen Bestseller „Die Reise unsere Gene“ und „Hybris“ wurden in mehr als 25 Sprachen übersetzt. Im Dezember 2025 wurde bekanntgegeben, dass Johannes Krause im März 2026 mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ausgezeichnet wird – dem wichtigsten deutschen Forschungspreis.

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