Im Folgenden berichten die Studierenden Lea Labitzke, Gesine Wurm und Sven Langkamm von den spannenden Einblicken, die sich den Teilnehmenden während der Exkursion unter Leitung von Prof. Dr. Günter Purschke boten.
Küsten- und Wattlandschaft aus wissenschaftlicher Perspektive
Im Rahmen des Master-/Exkursionsmoduls „Entwicklungs- und Meeresbiologie Sylt“ führte uns unsere Reise vom 23. März bis zum 02. April an die Wattenmeerstation des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) auf die nordfriesische Insel Sylt in den Ort List. Dort entdeckten wir die Küsten- und Wattlandschaft aus einer wissenschaftlichen Perspektive und erhielten spannende Einblicke in die Vielfalt von marinen Organismen und Lebensräumen. Neben einer vielseitigen Makrofauna, welche unter anderem Einsiedlerkrebse und Seesterne beinhaltet, gruben wir uns im wahrsten Sinne des Wortes tief in den so genannten Hausstrand. Dort erschloss sich uns die faszinierende Welt der Meiofauna, winzige Tiere, die im Lückensystem mariner Sande leben. Copepoden, Anneliden und Nematoden und viele andere Tiere offenbarten sich in großer Vielzahl. Mit mehr als 700 Arten ist dieser Strand weltweit ein Biodiversitätshotspot und viele Arten sind hier erstmals entdeckt und beschrieben worden.
Ein besonderer Dank gilt dem AWI, welches uns Labore, Wassertanks zur Aufbewahrung der Organismen sowie Mikroskope zur Verfügung stellte. In den Laboren, die sich in unmittelbarer Nähe zum Oststrand befinden, konnten wir zahlreiche Proben analysieren, Organismen bestimmen und unsere Kenntnisse der Meeresbiologie vertiefen. Für die Dauer unseres Aufenthalts kamen wir im Haus Möbius unter, einer ebenfalls zum AWI gehörend Unterkunft. Diese bot uns nicht nur einen komfortablen Schlafplatz, sondern auch einen Gemeinschaftsraum, in dem abends gerne Gesellschaftsspiele gespielt wurden.
Unter den wachsamen Augen des Seehundes
Ein besonderes Highlight der Exkursion war die Ausfahrt mit dem Forschungsschiff „Mya II“. Trotz kräftiger Winde und Wellen erhielten wir auf See spannende Einblicke in die Probenentnahme. Mithilfe von Planktonnetzen, Dredge und Bogengreifer konnten wir weitere marine Organismen sammeln. Dabei wurden wir neugierig von einem Seehund begleitet, der die Arbeiten aus nächster Nähe beobachtete. Dieses war eine kleine Entschädigung für den Besuch der Seehundbank, der wegen des Sturms leider ausfallen musste.
Ein Ausflug zum Morsum Kliff durfte bei einer Sylt-Reise natürlich auch nicht fehlen. Diese in Europa einzigartige Vermischung der Gesteinsformation kam während der Saaleeiszeit zustande, in der sich die Erdschichten durch Gletscherverschiebung aufeinander schoben. Die so freiliegenden Schichten aus dunklem Glimmerton, rotem Limonitsand, weißem Kaolinsand und braungelbem Geschiebelehm, sind ein Spektakel im ältesten Naturschutzgebiet Schleswig-Holsteins.
Während unseres Aufenthalts begleitete uns zwar häufig der für die Nordsee typische Wind, doch konnten wir uns auch über zahlreiche sonnige Tage freuen. Einige Studenten nutzten diese Gelegenheit sogar für ein erfrischendes Bad im noch kühlen Wasser der Nordsee am Weststrand, das mit einer Probennahme verbunden wurde!
Insgesamt war die Exkursion nach Sylt eine lehrreiche und abwechslungsreiche Erfahrung. Durch die intensive wissenschaftliche Arbeit bot sich die Möglichkeit, die Vielfalt der Meeres- und Küstenorganismen kennenzulernen und das theoretische Wissen aus den Vorlesungen in der Praxis anzuwenden. Ebenfalls blieb auch noch genügend Raum für gemeinsame Erlebnisse, die diese Exkursion für alle Beteiligten zu einer besonderen Erinnerung machten.