Im Fokus der Reise standen der Tiergarten Schönbrunn sowie das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) und das Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Veterinärmedizinischen Universität Wien.
Los ging es am Sonntagabend mit der Fahrt von Osnabrück nach Hannover, wo die Gruppe in den Nachtzug Richtung Wien umstieg. Nach der Ankunft und einem kurzen Zwischenstopp im Hotel, ging es direkt in den Tiergarten Schönbrunn, den ältesten Zoo der Welt (gegründet im Jahr 1752). Bereits der Zugang über die prächtig angelegten Gärten des Schlossparks vorbei am imposanten Palmenhaus stimmte auf die historische Besonderheit des Zoogeländes ein. Im Zoo selber erkundete die Gruppe die Anlagen und die Studierenden präsentierten Kurzreferate zu ausgewählten gefährdeten Tierarten. Dadurch lernten die Teilnehmer*innen vieles über die Biologie der Tiere und ihren Gefährdungsstatus. Ergänzend analysierte und diskutierte Professor Touma mit der Gruppe die Anforderungen an eine möglichst tiergerechte Haltung und moderne Artenschutzkonzepte für verschiedene Tiergruppen im Tiergarten Schönbrunn.
Der nächste Tag stand im Zeichen der Tierhaltungspraxis, des Artenschutzes und der Forschung in zoologischen Gärten. Die Kuratorin für Artenschutz berichtete über die Beiträge des Tiergartens Schönbrunn bei der Zucht bedrohter Tierarten ex situ, bei der Unterstützung von in situ Schutzprojekten und bei der Auswilderung bedrohter Tierarten wie dem Waldrapp, der dafür die Zugrouten ins Winterquartier lernen muss. Ein besonderes Highlight war der Blick hinter die Kulissen des Elefantenhauses. Die Teilnehmer*innen der Exkursion durften aus nächster Nähe dem Training der Afrikanischen Elefanten beiwohnen, welches der medizinischen Gesundheitskontrolle dient und auch wichtig für die mentale Beschäftigung der imposanten Tiere ist. In einer anschließenden Gesprächsrunde mit dem Fachtierarzt für Wild- und Zootiere, der Kuratorin für Artenschutz und dem Leiter der Zoopädagogischen Abteilung konnte die Gruppe Fragen zur Zootierhaltung sowie zur Umsetzung des in situ- und ex situ-Artenschutzes, des pädagogischen Auftrags von Zoos und zu Berufswegen für Biolog*innen stellen und diskutieren. Am Nachmittag gaben enthusiastische Forscher*innen Einblicke in einige der vielfältigen und spannenden Forschungsprojekte des Tiergartens Schönbrunn. Sie erklärten beispielsweise ihre Arbeiten dazu, warum die unauffällig braungefärbten Schwarznarbenkröten in der Paarungszeit plötzlich knallgelb werden und warum der Winkerfrosch eigentlich winkt.
Am dritten Tag der Exkursion besuchte die Gruppe das FIWI und das KLIVV, wo sie weitere Berufsfelder für Biolog*innen kennenlernten und dazu greifbare Eindrücke sammeln konnten. Die Studierenden erfuhren unter anderem etwas über das deutsch-österreichische Projekt wildLIFEcrime, das z.B. Wilderei und vorsätzliche Vergiftungen bei Wildtieren systematisch aufspürt. Außerdem durften sie einen Blick in die Wildtierpathologie werfen, wo die leitende Pathologin anhand beeindruckender Exponate menschengemachte Probleme der Wildtiere erläuterte, wie Verletzungen von in Fallen geratenen Tieren oder die Auswirkungen von eingeschleppten Parasiten. Anschließend durften die Exkursionsteilnehmer*innen im Wildgehege mit einer Gruppe handaufgezogener Rothirsche auf Tuchfühlung gehen und erfuhren mehr über Forschungsprojekte zu Wahrnehmung und Gedächtnis bei heimischen Bilchen (u.a. Siebenschläfer und Haselmaus). Prof. Dr. med. vet. Rupert Palme präsentierte zum Abschluss einen Vortrag zum nicht-invasiven Monitoring von Stresshormonen bei Haus- und Wildtieren über die Analyse von Kotproben, der die Exkursion abrundete.
Ein Nachtzug brachte die Gruppe schließlich am frühen Donnerstagvormittag zurück nach Osnabrück – etwas erschöpft von der Reise, aber mit vielen bleibenden Eindrücken und wertvollen Erkenntnissen zu modernen Tierhaltungskonzepten, Artenschutz, Wohlergehen und Edukation in zoologischen Gärten.