Informationen für Lehramtsstudierende
Adressaten: Lehramtsstudierende der Germanistik GHR, auf der Suche nach Hilfestellung im unüberschaubaren Dickicht der deutschen Literatur.
Ergebnisse von Leistungsstudien mit Studierenden der Germanistik und Erfahrungen in literaturwissenschaftlichen/-didaktischen Seminaren zeigen, dass viele Studierende auf der Suche nach Orientierungswissen besonders in den Bereichen Literaturgeschichte, Gattungstheorie und Methoden sind. Die Umstellung des Literaturunterrichts in den Schulen (weg von Literaturgeschichte und Gattungstheorie) überlässt es dem akademischen Selbststudium, hier für das Notwendige zu sorgen. Die Uni kann nur exemplarisch vorgehen, so dass Ihnen die Erstellung von gedanklichen Strukturen und Vernetzungen obliegt. Überdies kommen Studierende mit ganz unterschiedlichem Kenntnisstand ins Germanistik-Studium, so dass diese Orientierungsleistung nur schwerlich in Pflichtveranstaltungen erbracht werden kann.
Vielerorts grassiert das Vorurteil, im Lehramt GHR sei dieses Wissen nicht vonnöten, da es keinen unmittelbaren Bezug zur Unterrichtswirklichkeit beinhalte. Dabei konstruiert man jedoch ein unzulässig vereinfachtes Bild von Unterricht und Wissensvermittlung, geht es doch im Unterricht nur teilweise um die Vermittlung von deklarativem Wissen. Besonders im Umgang mit jüngeren Schülern sind Werthaltungen und die Authentizität des Lehrenden hinsichtlich seiner personalen Motivation fürs Fach von entscheidender Bedeutung, wie jüngst u.a. die COACTIV-Studie unter Beweis gestellt hat. Auch für den GHR-Bereich gilt daher: Ein Lehrer ohne Bezug zum literarischen Lesen und eine diesbezüglich ausgeprägte Werthaltung wird kaum lesemotivierend wirken können.
Neben der Literaturliste (PDF, 473 kB) wollen wir Ihnen einen kleinen Überblick verschaffen, welche Kenntnisse (rein deklaratives Wissen) Sie eigentlich benötigen, um im Referendariat und vor allem im Schulalltag bestehen zu können. Es geht also nicht um allgemeine Kompetenzen im Umgang mit Literatur oder Schülern, sondern um ein dem Vokabular in den Fremdsprachen oder den grundlegenden Rechenregeln in der Mathematik vergleichbares Basiswissen, das jederzeit ohne Nachschlagen oder Googeln abrufbar sein muss.
Sie können sich selber überprüfen, ob und wie viel Sie bereits wissen oder gelernt haben: Stellen Sie sich eine alltägliche Unterrichtssituation vor. Ein Schüler fragt Sie als Lehrende(n) nach einem Begriff, den er im Text findet oder aufgeschnappt hat (z.B. "Theodor Storm", "Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse"). Sie sollten nun aus dem Stegreif imstande sein, zu diesem Begriff einen kurzen Lehrervortrag zu halten (ca. 5 Minuten), der
a) grundlegende zeitliche Markierungen (Epochenwissen, geschichtl. Ereignisse),
b) die inhaltlich relevanten definitorischen Merkmale,
c) Autor(en) und Werk(e) als exemplarische Beispiele,
d) und vor allem für Kinder und Jugendliche wichtig: ein Beispiel eines Werks (kurze Inhaltsangabe mit den für den erfragten Begriff wesentlichen Bezügen)
enthält. Etwa fünf zentrale Begriffe sollten an der Tafel festgehalten werden. In einer solchen Lage führt ein Aufschub ("da muss ich erst mal googeln, sag‘ ich euch morgen") zu einer hochproblematischen Situation (Sie sind die fachliche Autorität und der Sachanwalt der Literatur!).
Wie kommen Sie nun zu einem Überblick über das relevante Wissen?
Der Ausgangspunkt bildet oft das Oberstufenlesebuch. Zu empfehlen: Texte, Themen, Strukturen (TTS, Cornelsen, Ausgabe beliebig, auch älter), Deutsch in, deutsch.ideen, Facetten. Die Texte und Fakten, die Ihnen hier im Überblick präsentiert werden, sollten Sie einfach im Zusammenhang lernen (quasi auswendig). TTS bietet z.B. auf den inneren Umschlagseiten Periodisierungen, die Sie im Kopf haben müssen. Prüfen Sie nun, zu welchen Bereichen Sie schon Wissen gesammelt haben über die Lehrveranstaltungen oder einen (guten!) Schulunterricht. Arbeiten Sie dieses Wissen auf, so dass es abrufbar ist, und setzen Sie es vor allem in einen literaturgeschichtlichen und gattungstypologischen Zusammenhang – nur so bleibt es haften. Machen Sie sich Überblicksdarstellungen, die Sie immer vor Augen haben. Verbinden Sie Ihre Privatlektüre mit dem Überblickswissen, um jederzeit Beispiele vor Augen zu haben.
Wie gehen Sie nun mit den "Wissenslücken" um?
Jeder Unterrichtende muss in seinem Bücherregal zu Hause folgende Werke besitzen:
a) eine Literaturgeschichte (Metzler o.a.), auch mit Bezug zur KJL (Wild o.a.)
b) eine Lyrikanthologie (Echtermeyer o.a.),
c) eine Einführung in die Literaturwissenschaft mit Überblicken über Gattungen und Methoden (z.B. Jeßing/Köhnen o.a.),
d) eine Einführung in die Literaturdidaktik (z.B. Korte / Bogdal o.a.),
e) ein literaturdidaktisches Lexikon,
f) eine Einführung in die Filmwissenschaft (z.B. James Monaco).
Arbeiten Sie in den genannten Einführungen und in der Literaturgeschichte zumindest die Kapitel sorgfältig (Exzerpte!) durch, zu denen Ihnen Wissen fehlt. Lesen Sie vor allem begleitend die jeweiligen exemplarischen Werke, sofern Sie sie noch nicht kennen ( Leseliste (PDF, 117 kB))! Vernetzen Sie dann Ihr Wissen mit dem bestehenden, so dass Sie im Laufe der Zeit einen vollständigen Überblick über Literaturgeschichte, Gattungen und Methoden bekommen. Seien Sie geduldig: Dieser Prozess dauert einige Jahre, immer in Abhängigkeit vom Stand Ihres Vorwissens, Ihrem Leseverhalten und Ihrem Studienverhalten! Ohne einen "langen Atem" und Ausdauer im Lesen ist er allerdings nicht erfolgreich zum Ende zu bringen.
Wir möchten nun einen Überblick über die Inhalte des deklarativen Wissens bieten.
Literaturdidaktik
Das Orientierungswissen in der Literaturdidaktik wird Ihnen in der Einführungsvorlesung vermittelt. Die Themen der Vorlesung entsprechen dem notwendigen Stoff. Grundlage ist Korte / Bogdals Grundzüge der Literaturdidaktik, demnächst Dawidowski / Standkes Einführung Literaturdidaktik Deutsch (UTB, 2014).
Literaturgeschichte
Nach wie vor entscheidend für den angemessenen Umgang mit deutscher Literatur sind jenseits aller epochalen oder gattungsgemäßen Gliederungen fundierte Kenntnisse folgender Texte, ohne die Sie die Bezüge der für die Schule relevanten literarischen Texte nicht angemessen einordnen können:
- Bibel
- Deutsche Heldensagen / Epos: besonders das Nibelungenlied / die Nibelungensage
| Epoche/ Strömung | Themen und Fragestellungen | Autoren | Politischer Kontext | Sozialgeschichte des Lesens und der Schule |
|---|---|---|---|---|
| Barock (1575-1770) | vanitas-/ memento mori-Motiv; Lyrik | Gryphius; Grimmelshausen | Absolutismus; 30-jähriger Krieg | |
| Aufklärung (1720-1800) | Rationalität; Toleranz; Theatertheorie Lessings; bürgerliches Trauerspiel; Fabel, Entstehung der KJL als Enkulturationsliteratur | Lessing; Campe | Französische Revolution | Sozialgeschichte des bürgerlichen Lesens im 18. Jh.; Philanthropismus in der Lesedidaktik |
| Sturm und Drang (1765-1785) | Volkslied; Bedeutung neuer Gattungen wie Briefroman, Erlebnislyrik, Ode; der junge Goethe in der Lyrik; Drama bei Schiller | Goethe; Schiller | Bedeutung der frz. Revolution | weibliches Lesen um 1800 |
| Weimarer Klassik (1786/ 1794-1805) | Ballade; klassisches Drama; Poetologie und Ästhetik; Humanitätsideal | Goethe; Schiller; Kleist | Bedeutung der frz. Revolution | Roman als Gattung findet Leser, Kolportageliteratur |
| Romantik (1795-1848) | Lyrik; Epik/ Roman; Nationalismus und Romantik; deutscher Idealismus; Märchen und Märchennovelle; Schauerliteratur (Hoffmann); Entdeckung des mittelalterlichen Epos und des Volksliedes | Eichendorff; Novalis; Tieck; Grimm; E.T.A. Hoffmann | Restauration in den deutschen Kleinstaaten; Vormärz; Revolution 1848 (vorläufiges Scheitern der dt. Nationsbildung) | Entdeckung des Kindes als Leser und als Ideal (Kindheitsbilder!), Alphabetisierung schreitet voran |
| Vormärz/ Biedermeier (1815-1848) | (offenes) Drama, Geschichts- und Sozialdrama; Lyrik: Kritik und Agitation; littérature engagée | Büchner (Drama); Heine (Lyrik); Droste (Ballade) | Weberaufstand, das Jahr 1848 | Erste Berücksichtigung deutscher Lektüre in der höheren Schule; Hiecke; Wackernagel |
| Realismus/ Naturalismus (1848-Anfang 20. Jh.) | Roman/ Erzählung; naturalistisches Drama, Kindertheater, Sachbuch in der KJL, Jugendschriftenbewegung (Wolgast) | Fontane; Keller; Storm; Bonsel; Falke; May; Spyri; Busch; H. Hoffmann | 1870/ 1871: Gründung des dt. Nationalstaats; Kolonialismus; Industrialisierung; Wilhelminismus; Bismarck; Nationalismus | Verengung des literarischen Kanons in der höheren Schule; Nationalerziehung; Trivialisierung der Lesestoffe, Schmutz-und-Schundliteratur, neg. Kinderbild (Struwwelpeter, Busch), Mädchen- vs. Jungenlit. |
| Expressionismus (1905-1925) | Antibürgerlichkeit; Abstraktion | Lyrik: Stramm, Benn, Wolfenstein, Heym, Trakl; Roman/ Erzählung: Kafka; Film: Wiene, Ewers, Wegener | 1. WK, Marxismus (Oktoberrevolution) | Reformbewegungen im Literaturunterricht, nationaler / kulturkonservativer Widerstand, Schmutz-und-Schund-Debatten, Schiller-Jahr 1905 |
| Wiener Moderne/ klassische Moderne (1890-1930) | Ästhetizismus; Symbolismus; Jugendstil; neue Erzähltechniken im Roman | Drama: Schnitzler, Wedekind; Epik/ Roman: Döblin, Mann; Lyrik: Rilke, Hofmannsthal | k.u.k.-Monarchie | Elitarismus und formale Bildung, Aufmerksamkeit für niederes Schulwesen und Mädchenbildung (Abitur seit 1908 für Mädchen) |
| Neue Sachlichkeit/ Exil/ NS (1920-1949) | Beschleunigung, Großstadt, Anpassung und Widerstand, Kommunismus, realist. KJL, pol. KJL | Epik: Remarque, Kisch, Kästner, Fallada, Keun; Drama: Brecht (episches Theater); Exil: Seghers, Mann, Brecht; real. KJL: Kästner | Weimarer Republik; 2. WK; Bücherverbrennung; Reichskulturkammer zum Schrifttum | Liberale Kräfte im DU (Schönbrunn); Schulfilmbewegung; Deutschkunde |
| Literatur nach 1945 in der BRD / KJL vor allem nach 1970 | Kurzgeschichten; KJL: Bruch seit 1970: realistische/dokument. vs. fantastische (pol. Parabel: Ende, Lindgren) Literatur in der KJL, Kindgemäßheit (Lindgren), Jeans-Prosa, problemorient. Jugendroman | Modernes Drama: Frisch, Dürrenmatt, Borchert; Lyrik nach 1945: Benn, Celan, Nöstlinger, Härtling, Ende, Lindgren | Deutsche Teilung; Auschwitz-Prozesse; Reformbewegungen; 68er Bewegung | Kritischer Literaturunterricht; Debatte um triviale Stoffe/ Kanon/ Politisierung |
| Literatur nach 1945 in der DDR | Arbeiterliteratur; sozialistischer Realismus | Seghers, Brecht | Arbeiter- und Bauernstaat; Deutsche Teilung; Gruppe 47; 17. Juni 1953; stalinistische Schauprozesse; Mauerbau | Erziehung zum ‚guten/ neuen Menschen’ durch Literatur |
| Postmoderne (ab 1980) | Intermedialität/ Netzliteratur, Genremix in der KJL | Popliteratur: Kracht, interkulturelle Literatur: Müller, Özdamar, Zaimoğlu, postmoderne KJL, vor allem im Bilderbuch, hybride KJL (Bild-Text-Beziehungen), interkulturelle KJL, Fantastik: Ende, Rowling, Tolkien | Deutsche Wiedervereinigung; Europäisierung/ Globalisierung | Digitales Lesen = verändertes Lesen? (Entwicklung von E-Books…), Bildungsreformen nach 2000, Film statt Literatur als Leitmedium |
Gattungen
Bei allen Gattungselementen sind Grundkenntnisse über ihre Definition und ihren literaturgeschichtlichen Wandel wichtig, also z.B.: Wie entsteht und verändert sich die Mädchenliteratur zwischen 1870 und heute?
a) Lyrik (begrifflicher und gesch. Ursprung, Sonett, Erlebnislyrik, Dinggedicht, Ballade, Ode, Hymnus, konkrete Poesie, Gedankenlyrik, hermetische Lyrik, engagierte Lyrik, Song, Metrik, Reimschemata, Kadenzen, sprachliche Mittel, dabei vor allem Bildlichkeit (Metapher, Vergleich, Symbol, Chiffre, Allegorie), Kindergedicht
b) Epik (begrifflicher und gesch. Ursprung und Wandel, Fabel, Parabel, Märchen, Kurzgeschichte, Roman, Novelle, Satire, Kalendergeschichte, Sage, Erzähltextanalyse: Stanzels Kategorien bes. zur Perspektivik (Außensicht/Innensicht), Figurenrede (innerer Monolog, erlebte Rede, Bewusstseinsstrom, Erzählebenen (Rahmungen), Zeit (Prolepse/Analepse, Erzählzeit vs. erzählte Zeit), Bildlichkeit, Collage, Reportage, erzählende KJL: Phantastik versus Realistik, KJL als Sozialisationsliteratur, Adoleszenzroman
c) Drama und Theater (begrifflicher und gesch. Ursprung und Wandel, Performanz und Theatralität, Inszenierung vs. Aufführung, aristotelische Poetik, episches Theater, V-Effekt, Gottscheds Theaterreform, bürgerliches Trauerspiel, Hamburgische Dramaturgie Lessings, Freytag-Pyramide, Ständeklausel, Tragödie vs. Komödie, offene vs. geschlossene Form, analytisches Drama, absurdes Theater, experimentelles Theater, postdramatische Theaterformen, Schaubühne als moralische Anstalt, soziales Drama, Geschichtsdrama, Figurensprache (Metrik, Versifikation, Monolog vs. Dialog), Regietheater vs. Werktreue, Katharsisbegriff, Einfluss des frz. Klassizismus und Shakespeares, Typus vs. Charakter, Intermedialität im zeitgen. Theater), Kinder- und Jugendtheater
d) Film (Gattungen, Serialität und deren Regeln, Einstellungsgrößen, filmsprachliche Mittel, mise en scène, Montagetechniken, Zeitgestaltung, Perspektiven (quantitativer / qualitativer point of view), Literaturverfilmung: Werktreue vs. Transformation, Kinder- und Jugendfilm
e) Bilderbuch (Wechselbeziehungen Bild-Text, Einfluss bildende Kunst und Medien, Doppeladressierung, Bilderbuch als Sozialisations- / Enkulturationslit.)
Methoden
Die im Folgenden genannten Methoden sind primär literaturwissenschaftliche Zugangsweisen zum Text, die sämtlich Elemente beinhalten, die den schulischen Umgang mit dem Text prägen und/oder beeinflussen. Der schulische Umgang mit dem Text sollte immer methodengeleitet und reflektiert erfolgen, d.h. auch die Schüler sollten die Art und Weise ihres Textumgangs kennen und sie kritisch reflektieren. Der Kenntnisstand über eine Methode zeigt sich jedoch nur in ihrer Anwendung, daher sollten Sie imstande sein, die genannten Ansätze zu unterscheiden und sie in ihrer Grundausrichtung korrekt auf einen konkreten Text anwenden zu können.
a) Hermeneutik (philosophische und philologische H., Schleiermacher, Dilthey, Heidegger, Gadamer, Sinnangebot des Textes, Kanonizität, Werkimmanenz, kritisches Lesen, Zirkel des Verstehens, Horizontverschmelzung, Verhältnis von Teil und Ganzem, Einheit von Inhalt und Sprachlichkeit, close reading, Autor als Schöpfer, Interpretation, Sinnzuweisung)
b) Strukturalismus (Saussure, Jakobson, Barthes, Zeichentheorie, Syntagma und Paradigma, Zerlegung, Textoppositionen, Synchronie und Diachronie, Analyse statt Interpretation)
Adressaten: Lehramtsstudierende der Germanistik von Schulformen, die zum Abitur führen, auf der Suche nach Hilfestellung im unüberschaubaren Dickicht der deutschen Literatur.
Ergebnisse von Leistungsstudien mit Studierenden der Germanistik und Erfahrungen in literaturwissenschaftlichen/-didaktischen Seminaren zeigen, dass viele Studierende auf der Suche nach Orientierungswissen besonders in den Bereichen Literaturgeschichte, Gattungstheorie und Methoden sind. Abiturrelevante Kurse in den Schulen setzen dieses Fachwissen allerdings voraus, so dass ein Scheitern im Referendariat oft seinen Grund in diesem Defizit findet. Die Umstellung des Literaturunterrichts in den Schulen (weg von Literaturgeschichte und Gattungstheorie) überlässt es dem akademischen Selbststudium, hier für das Notwendige zu sorgen. Die Uni kann nur exemplarisch vorgehen, so dass Ihnen die Erstellung von gedanklichen Strukturen und Vernetzungen obliegt. Überdies kommen Studierende mit ganz unterschiedlichem Kenntnisstand ins Germanistik-Studium, so dass diese Orientierungsleistung nur schwerlich in Pflichtveranstaltungen erbracht werden kann.
Neben der Literaturliste (PDF, 473 kB) wollen wir Ihnen einen kleinen Überblick verschaffen, welche Kenntnisse (rein deklaratives Wissen) Sie an den genannten Schulformen (vor allem in der Sek. II) eigentlich benötigen, um im Referendariat und vor allem im Schulalltag bestehen zu können.Es geht also nicht um allgemeine Kompetenzen im Umgang mit Literatur oder Schülern, sondern um ein dem Vokabular in den Fremdsprachen oder den grundlegenden Rechenregeln in der Mathematik vergleichbares Basiswissen, das jederzeit ohne Nachschlagen oder Googeln abrufbar sein muss.
Sie können sich selber überprüfen, ob und wie viel Sie bereits wissen oder gelernt haben: Stellen Sie sich eine alltägliche Unterrichtssituation in der Oberstufe vor. Ein Schüler fragt Sie als Lehrende(n) nach einem Begriff, den er im Text findet oder aufgeschnappt hat (z.B. "Naturalismus", "offenes Drama" oder "Strukturalismus"). Sie sollten nun aus dem Stegreif imstande sein, zu diesem Begriff einen kurzen Lehrervortrag zu halten (ca. 5 Minuten), der
- a) grundlegende zeitliche Markierungen (Epochenwissen, geschichtl. Ereignisse),
- b) die inhaltlich relevanten definitorischen Merkmale,
- c) Autor(en) und Werk(e) als exemplarische Beispiele,
- d) und vor allem für Jugendliche wichtig: ein Beispiel eines Werks (kurze Inhaltsangabe mit den für den erfragten Begriff wesentlichen Bezügen)
enthält. Etwa fünf zentrale Begriffe sollten an der Tafel festgehalten werden. In einer solchen Lage führt ein Aufschub ("da muss ich erst mal googeln, sag‘ ich euch morgen") zu einer hochproblematischen Situation (Sie sind die fachliche Autorität und der Sachanwalt der Literatur!).
Wie kommen Sie nun zu einem Überblick über das relevante Wissen?
Der Ausgangspunkt bildet oft das Oberstufenlesebuch. Zu empfehlen: Texte, Themen, Strukturen (TTS, Cornelsen, Ausgabe beliebig, auch älter), Deutsch in,deutsch.ideen, Facetten. Die Texte und Fakten, die Ihnen hier im Überblick präsentiert werden, sollten Sie einfach im Zusammenhang lernen (quasi auswendig). TTS bietet z.B. auf den inneren Umschlagseiten Periodisierungen, die Sie im Kopf haben müssen. Prüfen Sie nun, zu welchen Bereichen Sie schon Wissen gesammelt haben über die Lehrveranstaltungen oder einen (guten!) Schulunterricht. Arbeiten Sie dieses Wissen auf, so dass es abrufbar ist, und setzen Sie es vor allem in einen literaturgeschichtlichen und gattungstypologischen Zusammenhang – nur so bleibt es haften. Machen Sie sich Überblicksdarstellungen, die Sie immer vor Augen haben. Verbinden Sie Ihre Privatlektüre mit dem Überblickswissen, um jederzeit Beispiele vor Augen zu haben.
Wie gehen Sie nun mit den „Wissenslücken“ um?
Jeder Unterrichtende muss in seinem Bücherregal zu Hause folgende Werke besitzen:
a) eine Literaturgeschichte (Metzler o.a.),
b) eine Lyrikanthologie (Echtermeyer o.a.),
c) eine Einführung in die Literaturwissenschaft mit Überblicken über Gattungen und Methoden (z.B. Jeßing/Köhnen o.a.),
d) ein Literaturlexikon,
e) eine Einführung in die Literaturdidaktik (z.B. Korte / Bogdal o.a.),
f) ein literaturdidaktisches Lexikon,
g) eine Einführung in die Filmwissenschaft (z.B. James Monaco).
Arbeiten Sie in den genannten Einführungen und in der Literaturgeschichte zumindest die Kapitel sorgfältig (Exzerpte!) durch, zu denen Ihnen Wissen fehlt. Lesen Sie vor allem begleitend die jeweiligen exemplarischen Werke, sofern Sie sie noch nicht kennen ( Leseliste (PDF, 117 kB))! Vernetzen Sie dann Ihr Wissen mit dem bestehenden, so dass Sie im Laufe der Zeit einen vollständigen Überblick über Literaturgeschichte, Gattungen und Methoden bekommen. Seien Sie geduldig: Dieser Prozess dauert einige Jahre, immer in Abhängigkeit vom Stand Ihres Vorwissens, Ihrem Leseverhalten und Ihrem Studienverhalten! Ohne einen "langen Atem" und Ausdauer im Lesen ist er allerdings nicht erfolgreich zum Ende zu bringen.
Wir möchten nun noch einen Überblick über die Inhalte des deklarativen Wissens bieten, die Sie für das Unterrichten in abiturrelevanten Deutschkursen benötigen.
Literaturdidaktik
Das Orientierungswissen in der Literaturdidaktik wird Ihnen in der Einführungsvorlesung vermittelt. Die Themen der Vorlesung entsprechen dem notwendigen Stoff. Grundlage ist Korte / Bogdals Grundzüge der Literaturdidaktik, demnächst Dawidowski / Standkes Einführung Literaturdidaktik Deutsch (UTB, 2014).
Literaturgeschichte
Nach wie vor entscheidend für den angemessenen Umgang mit deutscher Literatur sind jenseits aller epochalen oder gattungsgemäßen Gliederungen fundierte Kenntnisse folgender Texte, ohne die Sie die Bezüge der für die Schule relevanten literarischen Texte nicht angemessen einordnen können:
- Bibel
- Homer: Odyssee und Ilias
- Deutsche Heldensagen / Epos: besonders das Nibelungenlied / die Nibelungensage
| Epoche/ Strömung | Themen und Fragestellungen | Autoren | Kulturgeschichtlicher Kontext | Politischer Kontext | Sozialgeschichte des Lesens und der Schule |
|---|---|---|---|---|---|
| Barock (1575-1770) | vanitas-/ memento mori-Motiv; Poetologie; Lyrik | Opitz, Gryphius; Grimmelshausen | Absolutismus; 30-jähriger Krieg | ||
| Aufklärung (1720-1800) | Rationalität; Toleranz; Theatertheorie Lessings; bürgerliches Trauerspiel; Fabel | Lessing; Gottsched | Kants Aufklärungsbegriff; Wissenschaftlichkeit; Theater als Institution | Britische/ Französische Revolution | Sozialgeschichte des bürgerlichen Lesens im 18. Jh.; Philanthropismus in der Lesedidaktik; Campe |
| Sturm und Drang (1765-1785) | Volkslied; Bedeutung neuer Gattungen wie Briefroman, Erlebnislyrik, Ode; der junge Goethe in der Lyrik; Drama bei Schiller | Herder; Goethe; Schiller | Geniekult; Bedeutung Shakespeares | Bedeutung der frz. Revolution | weibliches Lesen um 1800 |
| Weimarer Klassik (1786/ 1794-1805) | Gedankenlyrik; Ballade; Bildungsroman; klassisches Drama; Poetologie und Ästhetik; Humanitätsideal | Goethe; Schiller; Hölderlin; Kleist | Schillers ästhetische Erziehung; Über naive und sentimentalische Dichtung; die Schaubühne als moralische Anstalt; Dichterkultus; Bildungsideal | Bedeutung der frz. Revolution | Roman als Gattung findet Leser, Kolportageliteratur |
| Romantik (1795-1848) | Lyrik; Epik/ Roman; Poetologie und Programmatik (Schlegel); Nationalismus und Romantik; deutscher Idealismus; Märchen und Märchennovelle; Schauerliteratur (Hoffmann); Entdeckung des mittelalterlichen Epos und des Volksliedes | Eichendorff; Novalis; Uhland; Mörike; Brentano; Tieck | Germanismus und Volkstum; Religion; Wissenschaftsgeschichte der Germanistik: Schlegel und Grimm | Restauration in den deutschen Kleinstaaten; Vormärz; Revolution 1848 (vorläufiges Scheitern der dt. Nationsbildung) | Entdeckung des Kindes als Leser und als Ideal, Alphabetisierung schreitet voran |
| Vormärz/ Biedermeier (1815-1848) | (offenes) Drama, Geschichts- und Sozialdrama; Lyrik; Poetologie: Kritik und Agitation; littérature engagée | Büchner (Drama); Heine (Lyrik); Droste (Ballade); Stifter (Erzählungen) | Fotografie, Eisenbahn: Beschleunigung der Wahrnehmung | Weberaufstand, das Jahr 1848 | Erste Berücksichtigung deutscher Lektüre in der höheren Schule; Hiecke; Wackernagel |
| Realismus/ Naturalismus (1848-Anfang 20. Jh.) | Roman/ Erzählung; Poetologie: Fontane über den Realismus, Fotografie und Malerei, Holz, Schlaf; naturalistisches Drama | Fontane; Keller; Meyer; Storm; Raabe | Bedeutung der Naturwissenschaften | 1870/ 1871: Gründung des dt. Nationalstaats; Kolonialismus; Industrialisierung; Wilhelminismus; Bismarck; Nationalismus | Verengung des literarischen Kanons in der höheren Schule; Nationalerziehung; Trivialisierung der Lesestoffe, Schmutz-und-Schund, KJL: Busch, H. Hoffmann (Struwwelpeter) |
| Expressionismus (1905-1925) | Antibürgerlichkeit; Abstraktion | Lyrik: Stramm, Benn, Wolfenstein, Heym, Trakl; Roman/ Erzählung: Kafka; Film: Wiene, Ewers, Wegener | Nietzsches Philosophie; Kinoreform | 1. WK, Marxismus (Oktoberrevolution) | Reformbewegungen im Literaturunterricht, nationaler / kulturkonservativer Widerstand, Schmutz-und-Schund-Debatten, Schiller-Jahr 1905 |
| Wiener Moderne/ klassische Moderne (1890-1930) | Sprach- und erkenntniskritisches Denken (Nietzsche, Hofmannsthal); Ästhetizismus; Symbolismus; Jugendstil; neue Erzähltechniken im Roman; Essayismus; Einflüsse Prousts/ Joyces/ Nietzsches | Drama: Schnitzler, Wedekind, Hofmannsthal; Epik/ Roman: Döblin, Musil, Mann; Lyrik: Rilke, Hofmannsthal | Stadt Wien/ Berlin; Bürgerlichkeit; Psychoanalyse (Freud); Zeitung, Film und Kino als Einflüsse auf die Literatur und junge Leser | k.u.k.-Monarchie | Elitarismus und formale Bildung, Aufmerksamkeit für niederes Schulwesen und Mädchenbildung (Abitur seit 1908 für Mädchen) |
| Neue Sachlichkeit/ Exil/ NS (1920-1949) | Beschleunigung, Großstadt, Anpassung und Widerstand, Kommunismus | Epik: Remarque, Kisch, Kästner, Fallada, Keun; Drama: Brecht (episches Theater); NS-Literatur: Grimm, Johst; Exil: Seghers, Mann, Brecht; klassische KJL: Kästner | Liberalismus; Kommunismus; Nationalismus; Großstadt (Berlin); Weimarer Kino: Lang, Murnau | Weimarer Republik; 2. WK; Bücherverbrennung; Reichskulturkammer zum Schrifttum | Liberale Kräfte im DU (Schönbrunn); Schulfilmbewegung; Deutschkunde |
| Literatur nach 1945 in der BRD / KJL vor allem nach 1970 | Kurzgeschichten; KJL: Bruch seit 1970: realistische (Nöstlinger, Härtling) vs. fantastische Literatur (Ende) | Modernes Drama: Frisch, Dürrenmatt, Borchert; Lyrik nach 1945: Benn, Celan | "Papas Kino" vs. neuer deutscher Film; Kritische Theorie (Adorno); Deutscher Herbst; Gruppe 47 (v.a. Böll, Grass, Bachmann); Deutsch-deutscher Literaturstreit; Emanzipation der Frau | Deutsche Teilung; Auschwitz-Prozesse; Reformbewegungen; 68er Bewegung | Kritischer Literaturunterricht; Debatte um triviale Stoffe/ Kanon/ Politisierung |
| Literatur nach 1945 in der DDR | Bitterfelder Weg; Arbeiterliteratur; sozialistischer Realismus; Wandlungs-Topos; Dissidenten-Literatur; | Seghers, Brecht; Kant; Wolf; Strittmatter | Kollektivierung/ sozialistische Ideale/ Normen und Werte; Ausbürgerung Wolf Biermanns; Deutsch-deutscher Literaturstreit; Emanzipation der Frau | Arbeiter- und Bauernstaat; Deutsche Teilung; Gruppe 47; 17. Juni 1953; stalinistische Schauprozesse; Mauerbau | Erziehung zum ‚guten/ neuen Menschen’ durch Literatur |
| Postmoderne (ab 1980) | PeriodisierungsproblematikModerne/ Postmoderne; Intermedialität/ Netzliteratur | Popliteratur: Goetz, Kracht, Brinkmann; Doppelcodierung des Romans: Eco, Calvino, Süskind; Selbstbezüglichkeit: Bernhard; Intertextualität: Ransmayr; Postdramatik: Müller, Berg, Jelinek; von Düffel; interkulturelle Literatur: Müller, Özdamar, Zaimoğlu | "Erlebnisgesellschaft", Popularisierung | Deutsche Wiedervereinigung; Europäisierung/ Globalisierung | Digitales Lesen = verändertes Lesen? (Entwicklung von E-Books…), Bildungsreformen nach 2000, Film statt Literatur als Leitmedium |
Gattungen
Bei allen Gattungselementen sind Grundkenntnisse über ihre Definition und ihren literaturgeschichtlichen Wandel wichtig, also z.B.: Wie entsteht und verändert sich der Bildungsroman von Goethe hin zu T. Mann?
a) Lyrik (begrifflicher und gesch. Ursprung, Sonett, Erlebnislyrik, Dinggedicht, Ballade, Ode, Hymnus, konkrete Poesie, Gedankenlyrik, hermetische Lyrik, engagierte Lyrik, Song, Metrik, Reimschemata, Kadenzen, sprachliche Mittel, dabei vor allem Bildlichkeit (Metapher, Vergleich, Symbol, Chiffre, Allegorie)
b) Epik (begrifflicher und gesch. Ursprung und Wandel, Epos, Fabel, Parabel, Märchen, Kurzgeschichte, Roman (Bildungsroman, Briefroman, historischer Roman, experimenteller Roman), Novelle, Satire, Kalendergeschichte, Sage, Erzähltextanalyse: Stanzels Kategorien bes. zur Perspektivik (Außensicht/Innensicht) und deren narratologische Neuformulierung (Fokalisierung, discours/histoire), Figurenrede (innerer Monolog, erlebte Rede, Bewusstseinsstrom, Erzählebenen (Rahmungen), Zeit (Prolepse/Analepse, Erzählzeit vs. erzählte Zeit), Raumanalyse, Bildlichkeit, Collage, Reportage
c) Drama und Theater (begrifflicher und gesch. Ursprung und Wandel, Performanz und Theatralität, Inszenierung vs. Aufführung, aristotelische Poetik, episches Theater, V-Effekt, Gottscheds Theaterreform, bürgerliches Trauerspiel, Hamburgische Dramaturgie Lessings, Freytag-Pyramide, Ständeklausel, Tragödie vs. Komödie, offene vs. geschlossene Form, analytisches Drama, absurdes Theater, experimentelles Theater, postdramatische Theaterformen, Schaubühne als moralische Anstalt, Reflexionsdrama, soziales Drama, Geschichtsdrama, Figurensprache (Metrik, Versifikation, Monolog vs. Dialog), Regietheater vs. Werktreue, Katharsisbegriff, Einfluss des frz. Klassizismus und Shakespeares, Typus vs. Charakter, Intermedialität im zeitgen. Theater)
d) Film (filmgeschichtliches Überblickswissen: Weimarer Kino/Expressionismus, Hollywood, Propagandafilm, film noir, Neorealismus, Nouvelle Vague, Neuer Deutscher Film, postmoderner Film/Independent, Western, Science Fiction, Krimi, Dokumentation, Serialität und deren Regeln, Einstellungsgrößen, filmsprachliche Mittel, mise en scène, Montagetechniken, Zeitgestaltung, Perspektiven (quantitativer / qualitativer point of view), Literaturverfilmung: Werktreue vs. Transformation)
Methoden
Die im Folgenden genannten Methoden sind primär literaturwissenschaftliche Zugangsweisen zum Text, die sämtlich Elemente beinhalten, die den schulischen Umgang mit dem Text prägen und/oder beeinflussen. Der schulische Umgang mit dem Text sollte immer methodengeleitet und reflektiert erfolgen, d.h. auch die Schüler sollten die Art und Weise ihres Textumgangs kennen und sie kritisch reflektieren. Der Kenntnisstand über eine Methode zeigt sich jedoch nur in ihrer Anwendung, daher sollten Sie imstande sein, die genannten Ansätze zu unterscheiden und sie in ihrer Grundausrichtung korrekt auf einen konkreten Text anwenden zu können. Das ist bei der Diskursanalyse und der Dekonstruktion nicht leicht, dennoch sollten Sie auch von diesen Methoden eine Vorstellung entwickeln und sie zumindest ansatzweise als Alternative zur hermeneutischen Methode mit Schülern praktizieren können.
a) Hermeneutik (philosophische und philologische H., Schleiermacher, Dilthey, Heidegger, Gadamer, Sinnangebot des Textes, Kanonizität, Werkimmanenz, kritisches Lesen, Zirkel des Verstehens, Horizontverschmelzung, Verhältnis von Teil und Ganzem, Einheit von Inhalt und Sprachlichkeit, close reading, Autor als Schöpfer, Interpretation, Sinnzuweisung)
b) Strukturalismus (Saussure, Jakobson, Barthes, Zeichentheorie, Syntagma und Paradigma, Zerlegung, Textoppositionen, Synchronie und Diachronie, Analyse statt Interpretation)
c) Diskursanalyse (Foucault, Begriff „Diskurs“, Kontextorientierung, Bedeutungen „von außen“, Machtanalysen und deren Auswirkungen auf Textproduktionen (Ausgrenzungsmechanismen, Legitimität des Sprechens, Ort der „Wahrheit“), Autor als Diskurseffekt (Funktion), Bedeutung nicht-literarischer sozialer Systeme für die Literatur, Archäologie als Methode)
d) Dekonstruktion (Derrida, de Man, Sprachlichkeit des Textes, Eigenwertigkeit der Sprache unabhängig vom Autor, Logozentrismus aufzeigen, différance, Etymologie, Gegenläufigkeit der Interpretation, Gegensätze bilden, vorschnelle Sinnzuweisungen verhindern)