Selbsttest zur Studienorientierung
Lesen und Lehramt Deutsch
Angehende Deutschlehrende müssen sich darüber im Klaren sein, dass das eigene Lesen sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht die spätere Einstellung zum Beruf und seinen Gegenständen maßgeblich prägt. So sind es aktuellen Studien zufolge insbesondere begeisterte Leser und Leserinnen, die als Deutschlehrende und Lesevorbild ihre Begeisterung für Literatur in (Lese‐)Motivation auf Schülerseite umwandeln können. Es ist daher dringend anzumahnen, dass sich Studierende der Germanistik, wenn sie nicht schon solche Leser sind, spätestens im Studium dazu entwickeln.
Dies bedeutet im Einzelnen:
- eine regelmäßige und habituelle Freizeitleserin oder -leser zu sein
- Lesestoffe auch über die Bestseller‐ und Fantasy‐Lektüre hinaus zu suchen
- schulische Lesestoffe insbesondere der Oberstufe („klassische“ und moderne Literatur) nicht als Belastung zu empfinden, sie auch mit Gewinn und Freude (und ganz) gelesen zu haben
Sollten Sie — bei ernsthafter Selbstprüfung — diese Voraussetzungen nicht erfüllen, ist das Germanistikstudium für Sie sicher nicht die richtige Wahl. Das Studium verlangt eine hohe Lesebereitschaft und auch Lesekompetenz, die nur in Ansätzen noch im Studium erworben werden können.
Mitbringen müssen Sie einen bereits während der Schulzeit „erlesenen“, kleinen Kanon grundlegender deutschsprachiger Literatur. Vor allem literarische Texte des 18., 19. und 20. Jahrhunderts sind im Studium über die in den Lehrveranstaltungen präsente „Pflichtliteratur“ hinaus zu lesen. Es ist sinnvoll, auch Werke anderer Sprachen in die persönliche Leseliste aufzunehmen. Ihre übergreifenden Kenntnisse müssen Sie spätestens im Masterstudium darlegen.
Die Voraussetzungen für den selbstständigen Umgang mit Texten der wissenschaftlichen Literatur aller Schwierigkeitsgrade, teils in englischer Sprache, müssen Sie ebenfalls mitbringen.
Weitere Anregungen finden Sie hier:
Überblicke über zu erwerbendes literaturgeschichtliches Wissen finden Sie hier:
Die folgenden Fragen dienen keiner Wissensabfrage, sondern sollen Ihnen dabei behilflich sein, festzustellen, inwieweit Ihre eigenen Interessen ein Studium der Germanistik nahelegen.
Können Sie sich vorstellen, sich im Studium mit diesen Themen zu befassen, oder haben Sie sich die eine oder andere Frage selbst schon einmal gestellt?
Notieren Sie, wie viele der Fragen Sie eher interessant oder eher uninteressant finden. Die Auswertung finden Sie am Ende der Fragen.
Hintergrundinformationen zu den Themen der einzelnen Fragen stehen ebenfalls zu jeder Frage zur Verfügung.
- Wird die Kinder- und Jugendliteratur eigentlich auch literaturwissenschaftlich erforscht? ►
- Erscheint uns das Deutsche, das vor 600 Jahren aufgeschrieben wurde, wie eine Fremdsprache (und lässt sich herausfinden, wie es ausgesprochen wurde)? ►
- Was verraten Versprecher wie Laberarbeiter (für Lagerarbeiter) oder sich etwas aus dem Ärmel saugen über die Struktur der deutschen Sprache? ►
- Ist gesprochene Sprache verglichen mit der geschriebenen wirklich fehlerhaft und regellos? ►
- Was kann uns historisches Wissen über das späte 18. Jahrhundert darüber sagen, woran Goethes Werther leidet und inwieweit seine Leiden charakteristisch für seine Zeit sind? ►
- Was verleiht einem Text eigentlich seinen künstlerischen Wert und macht ihn damit zu Literatur: sein Unterhaltungsvermögen, sein Stoff oder sein spezifischer Umgang mit Sprache? ►
- Ist in literarischen Texten ein Sinn, eine Bedeutung angelegt oder kommt diese(r) erst durch das Lesen, in der Kommunikation zwischen Leser und Text zustande? ►
- Ist der Satz Ich komme nicht mit, weil ich habe noch zu tun grammatisch falsch? ►
- Warum schreiben Fünf- bis Sechsjährige oft Hont (statt Hund) und Schbigel (statt Spiegel)? ►
- Beziehen sich literarische Texte nur auf die Verhältnisse in der Welt oder auch auf andere Texte? ►
- Lernen Kinder, die zweisprachig aufwachsen, jede der Sprachen nur "halb"? ►
- Worin bestehen die Unterschiede zwischen Die Lust am Kochen (Horst Lichter), Harry Potter (Joanne K. Rowling) und den Buddenbrooks (Thomas Mann) im Hinblick auf die literarische Qualität der Texte? ►
Hintergrundinformationen
Wird die Kinder- und Jugendliteratur eigentlich auch literaturwissenschaftlich erforscht?
Die Kinder- und Jugendliteratur weist eine lange Geschichte auf und umfasst ein breites Spektrum an Gattungen. Seit ein paar Jahrzehnten ist sie verstärkt auch Gegenstand literaturwissenschaftlicher Forschung. An der Universität Osnabrück werden entsprechende Lehrveranstaltungen angeboten, die insbesondere für Studierende mit der Perspektive Lehramt wichtig sein können.
Erscheint uns das Deutsche, das vor 600 Jahren aufgeschrieben wurde, wie eine Fremdsprache (und lässt sich herausfinden, wie es ausgesprochen wurde)?
Wenn Sie sich mit der deutschen Sprache und Literatur auseinandersetzen wollen, kann für Sie selbstverständlich auch die Beschäftigung mit älteren Sprachstufen von Belang sein. Hier der Anfang eines Liedes von Oswald von Wolkenstein aus dem Jahr 1416 – beurteilen Sie selbst, wie fremd Ihnen das Deutsche jener Zeit erscheint:
Es fuegt sich, do ich was von zehen jaren alt, / ich wolt besehen, wie die welt wär gestalt. / mit ellend, armuet mangen winkel haiss und kalt / hab ich gepaut pei cristen, kriechen, haiden. / Drei pfenning in dem peutel und ain stücklin prot / das was von haim mein zerung, do ich loff in not.
Was verraten Versprecher wie Laberarbeiter (für Lagerarbeiter) oder sich etwas aus dem Ärmel saugen über die Struktur der deutschen Sprache?
Bei einem Versprecher werden nur solche sprachlichen Einheiten ausgetauscht bzw. verwechselt, die bestimmte Eigenschaften gemeinsam haben. Laberarbeiter z.B. ist nicht nur deshalb ein naheliegender Versprecher, weil das Wort Laber im Deutschen existiert, sondern auch, weil die Konsonanten b und g sich sehr ähnlich sind. Es handelt sich um sog. stimmhafte Plosive. Außerdem findet der Austausch am Anfang einer Silbe statt – an genau der Position also, an der später im Wort (korrekterweise) ein b auftaucht.
Ist gesprochene Sprache verglichen mit der geschriebenen wirklich fehlerhaft und regellos?
Wenn wir miteinander reden, ist die Kommunikationssituation eine völlig andere als im Falle schriftlicher Kommunikation; deshalb ist es folgerichtig und zweckmäßig, dass die Wahl der sprachlichen Mittel der jeweiligen Situation angepasst wird. Die geschriebene Sprache als Richtschnur für alle sprachlichen Äußerungen anzusehen gilt in der Sprachwissenschaft als verfehlt. Fakt ist: Die gesprochene Sprache hat ihre eigenen Normen und Muster (z.B. im Bereich der Satzgliedstellung) entwickelt, und diese Muster lassen sich dank moderner Technik sehr gut empirisch untersuchen.
Was kann uns historisches Wissen über das späte 18. Jahrhundert darüber sagen, woran Goethes Werther leidet und inwieweit seine Leiden charakteristisch für seine Zeit sind?
Für die Interpretation literarischer Texte ist es wichtig, diese historisch zu verorten. Dabei ist nicht nur an eine spezifische Einordnung von Texten in literaturhistorische Epochen und Strömungen (Sturm und Drang etc.) zu denken, auch Kenntnisse über historische Großereignisse, Entwicklungen oder gesellschaftliche Debatten können entscheidend zum Verständnis literarischer Texte beitragen. Studierende der Germanistik sollten folglich auch interessiert daran sein, sich mit historischen Themen auseinanderzusetzen.
Was verleiht einem Text eigentlich seinen künstlerischen Wert und macht ihn damit zu Literatur: sein Unterhaltungsvermögen, sein Stoff oder sein spezifischer Umgang mit Sprache?
Im Unterschied zu Texten der Alltagssprache verfügen literarische, also künstlerische Texte über besondere Eigenschaften, die ihre sog. Literarizität ausmachen. Neben dem (hierfür eher nebensächlichen) Unterhaltungswert und dem Stoff geht es in besonderem Maße um die Art und Weise, in der ein Text Sprache verwendet. Daher sollten Studierende der Germanistik daran interessiert sein, sich mit der Gestalt von Texten als Sprachkunstwerken zu befassen.
Ist in literarischen Texten ein Sinn, eine Bedeutung angelegt oder kommt diese(r) erst durch das Lesen, in der Kommunikation zwischen Leser und Text zustande?
Bestimmte sog. hermeneutische Ansätze gehen von der Annahme aus, dass literarische Texte eine Bedeutung/einen Sinn in sich tragen, der sich dem (kompetenten) Leser infolge wiederholter und genauer Lektüre erschließen kann. Die sog. Rezeptionsästhetik dagegen unterstreicht, eine Bedeutungs- bzw. Sinndimension komme erst im konkreten Lesevorgang zustande, in der Kommunikation zwischen Text und Leser also. Diese Frage berührt Aspekte der Literaturtheorie. Für einen reflektierten interpretatorischen Umgang mit literarischen Texten (im Studium, als Wissenschaftler, als Lehrperson) gilt es, sich mit literaturtheoretischen Fragestellungen auseinanderzusetzen.
Ist der Satz Ich komme nicht mit, weil ich habe noch zu tun grammatisch falsch?
Man kann weil als Einleitewort für einen Nebensatz oder – wie hier – als zwei Hauptsätze verbindende Konjunktion benutzen. Wer ein Beispiel wie dieses als fehlerhaft ansieht, ist oft der Meinung, weil mit Hauptsatz "verdränge" weil mit Nebensatz – was allerdings nicht stimmt, denn es sind eher die Konjunktionen da und denn, deren Gebrauch zurückgeht. Außerdem wird oft stillschweigend davon ausgegangen, dass von zwei (oder mehr) Ausdrücken immer nur einer richtig sein könne. In der Sprachwissenschaft lernen Sie zum einen, solche unreflektierten Vorannahmen zu hinterfragen, und zum anderen, ihre Fehlerurteile zu begründen. Diese Fähigkeit ist besonders für angehende Lehrpersonen sehr wichtig.
Warum schreiben Fünf- bis Sechsjährige oft Hont (statt Hund) und Schbigel (statt Spiegel)?
Kinder, die schreiben lernen, versuchen oft genau das festzuhalten, was sie hören. Das o in Hont ist eine regionale Besonderheit, aber das t im Auslaut entspricht der regulären Aussprache des Deutschen. Wir schreiben Hund, obwohl wir Hunt sagen – einfach deshalb, weil es auch Formen wie Hunde, Hundes, Hündin usw. gibt und man durch die Übereinstimmung in der Schrift sofort sieht, dass diese Wortformen miteinander verwandt sind (fachsprachlich ausgedrückt: das gleiche Morphem enthalten). Dass die verschrifteten Wörter oft nicht rechtschreibgemäß sind, bedeutet keinesfalls, dass diese Kinder nicht gut hören, sondern vielmehr, dass unsere Schreibung nicht nur auf Lauten basiert. Die Maxime "Schreib, wie du sprichst!" ist in vielerlei Hinsicht fragwürdig.
Beziehen sich literarische Texte nur auf die Verhältnisse in der Welt oder auch auf andere Texte?
Die Frage, worauf literarische Texte Bezug nehmen, worauf sie referieren, ist eine weitere literaturtheoretische Frage. Weitgehend Einigkeit besteht dahingehend, dass viele literarische Texte sich nicht nur auf die außersprachliche Wirklichkeit beziehen, sondern eben auch auf andere Texte. Diese Eigenschaft von Texten wird als "Intertextualität" bezeichnet. Sicherlich haben Sie auch schon einmal festgestellt, dass Sie einen Text nur durch die Einbeziehung eines früheren Textes richtig verstehen können; z.B. dann, wenn ein literarischer Text ein Bibelmotiv aufgreift, auf Elemente eines anderen literarischen Werkes anspielt oder gar einen anderen Text parodiert. Um selbst solche intertextuellen Bezüge erkennen zu können, ist es unvermeidlich, eine Vielzahl von Werken zu kennen, auf die immer wieder referiert wird.
Lernen Kinder, die zweisprachig aufwachsen, jede der Sprachen nur "halb"?
Die Vorstellung, dass das Aufwachsen mit zwei oder gar drei Sprachen Kinder überfordere, ihnen gar schade, hält sich hartnäckig, doch dieser Mythos der "doppelten Halbsprachigkeit" ist in der Forschung längst widerlegt. Viele Kinder, die zwei- oder gar dreisprachig aufwachsen, sind sehr gut darin, je nach Situation oder Redeabsicht zwischen den Sprachen zu wechseln ("Codeswitching") und über Sprachverwendung nachzudenken. Hinter dem genannten Mythos verbirgt sich u.a. eine unrealistische Vorstellung davon, was es heißt, eine Sprache "perfekt" zu beherrschen.
Worin bestehen die Unterschiede zwischen Die Lust am Kochen (Horst Lichter), Harry Potter (Joanne K. Rowling) und den Buddenbrooks (Thomas Mann) im Hinblick auf die literarische Qualität der Texte?
Wie Frage 6 zielt diese Frage auf Kriterien ab, die Literatur zu Literatur machen. Ob ein Text überhaupt als literarisch gelten kann, hängt davon ab, ob man von einem engen oder einem weiten Literaturbegriff ausgeht. Wird ein enger Literaturbegriff angelegt, so fällt wohl nur der Roman Thomas Manns darunter, da dieser kanonische Text nicht nur unterhält, sondern gesellschaftlich relevante Themen durchdringt, sprachlich kunstvoll gestaltet und interpretationsbedürftig ist. Die Harry-Potter-Romane hingegen dienen in erster Linie der Unterhaltung. Ihre Sprache ist zwar kreativ, aber nicht besonders vielwertig (polyvalent), was sich etwa daran zeigt, dass die Romane keine sehr unterschiedlichen Rezeptionsweisen anregen. Von Literatur kann hier eher nur in einem erweiterten Sinne des Begriffs gesprochen werden. Bei Die Lust am Kochen handelt es sich um einen pragmatischen Text, dem es in erster Linie um die Vermittlung von Rezepten geht; Kriterien literarischer Qualität – wie etwa die sprachliche Ästhetik – stehen hier nicht im Vordergrund. Wird der Text, entsprechend seiner Intention, als ein Kochbuch gelesen, lässt sich hier nicht von Literatur sprechen. In einem literaturwissenschaftlichen Studium wird in der Regel Literatur behandelt, die mehr bietet als nur Information oder Unterhaltung, dabei jedoch auch diskutiert, was Literatur eigentlich zu Literatur macht.
< 7 | Sie finden weniger als sieben der zwölf Fragen (eher) interessant.
Das kann sich noch ändern, denn viele Themen werden umso spannender, je mehr man über sie weiß; anders gesagt: Auch in der Wissenschaft kommt der Appetit oft erst mit dem Essen. Trotzdem sollten Sie bedenken, dass diese Fragen recht typisch für Inhalte sind, mit denen man sich in Germanistik-Seminaren befasst; überlegen Sie sich daher in Ruhe noch einmal, ob Ihre Interessen doch etwas anders gelagert sind
> 7 | Sie finden 7 oder mehr der zwölf Fragen (eher) interessant.
Diese Fragen sind recht typisch für Inhalte, mit denen man sich in Seminaren der Osnabrücker Germanistik befasst. Ihr Ergebnis ist ein erster Anhaltspunkt dafür, dass ein Studium der Germanistik für Sie interessant sein könnte.
Die Einschätzung der folgenden Behauptungen soll Ihnen dabei behilflich sein, herauszufinden, ob bzw. inwieweit Ihre derzeitigen Vorstellungen vom Studium der Germanistik mit den tatsächlichen Anforderungen und Möglichkeiten übereinstimmen.
Wählen Sie aus, ob die Aussage Ihrer Meinung nach (eher) zutrifft oder (eher) nicht zutrifft.
Wenn Ihre Vorstellungen vom Germanistikstudium deutlich von den tatsächlichen Gegebenheiten abweichen, sollten Sie unbedingt weitere Informationen einholen. Die Einzelfeedbacks können Ihnen einen ersten Überblick darüber geben, was ein solches Studium von Ihnen fordert und was es Ihnen bietet. Darüber hinaus liefern Ihnen die Homepage des Instituts für Germanistik sowie die ebenfalls online erhältlichen Prüfungsordnungen wichtige Informationen, die Ihnen zur weiteren Orientierung dienen können.
Unter dem Link, der hinter jeder Aussage auswählbar ist, verbirgt sich eine erklärende Hintergrundinformation mit der Lösung, die erst nach eigener Einschätzung eingesehen werden sollte.
- Ein BA-Studium Germanistik bereitet mich direkt auf einen journalistischen bzw. schriftstellerischen Beruf vor. ►
- Ich sollte schon zu Beginn des Studiums fit in Rechtschreibung sein. ►
- In der Germanistik liest man nur Texte in deutscher Sprache. ►
- Für einen literarischen Text gibt es eine richtige und eindeutige Interpretation, die ich im Laufe des Studiums kennenlerne. ►
- Ich muss Interesse daran haben, zusätzlich zur Pflichtlektüre des Studiums auch in meiner Freizeit meinen literarischen Horizont selbstständig zu erweitern. ►
- Die selbstständige Suche nach passenden wissenschaftlichen Aufsätzen und Büchern in Bibliothekskatalogen ist ein wichtiger Bestandteil eines germanistischen Studiums. ►
- In einer literaturwissenschaftlichen Hausarbeit sollte ich mich auf meine eigene Interpretation konzentrieren und Schriften von Wissenschaftlern zu dem Thema eher nicht berücksichtigen. ►
- Wenn ich mich mit dem klassischen Drama befasse, sind neben deutschsprachigen Werken z. B. auch Werke von Corneille oder Shakespeare wichtig. ►
- Für Muttersprachler ist ein Germanistikstudium unproblematisch, weil es vor allem auf die Kenntnis der deutschen Sprache ankommt. ►
Hintergrundinformationen
trifft überhaupt nicht zu
Ein erfolgreich abgeschlossenes BA-Studium Germanistik ist grundsätzlich nicht mit einer konkreten Berufsausbildung zu vergleichen. Zwar werden in einem solchen Studium Fachkompetenzen erlernt, die auch für eine Tätigkeit im journalistischen oder schriftstellerischen Bereich zentral sind (hohe Sprachkompetenzen, Recherchekompetenzen etc.), es handelt sich dabei trotzdem nicht um eine Berufsqualifikation. Während ihres Studiums sollten sie versuchen, sich (durch Praktika, Volontariate usw.) Einblicke in Berufsfelder zu verschaffen, die Ihnen interessant erscheinen. In vielen Fällen, wenn sie z. B. Lehrer oder Lehrerin werden wollen, schließt sich an das BA-Studium Germanistik ein Masterstudium an.
trifft voll und ganz zu
Überdurchschnittliche Rechtschreibkompetenzen — sowie ein generell sicherer Umgang mit Schriftdeutsch — werden bereits zu Beginn eines Germanistikstudiums vorausgesetzt. Stellen Sie bei sich selbst diesbezügliche Unsicherheiten fest, sollten Sie diese möglichst früh selbstständig aufarbeiten, da Sie etwa in Hausarbeiten oder Referaten immer wieder aufgefordert werden, Ihre schriftsprachlichen Kompetenzen unter Beweis zu stellen — dies gilt sowohl für die Sprach- als auch für die Literaturwissenschaft.
trifft überhaupt nicht zu
Zu vielen Themen gibt es eine rege internationale Diskussion, die Sie nur verfolgen können, wenn Sie bereit sind, mindestens auch englischsprachige Texte zu lesen; dies betrifft zum Beispiel die literarische Biographie, neuere Romantheorien oder den Zusammenhang von Sprache, Bildung und Migration. Hinzu kommt, dass Sie manchmal Texte einer älteren Sprachstufe des Deutschen oder in einer alten Schrift (Fraktur) bearbeiten müssen.
trifft überhaupt nicht zu
Ein Charakteristikum literarischer Texte im engeren Begriffsverständnis ist ihre Polyvalenz (Vielwertigkeit/Mehrdeutigkeit). Der interpretierende Umgang mit solchen Texten führt — abhängig unter anderem von der Methodenwahl und der individuellen Textrezeption — also zumeist zu einer Mehrzahl als gleichwertig zu beurteilender Ergebnisse. Das heißt jedoch nicht, dass jede willkürliche Interpretation anerkannt wird; vielmehr muss sie nachvollziehbar und argumentativ stringent sein. Als Studentin bzw. Student der Germanistik werden Sie immer wieder feststellen, dass es in der (Literatur- und Sprach-)Wissenschaft viel stärker um die Diskussion unterschiedlicher Positionen geht als um die Weitergabe bzw. die Einprägung eindeutiger Lösungen.
trifft voll und ganz zu
Diese Aussage trifft voll und ganz zu: Wer sich wissenschaftlich mit literarischen Texten auseinandersetzt, muss in seiner Freizeit aus eigener Motivation viel lesen, und zwar nicht nur Unterhaltungsliteratur. Die Lektüre einer Vielzahl literarischer Werke verschiedener Gattungen aus verschiedenen Epochen und Nationalliteraturen schafft ein — für das Studium wichtiges — umfassendes Überblickswissen und lässt zudem die häufigen Bezugnahmen von Texten auf Texte erkennen (Intertextualität). Wer sich darüber informieren möchte, welche Werke Osnabrücker Germanistikprofessor*innen für zentral halten, sei auf die Leselisten verwiesen.
trifft voll und ganz zu
Eigenständiges Recherchieren ist eine Kernkompetenz wissenschaftlichen Arbeitens. Wenn Sie nur über Google oder Wikipedia nach Büchern und Aufsätzen suchen, wird es Ihnen schwerfallen, die Seriosität oder Relevanz der gefundenen Literatur einzuschätzen. Deshalb lernen Sie bereits ganz zu Beginn eines germanistischen Studiums in der Universitätsbibliothek die für die Recherche zentralen (digitalen) Bibliothekskataloge ebenso kennen wie die Systematik der Bücheraufstellung vor Ort, die Ihnen das Finden benötigter Materialien erleichtert.
trifft eher nicht zu
Ein zentraler Unterschied schulischen und universitären Arbeitens besteht darin, dass eine literaturwissenschaftliche Hausarbeit eben nicht nur die eigene Interpretationsleistung widerspiegelt, sondern Thesen von Wissenschaftlern zu dem jeweiligen Thema mitdiskutiert. Dies impliziert, dass man (auf Basis einer zielgenauen Recherche) über den ungefähren Forschungsstand zum Thema Bescheid weiß und argumentativ zu unterschiedlichen Positionen Stellung beziehen kann.
trifft voll und ganz zu
Zwar wäre anzunehmen, dass in einem literaturwissenschaftlichen Seminar der Germanistik über das klassische Drama ausschließlich deutschsprachige Werke berücksichtigt werden — damit würde man dem Thema jedoch nicht gerecht, da sich die Gattungstradition nicht auf den deutschsprachigen Raum beschränkt. Vielmehr ist es wichtig, auch die Werke von Autoren aus dem außerdeutschen Sprachraum — wie jene von Corneille oder Shakespeare — zu betrachten. Generell ist die deutschsprachige Literatur in einem zumindest europäischen, teilweise auch darüber hinausreichenden Wirkungs- und Traditionszusammenhang zu betrachten.
trifft eher nicht zu
Muttersprachler können zwar meist kompetent mit der deutschen Sprache umgehen, im Germanistikstudium wird jedoch bedeutend mehr gefordert: Eine perfekte Sprachbeherrschung steht weniger im Mittelpunkt als vielmehr die wissenschaftliche Beschreibung der deutschen Sprache, ihrer Geschichte, ihrer Struktur und ihren konkreten Erscheinungsformen. Unabdingbar ist die Fähigkeit zur Beschreibung, Analyse und Auswertung sprachlicher Daten — und viele Studienanfänger stellen erstaunt fest, wie schwer es sein kann, den eigenen Sprachgebrauch zu reflektieren.
Im Folgenden erhalten Sie die Möglichkeit, Ihr schulisch (und privat) erworbenes Wissen über deutschsprachige Literatur zu testen. Dabei liegt der Schwierigkeitsgrad nicht über dem der Oberstufe. Der literaturwissenschaftliche Umgang mit literarischen Texten im Studium geht natürlich darüber hinaus: Sie gewinnen z.B. Einblicke in die Literaturtheorie und in die Literaturgeschichte, lernen wissenschaftliche Arbeitstechniken kennen und beziehen die Forschungsdiskussion in Ihre Interpretation mit ein.
Notieren Sie, wie viele der Fragen Sie richtig beantwortet haben (bei zwei Auswahlmöglichkeiten pro Frage gilt diese nur als korrekt beantwortet, wenn beide Optionen richtig gewählt wurden).
Die Auswertung finden Sie am Ende der Fragen.
Lesen Sie zunächst bitte folgendes Gedicht von Johann Wolfgang Goethe aufmerksam durch.
Willkomm und Abschied
Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan fast eh’ gedacht;
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht:
Schon stand im Nebelkleid die Eiche,
Ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah
Der Mond auf einem Wolkenhügel
Sah kläglich aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsaus’ten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer;
Doch frisch und fröhlich war mein Mut:
In meinen Adern welches Feuer!
In meinem Herzen welche Glut!
Dich sah ich, und die milde Freude
Floß von dem süßen Blick auf mich,
Ganz war mein Herz an deiner Seite,
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosafarbnes Frühlingswetter
Umgab das liebliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich – Ihr Götter!
Ich hofft’ es, ich verdient’ es nicht!
Doch ach! schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen, welche Wonne!
In deinem Auge, welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden,
Und sahst mir nach mit nassem Blick:
Und doch, welch Glück geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!
(Johann Wolfgang Goethe, Willkomm und Abschied, in: Johann Wolfgang Goethe. Gedichte 1756–1799, hg. von Karl Eibl, Frankfurt a. M. [Deutscher Klassiker Verlag] 1987 (= Johann Wolfgang Goethe, Sämtliche Werke. Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1), S. 283.)
Fragen
1) Wer spricht in dem Gedicht?
- Sein Verfasser Johann Wolfgang Goethe
- Ein auktorialer männlicher Ich-Erzähler
- Ein lyrisches Ich, dessen Geschlecht unbekannt bleibt.
2) In welche Zeit ordnen Sie dieses Gedicht ein?
- In die Zeit um 1700
- In die Zeit um 1800
- In die Zeit um 1900
3) Was trifft hinsichtlich der Metrik der Verse zu?
- sechshebigen Trochäus
- vierhebigen Jambus
- vierhebigen Daktylus
4) Nun lesen Sie nochmals die ersten zwei Verse: Welche inhaltliche Aussage trifft auf den ersten Vers zu?
- Während des geschwinden Rittes auf dem Pferd begann das Herz der sprechenden Person kräftig zu schlagen.
- Das Herz der sprechenden Person hatte stark zu schlagen begonnen, woraufhin sie geschwind auf das Pferd stieg.
- Das Herz der sprechenden Person hatte stark zu schlagen begonnen, woraufhin es sie drängte, geschwind auf das Pferd zu steigen.
5) Worin besteht die besondere Bedeutung der letzten beiden Verse in Bezug auf das Gedichtganze?
- Im Angesicht des schmerzvollen Abschiedes besinnt sich die sprechende Instanz resümierend auf die zuvor erlebten Ereignisse und dankt den "Götter[n]" für die mit dem geliebten Menschen verbrachte glückliche Zeit.
- Hier ist nicht mehr (wie zuvor im Gedicht) von der konkreten, individuellen Liebeserfahrung die Rede, sondern von der wechselseitigen Liebe im Allgemeinen, einem Glück versprechenden Phänomen, das in der Anrufung der "Götter" zum göttlichen Prinzip erhöht wird.
- Erstmals ergreift hier der andere Mensch das Wort und ruft mit Tränen in den Augen das Glück der gegenseitig empfundenen Liebe mit der nun davongehenden Person heraus – die "Götter" werden als Zeugen hierfür angerufen und stehen für die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen.
6) Mittels welcher sprachlichen Mittel wird die in der vorherigen Frage thematisierte besondere inhaltliche Bedeutung hervorgehoben? [zwei richtige Antworten]
- Die Allgemeingültigkeit der Aussage über das Glück wechselseitiger Liebe wird sprachlich dadurch unterstrichen, dass hier die unpersönlichen Infinitive "lieben" (Aktiv) und "geliebt" (Passiv) auftauchen. Die häufigen Pronomen, die zuvor auf die spezifische Paarkonstellation hinwiesen haben, fallen hier weg.
- Mittels der parallelen Versanfänge der letzten drei Verse (alle beginnen mit der Konjunktion "und", was ansonsten im Gedichtganzen nicht vorkommt) wird offenbar, dass im drittletzten Vers ein Sprecherwechsel eingeleitet wird, der in den beiden folgenden Abschlussversen realisiert wird, indem die besuchte Person das Wort ergreift.
- Der Chiasmus "Glück geliebt" und "lieben […] Glück" beschreibt das Glück einer wechselseitigen Liebe im Zeichen der "Götter".
- Die Wendung "geliebt zu werden" hebt als Vergangenheitsform den resümierenden Rückblick auf die vergangenen gemeinsamen Stunden hervor.
7) Wie (mit welcher Erklärung) würden Sie dieses Gedicht innerhalb der deutschen Literaturgeschichte einordnen? (Zur Beantwortung dieser Frage ist eine erneute, gründliche Gedichtlektüre sehr hilfreich!)
- Dieses Gedicht ist typisch für die Romantik, da die nächtliche Natur darin als eine unheimlich-bedrohliche Kulisse und als verzaubert erscheint – diese Irrationalität widerspricht der aufklärerischen Vernunftvorstellung, von der sich das Gedicht abzugrenzen versucht.
- Dieses Gedicht ist typisch für die Weimarer Klassik, was daran erkennbar wird, dass in zwei Versen des Gedichtes "Götter" angerufen werden und eben nicht Gott – Goethes Faszination für die griechische und römische Antike weckte auch sein Interesse für die vielgestaltigen Götterlandschaften dieser Kulturen (polytheistische Religionen), was sich in diesem Gedicht zeigt.
- Dieses Gedicht ist typisch für den Sturm und Drang, weil darin gefühlsbasierte Spontanität (Aufbruch) ebenso zum Ausdruck kommt wie die Selbsterfahrung des Individuums (nächtliche Natur, Zusammensein mit dem liebenden Menschen) und die Betonung des herausgehobenen Wertes eines Gefühls (Liebe).
- Dieses Gedicht ist typisch für den Sturm und Drang, weil der selbstbestimmte Aufbruch bei Nacht und das Aufsuchen eines geliebten Menschen (offensichtlich ist das Paar nicht verheiratet) eine Auflehnung gegen die überkommene Väterordnung und deren moralisches Korsett bedeutet.
1) Antwort 1
Die Möglichkeit zur Beantwortung dieser Frage setzt ein grundlegendes literaturtheoretisches Wissen (das Sie aus der Schule kennen können) voraus: In lyrischen Texten spricht nicht die Autorin bzw. der Autor, sondern ein lyrisches Ich – auch in dem Fall, dass in einem Gedicht Aspekte der Biographie des Schreibenden anzuklingen scheinen.
2) Antwort 2
Diese Frage nach der groben historischen Einordnung des Gedichts ist wichtig für die Verortung des Textes in bestimmte historische Ereignishorizonte und Entwicklungen sowie in gesellschaftliche Debatten der Zeit. Hier ist es die Zeit kurz vor 1800.
3) Antwort 2
Für die Analyse der Metrik ist es nicht nur erforderlich, die Hebungen und Senkungen der Verse zu erkennen und zu zählen; auch braucht man ein Inventar an Fachbegriffen, um die Analyseergebnisse wissenschaftlich beschreiben zu können. In diesem Fall werden jeweils die zweite, die vierte, die sechste und die achte Silbe der Verse betont, sodass von einem vierhebigen Jambus gesprochen wird.
4) Antwort 3
Hier geht es um die für literaturwissenschaftliches Arbeiten mit literarischen Texten grundlegende Fähigkeit zu genauem, inhaltlich verstehendem Lesen. Ein solches Lesen ist das notwendige Fundament vertiefender Analyse und Interpretation.
5) Antwort 2
In dieser Frage zeigt sich die Bedeutung des Zusammenspiels inhaltlicher Aussagen und ihrer konkreten sprachkünstlerischen Gestaltung für interpretatorische Argumentationen. Die Art und Weise der Fragestellung verweist auf einen sogenannten hermeneutischen Ansatz, der davon ausgeht, dass die Bedeutung des Textes sich im wechselseitigen Verhältnis von Textganzem und Textteil ergibt.
6) Antwort 1 und 3
In dieser Frage zeigt sich die Bedeutung des Zusammenspiels inhaltlicher Aussagen und ihrer konkreten sprachkünstlerischen Gestaltung für interpretatorische Argumentationen. Die Art und Weise der Fragestellung verweist auf einen sogenannten hermeneutischen Ansatz, der davon ausgeht, dass die Bedeutung des Textes sich im wechselseitigen Verhältnis von Textganzem und Textteil ergibt.
7) Antwort 3
In dieser Frage wird auf konkretere literaturhistorische Zusammenhänge abgezielt. Zu ihrer Beantwortung bedarf es eines Orientierungswissens hinsichtlich literatur- und geistesgeschichtlicher Epochen. Vielen mag aus der Schule bekannt sein, dass Willkomm und Abschied ein für den Sturm und Drang geradezu typisches Gedicht ist. Diese Setzung jedoch auch anhand bestimmter epochal typischer und zudem im Text auszumachender Charakteristika argumentativ stützen zu können, ist ein Indiz für ein tiefergehendes Verständnis.
7/7 | Sieben Fragen korrekt beantwortet: ein sehr gutes Ergebnis
6/7 | Sechs der sieben Fragen korrekt beantwortet: ein gutes Ergebnis
5/7 | Fünf der sieben Fragen korrekt beantwortet: ein akzeptables Ergebnis
4/7 | Vier der sieben Fragen korrekt beantwortet: ein eher schwaches Ergebnis
3/7 | Drei oder weniger der sieben Fragen korrekt beantwortet: ein mangelhaftes Ergebnis
Bei diesen Fragen handelt es sich um Themen aus dem Gebiet der Sprachwissenschaft.
Notieren Sie wieder Ihre Antworten — die Auflösung wird am Ende angezeigt. Jede richtige Antwort wird als ein Punkt gewertet.
1) Ordnen Sie die Wörter in diesem Satz einer Wortart zu:
| Trotz | Adverb | Präposition | Konjunktion |
| allem | Nomen | Zahlwort | Pronomen |
| übt | Prädikat | Verb | Prädikativ |
| Fritz | Nomen | Pronomen | Subjekt |
| täglich | Adverb | Attribut | Adjektiv |
| das | Artikel | Attribut | Pronomen |
| Gitarrespielen | Verb | Objekt | Nomen |
| ohne | Konjunktiv | Konjunktion/Subjunktion | Komparativ |
| mitzusingen | Nomen | Präposition | Verb |
2) Welche Satzglieder/Satzgliedteile enthält der folgende Satz?
Nach der ewig langen Sitzung verlangten alle Mitglieder des Gremiums lautstark nach Kaffee und Kuchen.
- eine adverbiale Bestimmung
- einen temporalen Nebensatz
- ein Modaladverbial
- ein Akkusativobjekt
- ein Dativobjekt
- zwei Dativobjekte
- ein Präpositionalobjekt
- ein Adjektivattribut
- ein Genitivattribut
3) Rechtschreibung: Wählen Sie die korrekte Schreibung.
[Seit / Seid] über Sprache nachgedacht wird, denken nicht nur [Leihen / Leien / Laien], sie diene vor [allem / Allem] der Bezeichnung wichtiger Gegenstände und Sachverhalte und sei für den [Informationstransvehr / Informationstransfert / Informationstransfer] quasi erfunden worden. [Dem entsprechend / Dementsprechend] werden Anglizismen oft nur unter der [Vorraussetzung / Voraussetzung / Vorausetzung] akzeptiert, [dass / das] im [deutschen / Deutschen] kein passenderes Wort für [dieselbe / die selbe] Sache existiert. Dabei wird aber die [grundlegende / Grund legende] soziale Funktion von Sprache vergessen: Sprachliche [Varietäten / Varitäten / Varieteten], seien es Dialekte, Gruppenstile oder [Standartsprachen / Standardsprachen], können Gruppenmitgliedschaft ausdrücken, spiegeln also [möglicher Weise / möglicherweise] [wieder / wider], welcher Gemeinschaft sich der Sprachbenutzer zugehörig fühlt. Wenn Jugendliche untereinander ihren Slang benutzen, muss einem das zwar nicht [recht / Recht] sein, doch besteht auch kein Grund zur [Mißbilligung / Missbilligung].
4) Kommasetzung: Setzen Sie ein Komma dort[,] wo eins stehen muss.
- Mythen sind verbreitete[ ] größtenteils irrige Glaubenssätze[ ] die oft über Generationen tradiert werden[ ] und können sich auch auf Sprachliches beziehen.
- Spätestens ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts[ ] war man der Meinung[ ] in Hannover werde das beste Hochdeutsch gesprochen.
- Dabei unterhält man sich in Hannover weder absolut dialektfrei[ ] noch in grammatischer Hinsicht korrekter[ ] als in anderen Regionen des deutschsprachigen Raums.
- Zum Teil war der Ruf[ ] in sprachlicher Hinsicht vorbildlich zu sein[ ] durch Hannovers politischen Rang bedingt.
5) Textkohärenz: Wählen Sie den Konnektor aus, der am besten in die Lücke passt.
Der Imperativ weist im Deutschen nur zwei Formen auf: geh(e) und geht (wie in Geh(e) (du) mal reiten! Geht (ihr) mal reiten!). Dabei fällt das -e im Singular speziell in der gesprochenen Sprache sehr oft weg, [weil / zumal / so dass] der reine Verbstamm übrig bleibt: Geh mal reiten!
Mit nur zwei Formen unterscheidet sich der Imperativ dramatisch von Indikativ und Konjunktiv, die in beiden Numeri und allen Personen, Tempora und Genera Verbi vorkommen. Sicher ist bei den Imperativformen nur, dass eine Singularform (geh(e)) von einer Pluralform (geht) zu unterscheiden ist. Ob diesen beiden Formen noch weitere Merkmale zuzuordnen sind, ist [schließlich / dagegen / jedenfalls] umstritten. […] [Da / Obwohl / Damit] der Imperativ also formal gesehen lediglich die Merkmalklasse Numerus mit den Merkmalen Singular und Plural aufweist, unterscheidet er sich erheblich von den sonstigen finiten Formen, und [zwar / trotzdem / dementsprechend] ist auch umstritten, ob er überhaupt zu den finiten Formen zu zählen ist. Donhauser (1986) rechnet den Imperativ zu den infiniten Formen, [sodass / weil / wenngleich] er, anders als die finiten Formen, ohne Subjekt verwendet werden kann (der Satz Geht mal reiten enthält kein Subjekt). Eisenberg (2006a: 203) rechnet den Imperativ [folglich / hingegen / andererseits] zu den finiten Formen, da mit ihm ein selbstständiger und „in diesem Sinne“ finiter Satz gebildet werden könne.
(nach Thieroff, Rolf & Vogel, Petra M. (2012), Flexion. Heidelberg: Winter, 21f.)
1) möglich Punkte: 9
Trotz: Präposition, allem: Pronomen, übt: Verb, Fritz: Nomen, täglich: Adjektiv, das: Artikel, Gitarrespielen: Nomen, ohne: Konjunktion/Subjunktion, mitzusingen: Verb
2) mögliche Punkte: 5
richtig sind: 1. eine adverbiale Bestimmung, 3. ein Modaladverbial, 7. ein Präpositionalobjekt, 8. ein Adjektivattribut, 9. ein Genitivattribut
3) mögliche Punkte: 16
richtige Auswahl: seit, Laien, allem, Informationstransfer, dementsprechend, Voraussetzung, dass, Deutschen, dieselbe, grundlegende, Varietäten, Standardsprachen, möglicherweise, wider, recht, Missbilligung
4) mögliche Punkte: 6 Punkte (für jedes korrekt gesetzte Komma)
- Mythen sind verbreitete, größtenteils irrige Glaubenssätze, die oft über Generationen tradiert werden, und können sich auch auf Sprachliches beziehen.
- Spätestens ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war man der Meinung, in Hannover werde das beste Hochdeutsch gesprochen.
- Dabei unterhält man sich in Hannover weder absolut dialektfrei noch in grammatischer Hinsicht korrekter als in anderen Regionen des deutschsprachigen Raums.
- Zum Teil war der Ruf, in sprachlicher Hinsicht vorbildlich zu sein, durch Hannovers politischen Rang bedingt.
5) mögliche Punkte: 6
richtige Auswahl: so dass, dagegen, da, dementsprechend, weil, hingegen
39 bis 42 Punkte
Bravo! Dies ist ein ausgezeichnetes Ergebnis und entspricht in der Osnabrücker Germanistik der Note 1.
34 bis 38 Punkte
Nicht schlecht! Dies ist ein gutes Ergebnis und entspricht in der Osnabrücker Germanistik der Note 2.
29 bis 33 Punkte
Dies ist ein akzeptables Ergebnis mit Verbesserungspotential; es entspricht in der Osnabrücker Germanistik der Note 3.
25 bis 28 Punkte
Das ist ein eher schwaches Ergebnis und entspricht in der Osnabrücker Germanistik der Note 4.
24 Punkte und weniger
Dies ist ein mangelhaftes Ergebnis und sollte Ihnen zu denken geben, ob ein Studium der Germanistik wirklich das Richtige für Sie ist.