Sprachliche Richtigkeit von schriftsprachlichen Leistungen

Sprachliche Richtigkeit von schriftsprachlichen Leistungen

Die folgende Information bezieht sich auf alle schriftlichen Leistungen, die im Fach Germanistik an der Universität Osnabrück verfasst werden. Dazu gehören schriftliche Hausarbeiten, schriftliche Hausaufgaben, Portfolios, Dokumentationen empirischer Forschung, Unterrichtsentwürfe, Arbeitsmaterialien für Schülerinnen, Power‐Point‐Präsentationen, Handouts, Ausarbeitungen von Referaten, BA‐Arbeiten, MA‐Arbeiten, Klausuren, Tests etc.


Obwohl aus Gründen der Lesbarkeit im Text die weibliche Form gewählt wurde, beziehen sich die Personenbezeichnungen in diesem Text selbstverständlich auf Angehörige beider Geschlechter.


1. Der Sprachgebrauch von Germanistinnen

Eine Voraussetzung für alle Germanistinnen und insbesondere für Deutschlehrerinnen ist es, die deutsche Orthographie und Grammatik sicher zu beherrschen, einen differenzierten Wortschatz zu haben und über gute Text‐ und Diskurskompetenzen zu verfügen; zu den letzteren zählt beispielsweise die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Argumentieren und Schreiben. Die Grundlagen dafür müssen bereits bei Studienbeginn vorliegen. Bei erheblichen Mängeln in Orthographie und Grammatik wird dringend vom Studium des Faches Deutsch/Germanistik abgeraten. Wer Deutsch als Zweit‐ oder Fremdsprache erworben hat, sollte zumindest die Niveaustufe C1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens erreicht haben. Zum Studium wie auch zum späteren professionellen Handeln gehört es, diese Kenntnisse und Kompetenzen stetig weiter auszubilden. Während des Studiums wird dieser Prozess von den Lehrenden der Germanistik angeregt und konstruktiv begleitet.


2. Fehlerbereiche

Zu unterscheiden sind Fehler, die grundlegende sprachliche Wissensbestände betreffen (Grammatik und Orthographie), und Fehler, die während des Studiums und des Berufs im Sinne des lebenslangen Lernens eine Weiterentwicklung von sprachlichen Kompetenzen erfordern (z.B. angemessener Gebrauch von Fachtermini, wissenschaftliches Argumentieren und wissenschaftliches Schreiben); sie werden hier als Text‐/ Diskursfehler zusammengefasst.

2.1 Grammatische und orthographische Fehler
Die Orthographie (unter Einschluss der Zeichensetzung) basiert – abgesehen von einem Randbereich – auf klaren, historisch gewachsenen Regularitäten, die als verbindliche Norm im Sinne der Amtlichen Regelung von 2006 (Regelteil und Wörterverzeichnis) festgelegt sind, sodass ein einheitlicher Schriftgebrauch garantiert ist. Jeder Verstoß gegen eine orthographische Regularität ist ein orthographischer Fehler. Die Orthographie sicher zu beherrschen, ist auch eine Voraussetzung dafür, dort souveräne Entscheidungen treffen zu können, wo Zweifelsfälle (alternative Schreibweisen) vorhanden sind.
Die Grammatik des geschriebenen Standarddeutsch basiert – abgesehen von einem Randbereich – ebenfalls auf klaren Regularitäten. Jeder Verstoß gegen das Sprachsystem ist ein Fehler. Darüber hinaus existieren Varianten, die strenggenommen zwar grammatisch sind, aber nicht als standardsprachlich gelten; es handelt sich hierbei um Normfehler.
Das Standarddeutsche sicher zu beherrschen, ist nicht nur notwendig, um erfolgreich an den meisten schriftsprachlichen Diskursen teilhaben zu können (wozu auch das normgerechte Verfassen von Hausarbeiten oder Abschlussarbeiten als Formen wissenschaftlicher Texte zählt), sondern es ist auch eine Bedingung für einen kreativen Umgang mit Sprache, bei dem Normabweichungen bewusst eingesetzt werden. Ebenso kann nur, wer die Norm beherrscht, bei grammatischen Zweifelsfällen, wie sie in jeder lebendigen Sprache auftreten, bewusste Entscheidungen treffen. Über grammatische Zweifelsfälle des Standarddeutschen informiert der Duden Band 9 (seit 2016 „Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle“, vorher „Gutes und richtiges Deutsch“).

2.2 Text‐/Diskursfehler
In Bezug auf den Wortschatz liegt ein Fehler z.B. bei Verwendung falscher Ausdrücke vor (z.B. „einer Erzählung Folge leisten“ statt „einer Erzählung folgen“), aber z.B. auch dann, wenn Fachausdrücke unsachgemäß verwendet werden (z. B. „Subjekt“ statt „Substantiv“).
Von Fehlern oder Mängeln im wissenschaftlichen Argumentieren ist die Rede z.B. dann, wenn Pronomen mit unklaren oder mehrdeutigen Bezügen verwendet werden (z.B. „Der Auszug aus ‚Don Carlos‘, der das beispielhafte Streben nach Idealen verkörpert [...]“), wenn einzelne Aussagen nicht oder irreführend verknüpft werden, bei falschen Kausalzusammenhängen, aber auch bei fehlender oder undeutlicher Strukturierung des Gesamttextes (vgl. „[...] die Grundhaltung, die durch die Sprache vermittelt wird, lässt erkennen, dass sie stereotyp für die Oberschicht ist, da die Figuren namenlos sind, was sie zu Stellvertretern der ersten beiden oder drei Schichten macht.“).
In Bezug auf Varietäten liegt ein sprachlicher Mangel z.B. dann vor, wenn ein konzeptionell schriftlicher Text so verfasst ist, dass er typisch gesprochensprachliche Eigenschaften aufweist (vgl. „Wer sich nicht fügt, sondern rebelliert, ist raus.“1).
Weil Text‐/Diskurskompetenzen während des Studiums auf‐ und ausgebaut werden, werden in Bezug auf Text‐/Diskursfehler zu Beginn des Studiums andere Maßstäbe angelegt als bei Abschlussarbeiten.

1 Beispiele aus Loch, Wolfgang (2010): Schriftliche Formulierungsprobleme in der Sekundarstufe II. Frankfurt am Main u. a.: Lang.


3. Fehlerursachen

Neben die Unterscheidung verschiedener Fehlerbereiche tritt die Unterscheidung verschiedener Fehlerursachen. Gemeint ist die Unterscheidung zwischen Kompetenz‐ und Flüchtigkeits-fehlern. Grundsätzlich ist nicht klar erkennbar, ob ein Fehler aufgrund von äußeren Faktoren wie Müdigkeit oder Zeitmangel entstanden ist oder aufgrund von Unkenntnis. Daher werden Kompetenz‐ und Flüchtigkeitsfehler bei der Bewertung schriftlicher Leistungen grundsätzlich gleichbehandelt.


4. Berücksichtigung der sprachlichen Richtigkeit in Studien‐ und Prüfungsleistungen

Wissenschaftliche Texte verfassen zu lernen, heißt den eigenen sprachlichen Handlungsraum zu erweitern. Als Studierende sollten Sie sich aktiv und intensiv mit der sprachlichen Qualität ihrer schriftlichen und mündlichen Arbeiten befassen. Wichtige Schreibvorbilder liefern wissenschaftliche Texte der jeweiligen Teilfächer.
Bei eingereichten Arbeiten wird die sprachliche Richtigkeit unter Berücksichtigung der Verschiedenheit der Fehlerbereiche (vgl. 2) wie folgt in die Leistungsbeurteilung einbezogen: Weist eine Arbeit sprachliche Mängel auf, liegt es im Ermessen der Lehrenden, die Gesamtnote herabzusetzen. Ggf. gibt die Lehrende ihre entsprechende Regelung rechtzeitig bekannt. Bei gravierenden sprachlichen Mängeln kann die Gesamtnote um bis zu zwei Noten herabgesetzt oder die Arbeit als „nicht bestanden“ gewertet werden. Die Korrektur einer Prüfungsleistung kann bei fünf oder mehr Fehlern auf drei Seiten in Folge abgebrochen werden.


5. Hilfestellungen

Eine wichtige Hilfestellung bei Fragen zur Textgestaltung bietet die  Schreibwerkstatt. Bei Problemen sollte sie möglichst frühzeitig im Studium aufgesucht werden. Darüber hinaus sollten Sie die folgenden Ratschläge beherzigen:

  • Machen Sie sich mit den Regeln von Orthographie und Kommasetzung so vertraut, dass Sie sie beim Schreiben ein für alle Mal sicher anwenden können.
  • Üben Sie den Umgang mit dem Duden‐Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle: Das Nachschlagen will gelernt sein, aber es zahlt sich aus, wann immer Sie sich in Fragen der sprachlichen Korrektheit oder Angemessenheit unsicher sind.

Lesen Sie Ihre Texte sorgfältig Korrektur und planen Sie ggf. mehrere Überarbeitungsschritte ein. Oft hilft es, den eigenen Text zwei bis drei Tage beiseite zu legen, um ihn anschließend „mit fremden Augen“ noch einmal durchzugehen.