Forschungsprofil

Die Forschung am Lehrstuhl für Informationsmanagement und Wirtschaftsinformatik befasst sich mit der Gestaltung, dem Einsatz und der Wirkung moderner, zunehmend KI-gestützter Informationssysteme in Organisationen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Entwicklung von KI-Methoden als Selbstzweck, sondern die Frage, wie Künstliche Intelligenz in betriebliche Informationssysteme, Prozesse und Entscheidungsstrukturen integriert werden kann, sodass sie zu verbesserter organisationaler Leistungsfähigkeit, Lernfähigkeit und nachhaltiger Wertschöpfung beiträgt.

Untersucht werden insbesondere die Auswirkungen KI-basierter Systeme auf betriebliche Prozesse, Organisationsstrukturen, Entscheidungslogiken sowie Lern- und Arbeitsformen. Ein weiterer Fokus liegt auf der Analyse und Gestaltung von Architekturen, Gestaltungsprinzipien und Governance-Strukturen, die erforderlich sind, um solche Systeme wirksam, skalierbar und verantwortungsvoll zu betreiben. Methodisch folgt die Forschung einem gestaltungsorientierten, sozio-technischen Ansatz, der betriebswirtschaftliche und informationstechnische Perspektiven systematisch verbindet.

Künstliche Intelligenz nimmt in diesem Forschungsprofil eine funktionale und integrative Rolle ein. Neben der Anwendung etablierter KI-Verfahren werden punktuell auch wissenschaftliche Beiträge zur Weiterentwicklung von Methoden geleistet, etwa im Bereich von Assistenz- und Empfehlungssystemen. Der Schwerpunkt liegt jedoch klar auf der wirtschaftsinformatiknahen Einbettung dieser Verfahren in reale organisationale Kontexte und nicht auf KI-Grundlagenforschung.

Konzeptionell lässt sich das Forschungsprofil durch das Leitbild der Smart Enterprise beschreiben. Darunter wird eine lern- und anpassungsfähige Organisation verstanden, die ihre strategischen, operativen und kulturellen Strukturen so gestaltet, dass Daten, Erfahrungen und Interaktionen systematisch zur Generierung organisationalen Wissens genutzt werden. In Abgrenzung zu rein digitalisierten oder ausschließlich datengetriebenen Unternehmen wird der Einsatz von Technologie – insbesondere Künstlicher Intelligenz – als bewusster Gestaltungsprozess organisationaler Intelligenzentwicklung verstanden. Zentrale Merkmale sind adaptive Steuerungsmechanismen, integrierte Informations- und Wissensstrukturen sowie das komplementäre Zusammenwirken von Menschen und KI-basierten Systemen.

Zur systematischen Weiterentwicklung und praktischen Erprobung dieses Forschungsverständnisses ist der Forschungsbereich Smart Enterprise Engineering am Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Niedersachsen etabliert worden. Der Forschungsbereich fungiert als institutioneller Wirkungsraum der Forschung des Lehrstuhls. Der Zusatz „Engineering“ verdeutlicht dabei, dass die Arbeiten über konzeptionelle Analysen hinausgehen und die konkrete Gestaltung, Implementierung und Evaluation KI-gestützter Informationssysteme, Architekturen und Organisationslösungen in realen Anwendungskontexten adressieren.