Abgeschlossene Projekte
Eine Tiefenerschließung politischer Gutachten Justus Mösers in den Beständen der Abteilung Osnabrück des Niedersächsischen Landesarchivs
Die Forschung zu dem bekannten Aufklärer Justus Möser konzentrierte sich bislang überwiegend auf dessen literarisch-publizistisches Schaffen, obschon dieser doch in erster Linie Jurist und Politiker war. Diese Rolle spiegelt sich vor allem in den zahlreichen Gutachten und Stellungnahmen wider, die Möser im Rahmen seiner politischen Ämter zu Projekten der praktischen Aufklärung verfasst hat. Ziel des Projekts war demnach die Tiefenerschließung einschlägiger Quellenbestände des NLA OS, die in einer eigens eingerichteten Datenbank strukturiert erfasst und verwaltet werden sollten, um sie über das Archivinformationssystem Arcinsys der weiteren Forschung zugänglich machen zu können.
Die regionale und überregionale Rezeption des Osnabrücker Juristen und Aufklärers
Das Projekt zeigte am Beispiel von Mösers regionalen und überregionalen Netzwerken, wie und wo diese überregionalen Ideen vor Ort rezipiert wurden, wie sie im Alltag des Fürstbistums Osnabrück konkretisiert wurden und wie diese Ideen und Realisierungen Möser wiederum zu überregionalen publizistischen Beiträgen veranlassten. Untersucht wurden diese Aspekte im Rahmen zweier Dissertationsvorhaben der Stipendiatinnen Jennifer Staar und Denise Schlichting.
Das von 2020 bis 2023 vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur geförderte interdisziplinäre Tandemprojekt „Aufklärer in Staatsdiensten“ nahm die Spezifika der Aufklärungsbewegung in Nordwestdeutschland in den Blick und untersuchte an zwei beispielhaften Akteuren – Justus Möser (1720-1794) und Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) – das sich aus ihrer Doppelrolle als Aufklärer und Staatsdiener ergebende Spannungsverhältnis zwischen Handlungserwartungen an Fürstendiener einerseits und dem Selbstanspruch als Aufklärer andererseits.
Armenfürsorge und Stiftungswesen in der Stadt Osnabrück von 1600-1810
Zu allen Zeiten besaß die Frage, wie sich der Einzelne gegen Risiken der Krankheit, des Alters und der Arbeitslosigkeit, und damit gegen das Abrutschen in die Armut, absichern konnte, eine hohe Relevanz. Mit dem Projekt zur 'Verwaltung der Armut' wurde - erstmals für die Stadt Osnabrück - die Armenfürsorge zwischen 1600 und 1810 in den Blick genommen und nach Kontinuitätslinien sowie Wandlungsprozessen gefragt.
Erschienen am 7. Dezember 2020
Das an das Forschungszentrum IKFN angebundene Projekt Handbuch „Frieden im Europa der Frühen Neuzeit“ verfolgte das Ziel, die bisherigen Friedensforschungen zur Frühen Neuzeit gebündelt und in knapper Form einem breiteren Leserkreis zur Verfügung zu stellen. Dabei sollte die spezifische Bedeutungsaufladung, die der Begriff Frieden in der Frühen Neuzeit erfuhr, verdeutlicht werden. Neben Prof. Siegrid Westphal als einer der Herausgeberinnen des Bandes lag mit Dr. Volker Arnke auch die Koordination der Redaktion am IKFN.
Die Dritte Partei des Westfälischen Friedenskongresses
Nach der Krise des Westfälischen Friedenskongresses im Sommer 1647 übernahm eine kleine Gruppe reichsständischer Gesandter, die sog. "Dritte Partei", die Verhandlungsinitiative und trug maßgeblich dazu bei, dass letztendlich doch noch ein Friedensvertrag unterzeichnet werden konnte. Wie dies gelingen konnte, war die Kernfrage des auf drei Jahre (2018 bis 2021) angelegten Forschungsprojektes. Dabei standen die Gesandten der bislang kaum beachteten "Dritten Partei", wie etwa der Würzburger Delegierte Johann Philipp von Vorburg oder die bayerischen Legaten Johann Christoph von Haslang und Johann Adolph Krebs, als handelnde Akteure im Zentrum des Interesses.
Das Projekt untersuchte Formen medialer Konstruktionen von Frieden anhand einer diskurssemantischen Analyse der europäischen Presse im Umfeld der Friedensverhandlungen zwischen 1710 und 1721. Es wurde an der Universität Osnabrück beantragt und bewilligt, durch den Ende 2014 erfolgten Ruf von Frau Prof. Dr. Schmidt-Voges an die Professur für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Philipps-Universität Marburg dort umgesetzt.
Ziel des Projekts war es u.a., die Werke lateinischer Jesuitendichtung anlässlich der Osnabrücker Universitätsgründung (insgesamt ca. 600 Seiten) vollständig zu erschließen und die Ergebnisse dieser Analyse in einer ausführlichen Einleitung, die etwa ein Drittel der Abschlusspublikation umfassen soll, darzulegen und eine Auswahl repräsentativer Textpassagen im Umfang von ca. 15-20% der Textmasse als zweisprachige, kommentierte Ausgabe (lateinisch-deutsch) einem interdisziplinär interessierten Leserkreis vorzulegen.
Das Projekt verfolgte das Ziel, die in literatur- und mediengeschichtlicher Hinsicht stagnierende Forschung zum Werk Mösers an die modernen Fragestellungen der literaturwissenschaftlichen Essay- und der pressegeschichtlichen Intelligenzblatt-Forschung heranzuführen. Dabei sollte die Bedeutung Mösers als eines originellen Autors sowohl im Medium des Intelligenzblattes als auch in der Gattung des Essays profiliert und dessen literarische Modernität erwiesen werden. Die Aufarbeitung der Texte und ihres Entstehungsrahmens erfolgte in interdisziplinär angelegten Monographien je eines Literatur- und eines Presse- bzw. Medienhistorikers. Das Projekt ist als ein Baustein für eine Neubewertung von Mösers publizistischer und essayistischer Tätigkeit im Rahmen der deutschen und europäischen Aufklärungsbewegung zu bewerten.
Gallotropisme et modèles civilisationnels dans l´espace germanophone (1660-1789)
Die deutsch-französischen Kulturbeziehungen vom letzten Drittel des 17. Jahrhunderts bis zum Beginn der Französischen Revolution 1789 waren Gegenstand eines internationalen literaturwissenschaftlichen Kooperationsprojekts, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der französischen Agence Nationale de la Recherche (ANR) finanziert wurde. Es stand unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Adam von der Universität Osnabrück und Prof. Dr. Jean Mondot von der Université Michel de Montaigne Bordeaux 3.
Kommunikation und Repräsentation in personalen Gelegenheitsschriften der Forschungsbibliothek Gotha
In einem Gemeinschaftsprojekt der Universität Osnabrück und der Forschungsbibliothek Gotha wird ein umfangreiches Korpus von rund 8.000 Gelegenheitsschriften digitalisiert, online präsentiert und in einer bio-bibliographischen Datenbank wissenschaftlich erschlossen. Unmittelbare Ziele des Projekts sind die Verbesserung des Zugangs zum anlassbezogenen Kleinschrifttum der Forschungsbibliothek Gotha, seine vertiefte Erschließung nach dem im Osnabrücker Handbuch des personalen Gelegenheitsschrifttums bewährten Schema und die Erarbeitung biographischer Kurzporträts für die an den Drucken beteiligten Personen.
Unter dem Rahmenthema »Mensch und Umwelt« widmete sich das Projekt, das vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur aus Vorab-Mitteln der Volkswagen-Stiftung vom 1. Juli 2009 bis zum 30. Juni 2012 gefördert wurde, der Wahrnehmung von Natur und Landschaft in der Frühen Neuzeit. Ausgehend von der These, dass dem industriellen Wandel ein mentaler Wandel vorausgeht, ging es um Fragen von Nutzung und Schutz natürlicher Ressourcen, um Nachhaltigkeit und das Verhältnis von Ökonomie und Ökologie in der vorindustriellen Zeit. Die zentrale Frage des Projektes lautete: Wie haben Menschen zu unterschiedlichen Zeiten und unter unterschiedlichen strukturellen Gegebenheiten und mit unterschiedlichen Motivationen ihre natürliche Umwelt gesehen, erfahren, gedeutet, genutzt und beansprucht?
Obrigkeitskritik und Fürstenberatung
Unter dem Titel "Obrigkeitskritik und Fürstenberatung: Die Oberhofprediger in Braunschweig-Wolfenbüttel 1570-1714" förderte das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur eine auf vier Jahre angelegte Forschungskooperation des Interdisziplinären Instituts für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (IKFN) der Universität Osnabrück mit der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Gegenstand des Forschungsvorhabens war die Hofgeistlichkeit des 16. und 17. Jahrhunderts, der im zunehmend zentralisierten Fürstenstaat der Frühen Neuzeit eine Schlüsselstellung zukam. Die Frage nach ihrem Aktionsfeld und ihren Gestaltungsmöglichkeiten im Prozess der Staatsbildung stand im Zentrum der interdisziplinär angelegten Untersuchungen.
Das Forschungsprojekt hat die Rolle und Funktion von übergeordneten Wissensbeständen und Vorstellungen vom Frieden für das Wahrnehmen, Reflektieren und Handeln jener Akteure, die aktiv an Friedensprozessen beteiligt waren, untersucht. Dabei wurde eine für die historische Friedensforschung neue, wissenssoziologisch-semantische Methodik, zu Grunde gelegt. Als Akteure wurden die Juristen als zunehmend gefragte Experten in der krisenhaften Zeit des Übergangs vom 16. zum 17. Jahrhundert ausgewählt und der Blick auf Aspekte der universitären Bildungsstrukturen und -angebote gerichtet.
Edition der Werke und Korrespondenz Sigmund von Birkens
Ziel des Projekts war es, das handschriftliche Textkorpus des weltlichen und geistlichen Lyrikers Sigmund von Birken zu erschließen. Seit 2002 wurde im Forschungsverbund zwischen Osnabrück, Hamburg und Passau der handschriftliche Nachlass Sigmund von Birkens erschlossen und eine Ausgabe der Werke und Briefe des Dichters erarbeitet. Die Publikation des gedruckten Werkes schloss sich an. In Osnabrück wurden die weltlichen lyrischen Sammelhandschriften bearbeitet. In Hamburg erfolgte die Publikation der geistlichen lyrischen Sammelhandschriften. In Passau wurden ausgewählte Teile der Korrespondenz für die Publikation vorbereitet.
Mit dem Handbuch Kulturelle Zentren der Frühen Neuzeit ist ein Nachschlagewerk für die historischen Kulturwissenschaften entstanden, das der Vielfalt und Konkurrenz im Alten Reich Rechnung trägt. Darin werden 51 Orte des Alten Reiches in ihrer kulturellen Zentralitätsfunktion vorgestellt. Präsentiert werden zunächst jeweils die strukturellen Faktoren, die die Zentrumsbildung begünstigt haben, anschließend Institutionen des kulturellen Lebens, wichtige Personen, Gruppen oder Sozietäten. Das Handbuch informiert über Medien und Korrespondenznetze ebenso wie über zentrale Ereignisse. Es berücksichtigt die gewachsenen lokalen Traditionen und die Außenwahrnehmung durch Zeitgenossen sowie die Rezeption durch die Nachwelt. Abgeschlossen wird jeder Eintrag von knappen Informationen zur Überlieferungs- und Archivsituation sowie einer Auswahlbibliographie.
Zur inneren und äußeren Struktur von Friedensstiftungen mit den Mitteln des Rechts ab der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Dreißigjährigen Krieg
Das Forschungsvorhaben sollte herausstellen, dass die Gründe für die verhältnismäßig friedliche Phase nach dem Augsburger Religionsfrieden nicht nur in der politischen Kunst der Fürsten und ihrer Stäbe lagen, sondern auch auf der sorgfältigen Ausarbeitung juristischer Konzepte zur Ausgestaltung geeigneter Friedensregelungen beruhten, die sich an den Grundlagen des Rezeptionsrechts orientierten. Dies konnte anhand ausgewählter Traktate und Vereinbarungen gezeigt werden, wobei bedeutsame Erkenntnisquellen für diesen Bezug gerade auch die Präambeln der verschiedenen Friedensregelungen waren. Es wurde gezeigt, dass die betonte Rhetorisierung der Eingangspassagen kein Tribut gegenüber dem Zeitgeschmack ist, sondern ein produktiv genutztes Erbe der römischen Antike darstellt.
Adelskultur und Adelsherrschaft in der Frühen Neuzeit
Das Forschungsvorhaben widmete sich der Herrschaftspraxis des Adels in Nordwestdeutschland während der Frühen Neuzeit und erforschte am Beispiel ausgewählter Adelsfamilien aus der Grafschaft Ostfriesland und dem Niederstift Münster Grundlagen, Handlungsspielräume und Grenzen adeliger Herrschaftsausübung. Mithilfe des um die Perspektive der wechselseitigen Wahrnehmung und Deutung erweiterten Herrschaftsbegriffs gelangte das Vorhaben zu seinem zentralen Ergebnis, dass adelige Herrschaft sich nur bedingt im Rahmen eines linearen und eindimensionalen Machtgefüges abspielte. Vielmehr war Herrschaftspraxis in einen kommunikativen Prozess eingebunden.
Arbeitsstelle Königsberg
Die Arbeitsstelle Königsberg wurde seit dem 1. Januar 2000 aufgebaut. Sie ist ausschließlich aus Drittmitteln über Forschungsprojekte finanziert. Wissenschaftliche Zielsetzung der Forschungstätigkeit ist im Rahmen regionaler Kulturraumforschung die Erforschung der Kulturgeschichte Königsbergs und Ostpreußens vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Die bislang realisierten bzw. gegenwärtig laufenden Forschungsvorhaben konzentrierten sich vor allem auf die Erfassung und Erschließung der regionalen schriftlichen Quellen in Form von (sowohl gedruckten als auch computergestützten) Bibliographien und Editionen.
Seit mehr als zwanzig Jahren werden in einem Projekt zur Erschließung und Edition von anlaßbezogenen Druckschriften der Frühen Neuzeit Bestände aus vornehmlich osteuropäischen Bibliotheken, Archiven und Museen bearbeitet. Im Zuge eines Kooperationsprojekts mit der Forschungsbibliothek Gotha liegt der Fokus derzeit auf Kasualdrucken aus dem mitteldeutschen Kulturraum. Die Forschungsergebnisse werden in Zusammenarbeit mit dem Georg Olms Verlag Hildesheim einer breiten Öffentlichkeit im Druck und auf Mikrofiche als Volltext zugänglich gemacht.