Aufklärer in Staatsdiensten
Das von 2020 bis 2023 vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur geförderte interdisziplinäre Tandemprojekt „Aufklärer in Staatsdiensten“ nahm die Spezifika der Aufklärungsbewegung in Nordwestdeutschland in den Blick und untersuchte an zwei beispielhaften Akteuren – Justus Möser (1720-1794) und Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) – das sich aus ihrer Doppelrolle als Aufklärer und Staatsdiener ergebende Spannungsverhältnis zwischen Handlungserwartungen an Fürstendiener einerseits und dem Selbstanspruch als Aufklärer andererseits. Das übergeordnete Projektziel war es, die Möglichkeiten der Realisierung aufklärerischer Ideen im Geflecht regionaler politischer Herrschaftsbeziehungen zu untersuchen. Das Gesamtprojekt war in zwei Teilprojekte mit je drei Jahren Laufzeit gegliedert, die sich aus literatur- und geschichtswissenschaftlicher Perspektive den beiden genannten herausragenden Vertretern der nordwestdeutschen Aufklärung widmen sollten. Möser ist als Herausgeber des Osnabrücker Intelligenzblattes und für seine publizistische Tätigkeit bekannt, die seine aufklärerischen Ambitionen belegen. Gleichzeitig konnte er als Inhaber verschiedener Ämter innerhalb der Regierung des Hochstifts Osnabrück Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse nehmen. Lessing war seit 1770 als Bibliothekar der herzoglichen Bibliothek und ab 1776 als Hofrat im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel mit den Erwartungen des Hofes konfrontiert und verarbeitete seine aufklärerischen Ideen literarisch. Konkret wurde in beiden Teilprojekten danach gefragt, inwieweit Möser und Lessing als Aufklärer in Staatsdiensten eigenständig agieren und aufklärerische Ideen – politisch oder literarisch – umsetzen konnten. Dafür sollten ausgehend von der akteurszentrierten Perspektive ihre Handlungsspielräume ausgelotet werden, die sich am besten durch die Grenzen ihrer Handlungsfreiheit konturieren lassen. Diese Grenzen ergeben sich aus den mit dem Herr-Diener-Verhältnis einhergehenden Interessenkongruenzen und -konkurrenzen, die im Hinblick auf die Frage nach den Möglichkeiten der Realisierung aufklärerischer Ideen so noch nicht erforscht worden sind.
Indem das enge Bündnis der deutschen Aufklärungsbewegung mit dem Fürstenstaat in den Blick genommen wurde und der nordwestdeutsche Raum im Fokus der Untersuchung stand, wurde zwei Besonderheiten der deutschen Aufklärung Rechnung getragen: der weitgehend fehlenden Obrigkeitskritik und den aus der territorialen Vielfalt resultierenden, regionalen Sonderentwicklungen. So ließen die beiden Promotionsvorhaben neue Erkenntnisse zur Frage der Wirksamkeit der deutschen Aufklärung vor dem Hintergrund des engen Bündnisses mit dem Fürstenstaat und der regionalen Ausdifferenzierungen und Erscheinungsformen der deutschen Aufklärung erwarten. Neben der abgeschlossenen Promotion von Kathleen Burrey ist aus dem Projekt auch der Sammelband "Bad Pyrmont im 18. Jahrhundert" hervorgegangen, der auf der an das Projekt angebundenen Tagung "Bad Pyrmont - ein Ort ohne Grenzen" im September 2022 basiert.
Projektleitung
Prof. Dr. Siegrid Westphal
Geschichte
Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit
An der Katharinenkirche 8a
49069 Osnabrück
Raum 49/102b
Prof. Dr. Kai Bremer
Germanistik
Professor am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie an der Freien Universität Berlin
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin
Raum JK 31/150
Bearbeitung
Dr. Kathleen Burrey
Katholische Theologie
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Katholische Theologie
Schloßstr. 4
49074 Osnabrück
Raum 17/106
+49 541 969 4291
kathleen.burrey@uni-osnabrueck.de