Workshop: „in die handt versprochen“ – Der Handschlag als Rechtsakt auf dem Westfälischen Friedenskongress

Schon bald steht das 375‑jährige Jubiläum des Westfälischen Friedens an. Ein vom IKFN veranstalteter Workshop nimmt deshalb den Osnabrücker Handschlag näher in den Blick, um die Aufmerksamkeit für ein bislang vernachlässigtes Ereignis zu schärfen.

Nach dreißig Jahren Krieg in Mitteleuropa und fünf Jahren Friedensverhandlungen in Osnabrück und Münster wollten die Gesandten Schwedens, des Kaisers und der Reichsstände am 6. August 1648 endlich den ersehnten Frieden schließen. Um zehn Uhr versammelte man sich im schwedischen Quartier in Osnabrück und verfolgte gespannt, wie der kaiserliche Gesandte Isaak Volmar den zuvor mühsam ausgehandelten Entwurf des Friedensvertrages Wort für Wort verlas. Über sechs Stunden zog sich seine Lesung, ein wichtiger notarieller Akt, bei dem noch manche Korrektur vermerkt wurde. Nicht zuletzt wurde intensiv darüber diskutiert, wie der Friedensvertrag Gültigkeit erlangen könnte. Denn die Schweden wollten mit Rücksicht auf ihre französischen Verbündeten den Vertrag nicht vor Ort unterzeichnen. Doch dann die erlösende Idee: Ein Handschlag sollte es tun. Um vier Uhr nachmittags versprachen sich die Gesandten zum Zeichen, dass an dem Friedensvertrag „weiter nichts geendert werden solt“, den Frieden „in die handt“ (Diarum Volmar) und verschafften ihm damit Rechtsgültigkeit.

Der Osnabrücker Handschlag stellt den entscheidenden Durchbruch der Friedensverhandlungen dar.  Er besiegelte nicht nur eines von zwei Friedensinstrumenten des Westfälischen Friedens, das später als „Grundgesetz“ des römisch-deutschen Reiches angesehene „Instrumentum Pacis Osnabrugensis“ (IPO), sondern ebnete auch den Weg zum Gesamtfrieden.

Der vom interdisziplinären Forschungszentrum IKFN (Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit) an der Universität Osnabrück ausgerichtete Workshop will diesen Rechtsakt, der lange Zeit nicht gewürdigt wurde, in den Fokus rücken, um seine zentrale Bedeutung für den Westfälischen Friedenskongress deutlich zu machen.

Programm

13:30–13:45 Uhr    Begrüßung und Einführung, Siegrid Westphal (Osnabrück)

13:45–15:15 Uhr    Sektion I – Mittelalterliche und frühneuzeitliche Diplomatie

13:45–14:15 Uhr    Rituale des Friedens und ihre Verbindlichkeit im Mittelalter, Claudia Garnier (Vechta)
14:15–14:45 Uhr    Praktiken der Diplomatie in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, Stefanie Freyer (Osnabrück)

14:45–15:15 Uhr    Diskussion

15:15–15:30 Uhr    Kaffeepause

15:30–17:00 Uhr    Sektion II – Der Westfälische Friedenskongress

15:30–16:00 Uhr    Gesandtschaftsquartiere des Westfälischen Friedenskongresses in Osnabrück, Samuel Arends (Osnabrück)
16:00–16:30 Uhr    Der Handschlag als Ritual auf dem Westfälischen Friedenskongress, Maria-Elisabeth Brunert (Bonn)

16:30–17:00 Uhr    Diskussion

17:00–17:15 Uhr    Kaffeepause

17:15–18:15 Uhr    Sektion III – Der Osnabrücker Handschlag

17:15–17:45 Uhr    Rezeption von Vorgeschichte und Durchführung des Osnabrücker Handschlages in zeitgenössischen Zeitungen, Torben Tschiedel (Osnabrück)
17:45–18:15 Uhr    Den Frieden „einander in die handt versprochen“ – der Osnabrücker Handschlag vom 6. August 1648, Volker Arnke (Osnabrück)

18:15–18:45 Uhr    Abschlussdiskussion

Die Tagung findet in hybrider Form statt. Eine Teilnahme ist online möglich. Für weitere Informationen und die Anmeldung wenden Sie sich bitte an:  ikfn@uni-osnabrueck.de.

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