Workshop: Die Diarien des Westfälischen Friedenskongresses

Ein vom Forschungszentrum IKFN veranstalteter Workshop berichtet aus der praktischen Arbeit. Im Zentrum: die Diarien des Westfälischen Friedenskongresses, die auch in der großen Friedensausstellung 2023 eine wichtige Rolle einnehmen sollen.

Die Diarien stellen eine wichtige und dennoch meist unterschätzte Quellengattung zur Erforschung des Westfälischen Friedenskongresses dar. Der vom Forschungszentrum IKFN (Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit) an der Universität Osnabrück ausgerichtete Workshop will diesen Quellentypus, der von der Forschung stark vernachlässigt wird, in den Fokus rücken, um seine Möglichkeiten für politik-, sozial- und kulturgeschichtliche Zugänge zum Westfälischen Friedenskongress zu eruieren.

Mitte der 1980er Jahre wurden in den „Acta Pacis Westphalicae“ (Serie III C) vier Diarien publiziert, die heute zu den allgemein bekannten Quellen des Friedenskongresses zählen: dasjenige des päpstlichen Nuntius Fabio Chigi (1599-1667), des kurkölnischen Gesandten und Osnabrücker Fürstbischofs Franz Wilhelm von Wartenberg (1593-1661) sowie diejenigen der kaiserlichen Gesandten Isaak Volmar (1582-1662) und Johann Maximilian von Lamberg (1608-1682). Allerdings bilden diese Diarien lediglich einen kleinen Teil der während des Friedenskongresses geführten Diarien, die bislang von der Forschung jedoch kaum beachtet wurden. Dazu zählen sowohl weitere offizielle Gesandtschaftsdiarien, beispielsweise aus der braunschweig-lüneburgischen und der oldenburgischen Gesandtschaft, als auch scheinbar „private“ Tagebücher aus dem Umfeld der Gesandtschaften, wie dasjenige des magdeburgischen Sekretärs Christian Werner († 1663) oder des sachsen-altenburgischen Kanzlisten Daniel Friese (1619-1677).

Form und Inhalt der überlieferten Diarien sind dabei jedoch höchst unterschiedlich: Einige geben minutiös Einblick in den Gesprächsverlauf einzelner Verhandlungen, während andere beispielsweise auch von Glücksspielen, der Wohnungssituation, den Messebesuchen oder ganz allgemein vom Wetter berichten. Die daraus resultierende Heterogenität wirft Fragen auf, die auch die Forschung zu frühneuzeitlichen Selbstzeugnissen bislang nicht zu beantworten vermag: Was genau zeichnet Diarien (des Westfälischen Friedenskongresses) aus? Welche unterschiedlichen Typologien lassen sich innerhalb des breiten Spektrums der Quellengattung ausmachen? Welches Potenzial bieten Diarien zur Erforschung des Westfälischen Friedenskongresses?

Das Werkstattgespräch findet in hybrider Form statt. Eine Teilnahme ist online möglich. Für weitere Informationen und die Anmeldung wenden Sie sich bitte an  ikfn@uni-osnabrueck.de.

Programm

13:30 Uhr Begrüßung und Einführung

Siegrid Westphal (Osnabrück)

13:45-15:15 Uhr Sektion I – Diarien des Westfälischen Friedenskongresses

13:45-14:15 Uhr Diarien vom Westfälischen Friedenskongress – Politische Berichtspraxis und lebensweltliche Erfahrungen frühneuzeitlicher Gesandter

Natascha Thery (Bonn)

14:15-14:45 Uhr Diarium als Arbeitsbericht – Der oldenburgische Diplomat Hermann Mylius in Osnabrück und Münster

Gerd Steinwascher (Oldenburg)

14:45-15:15 Uhr Diskussion

15:15-15:30 Uhr Kaffeepause

15:30-17:00 Uhr Sektion II – Diarien der Gesandten

15:30-16:00 Uhr Aspekte der Rollenpluralität im Diarium des Franz Wilhelm von Wartenberg

Amelie Pohlmann (Osnabrück)

16:00-16:30 Uhr Eine ‚Dritte Partei‘ auf dem Westfälischen Friedenskongress (1643-1649)? Eine Untersuchung anhand des Diariums Lampadius

Katharina Stuhldreher (Bonn)

16:30-17:00 Uhr Diskussion

17:00-17:15 Uhr Kaffeepause

17:15-18:15 Uhr Sektion III – Diarien des Gesandtschaftspersonals

17:15-17:45 Uhr Diarium Werner – „vndt darzu gar schlecht accomodirten Losamenten“ – Repräsentatives Wohnen während der Friedensverhandlungen

Esra Grun (Osnabrück)

17:45-18:15 Uhr Diarium Friese – Der Kongress durch die Augen eines überzeugten Lutheraners

Samuel Arends (Osnabrück)

18:15-18:45 Uhr Abschlussdiskussion

 

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