Die Stadt Osnabrück begeht dieses Jahr feierlich das 375-jährige Jubiläum des Westfälischen Friedens ("Dem Frieden ein Gesicht geben"). Ein Highlight im Jubiläumsprogramm zum Westfälischen Frieden war der Veranstaltungstag rund um den Osnabrücker Handschlag am 6. August, organisiert in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum IKFN und dem Diözesanmuseum Osnabrück. Vor genau 375 Jahren wurde an diesem Tag der Frieden zwischen dem Kaiser, dem Reich und dem Königreich Schweden per Handschlag besiegelt. Dem Handschlag als zeitgenössisch rechtskräftigem Mittel ging ein rund sechsstündiges, durch Änderungswünsche und Einsprüche verzögertes Verlesen des Vertragstextes im Quartier des schwedischen Hauptgesandten Johan Axelsson Oxenstierna an der Großen Domsfreiheit voraus. Da jedoch der Abschluss des Teilfriedens zwischen dem Kaiser und Frankreich, einem Verbündeten Schwedens, noch ausstand, wollten die schwedischen Gesandten den Vertrag zu diesem Zeitpunkt nicht unterzeichnen, weshalb man sich stattdessen zur symbolischen Besiegelung die Hand reichte.
Diese bedeutungsschwere Geste feierte die Stadt Osnabrück in Kooperation mit dem Forschungszentrum IKFN und dem Diözesanmuseum mit einem ganztägigen Programm: Nach einem Wandelgottesdienst in St. Marien und St. Petrus konnten Besucher:innen den Nachmittag über an verschiedenen Stationen dem Ereignis des Handschlags und dem ihn umgebenden Friedenskongress nachspüren. So boten Führungen im extra geöffneten Bischofsgarten, im Diözesanmuseum und in St. Marien Hintergrundinformationen zum Kongressalltag, zur Wohnsituation der Gesandten und zu den wichtigsten Verhandlungsorten in Osnabrück. Eingebettet wurde dabei auch das überarbeitete und neu gestaltete Stadtmodell an seinem prominenten Platz in der Marienkirche, das von Samuel Arends (IKFN) und Susanne Tauss (Landschaftsverband Osnabrück) präsentiert wurde. Mit szenischen Darbietungen veranschaulichten die Schauspieler:innen der „Stadtspieler Osnabrück“ im Bischofsgarten und im Friedenssaal im Rathaus unter anderem den Moment des Handschlags, während man am Stand der Stadt- und Kreisarchäologie Fundstücke aus dem Alltag des 17. Jahrhunderts begutachten konnte. Eine Druckwerkstatt und ein Erzähltheater mit Märchen zogen vor allem Familien an.
Den Abschluss bildete eine Lesung mit dem Schauspieler Ben Becker in der voll besetzten Marienkirche. Die Lesung war wetterbedingt vom Marktplatz in die anliegende Kirche verlegt worden. Ausgewählte Texte von unter anderem Andreas Gryphius über Ingeborg Bachmann und Bertolt Brecht wurden umrahmt von musikalischen Beiträgen des Duos „Days of Wine and Roses“ – allesamt thematisch verankert im Spannungsfeld zwischen Krieg und Frieden.