Anlässlich des 375-jährigen Jubiläums des Westfälischen Friedens richten das IKFN, das Zentrum für Historische Friedensforschung der Universität Bonn sowie das Institut für Europäische Kulturgeschichte der Universität Augsburg vom 12. bis 14. Oktober 2023 die Tagung „Friedensmacher, Multiplikatoren und Profiteure: Akteure des Westfälischen Friedenskongresses" in Osnabrück aus. Die Tagung möchte in akteurszentrierter Perspektive den Fragen nachgehen, welche Personen(-gruppen) am Zustandekommen des Westfälischen Friedens beteiligt waren, wer von diesem Prozess wie profitiert und wer auf welche Weise zur Informationsverbreitung beigetragen hat. Damit soll ein zentraler Ansatz der Neuen Diplomatiegeschichte aufgegriffen und in breitem Zugriff für die Erforschung des Westfälischen Friedenskongresses nutzbar gemacht werden. Anders als in der älteren Forschung rücken somit nicht nur die Diplomaten selbst in den Fokus, sondern auch ihr vielgestaltiges Gefolge, auswärtige Künstler und Musiker oder auch lokale Akteure in den Kongressstädten. Die „Friedensmacher“ in den Blick zu nehmen, heißt jedoch nicht, eine Erfolgsgeschichte des Kongresses schreiben zu wollen und lediglich dem individuellen Anteil der zeitgenössischen Akteure am Zustandekommen des Friedensschlusses nachzuspüren. Vielmehr geht es darum, in erweiterter Perspektive Personen(-gruppen), soziale Figurationen und Akteurskonstellationen zu untersuchen, die das Kongressgeschehen prägten, begleiteten oder rezipierten.
In Sektion I sollen zunächst die Friedensmacher der ersten Reihe in den Blick genommen werden. Darin geht es vorrangig um die Diplomaten, die direkt an den Friedensverhandlungen beteiligt waren. Darauf folgen in Sektion II die Friedensmacher der zweiten und dritten Reihe. Das betrifft vor allem die Mitglieder der Gesandtschaften, die nicht unmittelbar auf dem diplomatischen Parkett in Erscheinung traten, sondern im Hintergrund arbeiteten. Aber auch generelle Überlegungen zu den komplexen Strukturen und Erscheinungsformen diplomatischer Gesandtschaften als soziale Körper sollen in diesem Kontext angesprochen werden. Im Anschluss geht es in Sektion III um die Multiplikatoren. Hierunter fallen im Bereich der Musik, Publizistik und Predigt auftretende Akteure, die einen Anteil daran hatten, das Kongressgeschehen zu kommentieren, inszenieren und damit zu Diskursen und breiteren Wahrnehmungen in Beziehung setzten. Den Abschluss bildet Sektion IV, in der ein Blick auf die Profiteure des Kongresses geworfen wird. Neben den Kongressstädten gehören hierzu zum Beispiel auch Künstler und die Gesandten selbst, zu deren multiplen Rollen nicht nur die Vertretung der Interessen ihrer Dienstherren zählte, sondern die sehr wohl auch und gerade als Interessenvertreter in eigener Sache agierten.
Bitte melden Sie sich für eine Teilnahme bis zum 30. September unter friedensma@uni-osnabrueck.de an. Bei Fragen können Sie sich ebenfalls hier melden.
Programm
Donnerstag, 12.10.2023
13:00–13:30 Uhr
Eröffnung und Begrüßung durch die Veranstalter:innen
Sektion I – Friedensmacher der ersten Reihe (Moderation: Hillard von Thiessen)
13:30–14:15 Uhr
Indravati Félicité: Akteurszentrierung als Methode der „Neuen Diplomatiegeschichte“. Stand und Perspektiven der Forschung
14:15–15:00 Uhr
Jonas Bechtold: Friedensmacher und Hoffnungsträger? Die Kongressakteure in den politischen Erwartungen deutschsprachiger Zeitungen
15:00–15:45 Uhr
Matthias Schnettger: Diplomaten vom Typ „Empire“. Die reichsständischen Gesandten auf dem Westfälischen Friedenskongress
15:45–16:15 Uhr
Kaffeepause
16:15–17:00 Uhr
Siegrid Westphal: Die Friedensmacher der "Dritten Partei" und ihre Gegner
17:00–17:45 Uhr
Alexander Gerber: Die Rolle der Direktorialgesandten in den Verfahrens- und Zeremonialstreitigkeiten der Reichsräte
17:45–18:15 Uhr
Guido Braun: Kommentar / Diskussion der Sektion
19:00 Uhr
Öffentlicher Abendvortrag:
Christoph Kampmann: Frieden. Macht. Staat. Der Westfälische Frieden und die Zäsuren um 1648
20:00 Uhr
Empfang
Freitag, 13.10.2023
Sektion II – Friedensmacher der zweiten und dritten Reihe (Moderation: Lothar Schilling)
09:00–09:45 Uhr
Claire Gantet: Diplomatiegeschichte und Sozialgeschichte als komplementäre Zugänge zur Erforschung des Westfälischen Friedenskongresses
09:45–10:30 Uhr
Maria-Elisabeth Brunert: Das Kanzleipersonal der Gesandtschaften. Tätigkeiten, Karrieren und besondere Persönlichkeiten
10:30–11:00 Uhr
Kaffeepause
11:00–11:45 Uhr
Sebastian Kühn: Küchenpolitik? Die Dienerschaft der Gesandten
11:45–12:30 Uhr
Albert Schirrmeister: „l’honneur de vostre bienveillance et de vostre protection“ – Die soziale Figuration der französischen Gesandtschaft
12:30–13:00 Uhr
Ralf-Peter Fuchs: Kommentar / Diskussion der Sektion
13:00–14:30 Uhr
Mittagspause (Selbstversorgung Innenstadt / Mensa o.Ä.)
Sektion III – Multiplikatoren (Moderation: Christopher Voigt-Goy)
14:30–15:15 Uhr
Ulrich Niggemann: Publizieren als pragmatisches und symbolisches Handeln
15:15–16:00 Uhr
Stefan Hanheide: Musik zum Westfälischen Frieden
16:00–16:30 Uhr
Kaffeepause
16:30–17:15 Uhr
Kai Bremer: Westfälischer Friede und deutsche Verspätung: stereotype Nationalkonzepte in der germanistischen Beschäftigung mit einem historischen Ereignis
17:15–18:00 Uhr
Henning P. Jürgens: Predigten im Umfeld des Friedenskongresses
18:00–18:30 Uhr
Regina Dauser: Kommentar / Diskussion der Sektion
18:30–18:45 Uhr
Pause
18:45–19:30 Uhr
Auftakt zur Sektion IV: Profiteure – Peter H. Wilson: Krieg und Frieden als Profit
20:00 Uhr
Gemeinsames Abendessen
Samstag, 14.10.2023
Sektion IV: Profiteure (Moderation: Volker Arnke)
09:00–09:45 Uhr
Gerd Steinwascher: Die Rolle der Städte Osnabrück und Münster auf dem Kongress
09:45–10:30 Uhr
Birgit Münch: Die Friedensmaler der Friedensmacher. Künstler zwischen „Eventporträtistentum“, Augenzeugenschaft und Karriere
10:30–11:00 Uhr
Kaffeepause
11:00–11:45 Uhr
Michael Rohrschneider: Von Rängen, Rollen und Ressourcen: Profitchancen und Karrierewege der Prinzipalgesandten der europäischen Mächte auf dem Westfälischen Friedenskongress
11:45–12:15 Uhr
Arno Strohmeyer: Kommentar / Diskussion der Sektion
12:15–12:45 Uhr
Abschlussdiskussion