Die neue Vortragsreihe des IKFN "Spielräume des Affektiven in der Vormoderne" wirft Schlaglichter auf die Rolle von Affekten und den Umgang mit Emotionen in unterschiedlichen kulturellen und gesellschaftlichen Kontexten der Antike und der Frühen Neuzeit: von der Religion über das Staatswesen bis zur Familie. Für den ersten Vortrag konnte Prof. Ulrike Gleixner von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel gewonnen werden.
Haben wir festgelegte Affektprogramme, die wie in einem hydraulischen Modell zivilisiert werden müssen? Nein, sagen die Kulturwissenschaften – Emotionen sind keine biologischen Prozesse, sondern kulturell geformte Regungen. Das gilt auch für religiöse Emotionen, die in erster Linie durch Praktiken entstehen, auf der Grundlage von Sozialisation, Erziehung und Bildung. Religiöse Emotionen können mobilisiert, benannt, kommuniziert und reguliert werden und finden so ihren Ausdruck. Prof. Ulrike Gleixner berichtet aus der Aufbauarbeit eines entsprechenden Forschungsschwerpunkts an der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, einer lutherisch geprägten Büchersammlung mit Handschriften und Drucken aus mehr als tausend Jahren, die viel zu diesem Themenbereich beitragen kann.