Aktivitäten

Das Themenfeld Migration hat in Europa in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Allerdings gehen gesellschaftliche Debatten selten über aktuelle politisch-mediale Problembeschreibungen hinaus. Der Wissenschaftsraum FuturMig beschäftigt sich deshalb mit Zukünften der Migration und wie diese in Debatten, in verschiedenen Praxisbereichen der Bildung und in der Migrationsforschung ausgehandelt werden.

Damit reagiert der Wissenschaftsraum auf eine doppelte Forschungslücke:

  • Wie und mit welchen Folgen werden in Forschung und Praxis Zukünfte der Migration hervorgebracht und ausgehandelt?
  • Wie könnte ein reflexiver Ansatz aussehen, der die Kontingenz der Verknüpfung von Zukunft und Migration berücksichtigt, und was würde ein solcher Blick in Forschung und Praxis leisten?

Um diese Fragen zu beantworten, verfolgt der Wissenschaftsraum drei Ziele:

1. Vernetzung und Kooperation

Durch die Vernetzung herausragender niedersächsischer Forschungsinstitutionen im Bereich Migration in einem Verbund wird die Migrationsforschung in Niedersachsen weiter gestärkt.

Für die Bearbeitung der vielschichtigen Thematik ›Migrationszukünfte‹ ist der Verbund mit seinen sich ergänzenden Kompetenzen und Forschungsschwerpunkten ideal geeignet. Das Netzwerk hat enge Verbindungen zu dem vom IMIS und dem Land Niedersachsen mitgegründeten Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) und verfügt über vielfältige internationale Beziehungen. Überdies zielt FuturMig auf die Etablierung einer internationalen Gastprofessur.

2. Migrationszukünfte in Forschung und Praxis

Ein wesentliches Ziel von FuturMig ist die Erhebung des Forschungsstands zu Zukünften der Migration, welcher um eigene empirische Arbeiten erweitert wird. Dabei fragt FuturMig nach den Bedingungskontexten von migrationsbezogenen Zukunftsvorstellungen und danach, welche Rolle diese in gesellschaftlichen Zukunftsvorstellungen im Allgemeinen spielen. Durch den Blick auf aktuelle und vergangene Zukunftsperspektiven und -erwartungen wird theoretisch und empirisch herausgearbeitet, welche Rolle Migration jeweils im gesellschaftlichen Selbstverständnis spielt und wie sie deshalb ausgehandelt und gestaltet wird.

Dabei wird in FuturMig vor allem die Produktion von ›Migrationszukünften‹ in Bildungs- und Erziehungskontexten – von vorschulischen Einrichtungen, Schulen und Hochschulen bis zu zivilgesellschaftlichen Initiativen, Museen und Gedenkstätten – in den Blick genommen. Diese Perspektive ist reflexiv, weil sie auch die Rolle der Migrationsforschung als Teil dieser Produktion analysiert.

3. Vermittlung und Transfer

Der Wissenschaftsraum zielt auf einen engen Bezug zwischen Forschung und Praxis ab, indem verschiedene Formate des Transfers von Erkenntnissen und Ergebnissen genutzt und etabliert werden. Ziel ist, die Reflexion über die gesellschaftliche Produktion von ›Migrationszukünften‹ von der universitären Lehre über die Lehramtsausbildung und die Lehrkräftefortbildung bis zu Lernorten der politischen und kulturellen Bildung in Niedersachsen fruchtbar zu machen.

Im Rahmen des Vorhabens wird ein hochschulübergreifendes Zertifikat entwickelt, um (Lehramts-)Studierende, Lehr- und Fachkräfte bestmöglich auf den (reflexiven) Umgang mit migrationsbezogener Vielfalt als demographische Normalität vorzubereiten bzw. zu schulen.

In einem Reallabor zur Geschichts- und Erinnerungskultur werden Partizipationsformate und Interventionen erprobt und Debatten mit gesellschaftlichen Organisationen und Gruppen geführt.