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Ein offenes Ohr und ein freundliches Wort können viel bewegen

Wie die Uni bei der Registrierung von Flüchtlingen hilft

Ausgabe 01 / 2016

Junge mit Rucksack und Plüschtier in Menschenmenge. Foto: Fotolia/Lydia Geissler

© Fotolia / Lydia Geissler

Sonja Schulze von der Stabsstelle Zentrales Berichtswesen und Birte Pahlmann aus dem Fachbereich Biologie/Chemie haben für acht Wochen den Arbeitsplatz an der Uni gegen die Tätigkeit in der Erstaufnahmeeinrichtung Natruper Holz der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen getauscht. Im Rahmen einer Abordnung durch das Innenministerium waren sie bei der Registrierung von Flüchtlingen behilflich. Hier berichten sie über ihre Erfahrungen.

"Momentan teilt sich die Landesaufnahmebehörde den Standort Natruper Holz mit dem Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation "iDerm" der Universität, so dass uns zwar die Gebäude nicht unbekannt waren, aber wir bis zu unserem Dienstantritt im November keine Erfahrungen in ausländerrechtlichen Angelegenheiten hatten. Nach kurzer Einarbeitung, die man wohl am ehesten als Training-on-the-Job beschreiben kann, begannen wir bereits selbstständig mit der Registrierung von Asylbewerbern durch Aufnahme der Personalien und Fotografieren von sowohl Alleinreisenden als auch großen Familienverbünden. Die Kommunikation mit den Ausländern gestaltete sich auf Grund von Sprachbarrieren nicht immer ganz einfach, sodass wir trotz unserer Englisch- und Französischkenntnisse sehr häufig auf die Dolmetscher und Dolmetscherinnen zurückgreifen mussten, die sich in Persisch, Arabisch oder Kurdisch verständigen konnten. Neben den Fremdsprachen konnten wir auch unsere Geographiekentnisse auffrischen, haben zahlreiche Städte wie Rakka (Ar-Raqqa/Syrien), Sindschar (Sinjar/Irak) oder Hasakeh (Al-Hasaka/Syrien) kennengelernt, die wir vor der Abordnung sicherlich nicht in ihrer unterschiedlichen Schreibweise erkannt oder geographisch den Ländern hätten zuordnen können.

Nach der Registrierung in der niedersächsischen Datenbank NIASS wurden die Asylbewerber entweder von uns in andere Erstaufnahmeeinrichtungen mit freien Kapazitäten weitergeleitet oder bis zur Verteilung in eine niedersächsische Kommune in Osnabrück untergebracht. Zusätzlich wurden alle Asylbewerber von Mitarbeitern des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in einer bundesweiten Datenbank registriert und es wurden Fingerabdrücke genommen. Für die Unterbringung, Versorgung und weitere soziale Betreuung der Asylbewerber am Standort Osnabrück war die Diakonie verantwortlich. Auch in den Fällen, in denen Minderjährige ohne gesetzlichen Vertreter einreisten, übernahm die Diakonie die Betreuung, bis das zuständige Jugendamt vor Ort war. Traurige Schicksale, wie die der minderjährigen Alleinreisenden, aber auch erfreuliche Ereignisse wie etwa Familienzusammenführungen in Deutschland, nachdem Familien auf dem strapaziösen Fluchtweg getrennt wurden, werden uns in Erinnerung bleiben.

Am letztgenannten Beispiel hat sich uns besonders gezeigt, wie wichtig eine zeitnahe Registrierung für die Flüchtlinge sein kann, sodass wir das Gefühl haben, mit unserer Arbeit in der Landesaufnahmebehörde einen wichtigen Beitrag zur Flüchtlingshilfe geleistet zu haben. Der Standort befindet sich noch immer im Aufbau, es müssen weitere bürokratische Hürden überwunden werden, nicht alle Prozesse sind derzeit optimal eingespielt. So könnte die gerechte und gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge in Niedersachsen weiter verbessert werden.

Alles in allem war es eine wichtige persönliche Erfahrung für uns, und wir konnten uns vor Ort ein eigenes Bild von Menschen und ihren Schicksalen machen, die uns Tag für Tag aus krisengeschüttelten Gebieten erreichen, in der Hoffnung, hier Sicherheit zu finden. Uns ist klar geworden, dass die Integration dieser Menschen zweifellos  - aufgrund der großen kulturellen Unterschiede - eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft darstellen wird. In unserer täglichen Arbeit in der Aufnahmestelle hat sich gezeigt, dass es schon die kleinen Dinge sind, die Barrieren fallen lassen können. Ein freundliches Lächeln und ein offenes Wort konnten da schon viel bewegen."  

Zum Hintergrund

Täglich wird über die Flüchtlingsströme aus bürgerkriegsgebeutelten Ländern wie Syrien und dem Irak berichtet. Bund, Länder und die Kommunen stellen sie vor eine große Herausforderung. Nachdem sich im Sommer des vergangenen Jahres in Bramsche-Hesepe die Situation zuspitzte und mehr als 4.000 Asylbewerber in der Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht werden mussten, entschloss sich das Land, im ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus in der Sedanstraße einen weiteren Standort zunächst als Außenstelle -  seit dem 1. Januar 2016 als eigenständige Erstaufnahmeeinrichtung neben Bramsche, Friedland, Oldenburg und Braunschweig  - zu eröffnen. Um die Arbeit schnellstmöglich beginnen zu können und das noch im Aufbau befindliche Team zu unterstützen, bat das Innenministerium um zeitnahe Abordnung von Landesbediensteten.