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Pressemeldung

Nr. 109 / 2020

29. Juni 2020 : Dem Artenschwund entgegenwirken - Forschungsprojekt an der Universität Osnabrück will Biodiversität fördern - Umweltminister Franz Untersteller zum Start des Projekts vor Ort in Vogtsburg

OSNABRÜCK / VOGTSBERG.- Artenreiche Kalkmagerrasen sind auf regelmäßige Pflegemaßnahmen angewiesen. In Zeiten der globalen Umweltveränderungen ist es jedoch schwierig abzuschätzen, welche Varianten des Habitatmanagements den größten Erfolg erzielen. In dem neuen Forschungsvorhaben „Nachhaltiges Management der Magerrasen des Kaiserstuhls“ unter der Leitung von apl. Prof. Dr. Thomas Fartmann von der Universität Osnabrück sollen auf der Grundlage von umfangreichen Erhebungen am Kaiserstuhl wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen zum biodiversitätsfördernden und nachhaltigen Management von Kalkmagerrasen erarbeitet werden. Die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg unterstützt dieses Forschungsvorhaben mit rund 210.000 Euro.

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© Thomas Fartmann

Mosaikartig gemanagte Magerrasen mit Altgrasstreifen im Zentralen Kaiserstuhl.

Zum Auftakt des Projektes besichtigte Minister Franz Untersteller in seiner Funktion als Vorsitzender der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg am Montag, 29. Juni, die Untersuchungsflächen in Vogtsburg am Kaiserstuhl.

Der Kaiserstuhl ist ein Vulkangebirge, das aufgrund seiner besonderen geographischen Lage im Oberrheingraben und somit im Regenschatten der Vogesen thermisch stark begünstigt ist und sich durch eine außergewöhnlich artenreiche Fauna und Flora in großflächigen, national bedeutsamen Kalkmagerrasen auszeichnet. „Kalkmagerrasen sind durch eine hohe Biodiversität gekennzeichnet und zählen aufgrund ihrer großen Bedeutung für den Artenschutz in Europa zu den prioritären Lebensraumtypen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie“, betonte Untersteller die Bedeutung dieses Lebensraumes.

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts haben jedoch sowohl die Fläche als auch die Größe und die Qualität der Kalkmagerrasen-Lebensräume in Europa massiv abgenommen. Dies wirkt sich negativ auf die Artenvielfalt und die Diversität der Bestäuber-Netzwerke aus. Neben den Auswirkungen des Wandels der Landnutzung wirkt sich gegenwärtig der Klimawandel zunehmend negativ auf die Lebensgemeinschaften aus. Der Temperaturanstieg führt zu einer verlängerten Wachstumsperiode und aufgrund häufigerer Trockenphasen zu einer verminderten Produktivität. „Spezialisierte Arten mit geringer Mobilität zählen häufig zu den Verlierern des Klimawandels, während mobile Generalisten zumindest teilweise profitieren“, erklärte apl. Prof. Dr. Thomas Fartmann, Leiter der Abteilung für Biodiversität und Landschaftsökologie an der Universität Osnabrück.

Seit vielen Jahren wird am Kaiserstuhl ein breitgefächertes Habitatmanagement in den Kalkmagerrasen praktiziert, um den negativen Auswirkungen von Nutzungsaufgabe, Klimawandel und Stickstoffeinträgen auf die Lebensgemeinschaften zu begegnen.

Bisher fehlen fundierte wissenschaftliche Studien, die die Auswirkungen verschiedener Managementvarianten zum Erhalt der Biodiversität in Kalkmagerrasen unter den veränderten Bedingungen vergleichend evaluieren. Gemeinsam mit der ABL – Arten Biotope Landschaft – Bürogemeinschaft für Landschaftsökologie in Freiburg wird das Forscherteam um apl. Prof. Dr. Thomas Fartmann dies ermitteln. „Dazu sollen während der zweijährigen Projektlaufzeit bis März 2022 umfassende wissenschaftliche Erfassungen auf mehr als 40 Untersuchungsflächen stattfinden“, so Fartmann.

Anhand von verschiedenen Artengruppen, wie Gefäßpflanzen, Heuschrecken, Laufkäfern und Tagfaltern/Widderchen, die allesamt als exzellente Indikatoren für die Habitatqualität von Kalkmagerrasen gelten, werden sieben Varianten des Habitatmanagements miteinander verglichen. Die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen für ein biodiversitätsförderndes und nachhaltiges Management von Kalkmagerrasen sollen durch intensive Öffentlichkeitsarbeit und Publikationstätigkeit auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene vermittelt werden.

Information für die Redaktionen:
apl. Prof. Dr. Thomas Fartmann, Universität Osnabrück
Fachbereich Biologie/Chemie
Tel.: +49 541 969-3551
thomas.fartmann@biologie.uni-osnabrueck.de

Informationen zur Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg:
www.stiftung-naturschutz-bw.de