Navigation und Suche der Universität Osnabrück


Hauptinhalt

Topinformationen

Pressemeldung

Nr. 170 / 2019

30. September 2019 : Die Gesellschaft im geteilten Deutschland – Historiker der Universität Osnabrück veröffentlicht Studie zur Wirkung der Teilung

In einem jüngst veröffentlichten Buch fragt der Historiker PD Dr. Frank Wolff vom Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück nach der Wirkung des Mauerbaus für die geteilte deutsche Gesellschaft. Die Studie gewann im Jahr 2019 den Preis für exzellente Nachwuchsforschung der Universitätsgesellschaft und knüpft an die Profillinie „Migrationsgesellschaften“ der Universität Osnabrück an. Sie ist eine von insgesamt sechs Profillinien, mit denen die Universität ihr wissenschaftliches Profil stärker akzentuieren möchte.

Großansicht öffnen

© Universität Osnabrück / Uwe Lewandowski

In einem jüngst veröffentlichten Buch fragt der Historiker PD Dr. Frank Wolff vom Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück nach der Wirkung des Mauerbaus für die geteilte deutsche Gesellschaft.

Anstatt die „Mauer“ allein als die Grenze der DDR zu sehen, untersucht das Buch „Die Mauergesellschaft“, was die Existenz der „Mauer“ für das geteilte Land beiderseits der Grenze bedeutete und wie die Gesellschaft damit umging. Um dies zu verstehen, hat Wolff umfangreiche ost- und westdeutsche sowie internationale Archivbestände ausgewertet. Er entwirft dabei ein Bild menschlicher Schicksale, aber auch menschlichen Engagements und harter Kämpfe um menschenrechtliche Fragen. „Die militärisch gesicherte Grenze“, sagt Wolff, „sollte teilen und das tat sie auch. Aber sie zwang auch zusammen. Man konnte versuchen, sie zu ignorieren, jedoch war sie tief in die Gesellschaft eingeschrieben.“

Ein besonderes Augenmerk legt Wolff dabei auf den scheinbaren Widerspruch, dass trotz der Existenz der Mauer und der weitgehenden Illegalisierung jedweder grenzüberschreitender Migration Hundertausende Menschen übersiedelten – und zwar legal und obwohl selbst der Antrag auf Ausreise als illegal erklärt galt. „Um eine Grenze zu verstehen, muss man sich vom Ort entfernen“, sagt der Historiker, „und danach fragen, wie sie jene Gesellschaft verändert, die sie errichtet.“ Dies untersucht er in einer ausführlichen Analyse der Migrationsverwaltung in Ost und West und der Mobilisierung der Menschenrechte. So zeichnet er auch nach, dass die in der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit eher stiefmütterlich behandelte Forderung nach Reisefreiheit, der sich darum in der Bevölkerung entwickelnde Menschenrechtsdiskurs sowie die Ausreisebewegung selbst entscheidend für den Fall der Mauer waren.

Weitere Informationen für die Redaktionen:
PD Dr. Frank Wolff, Universität Osnabrück
Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien
Neuer Graben 19/21, 49069 Osnabrück
Tel.: +49 541 969 4914
wolff.fra@gmail.com

https://www.suhrkamp.de/buecher/die_mauergesellschaft-frank_wolff_29897.html