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Pressemeldung

Nr. 73 / 2019

03. Mai 2019 : Die Zukunft unserer Seen – Universität Osnabrück an umfangreichem Projekt beteiligt

Wie werden sich in Zukunft die Ökosysteme und dadurch die Biodiversität von Seen verändern? Wie können wir einen schonenden Umgang mit unseren Seen erreichen? Mit diesen Fragen befasst sich das Forschungsprojekt LimnoScenES, an dem das Institut für Umweltsystemforschung (IUSF) der Universität Osnabrück beteiligt ist. Im Mittelpunkt stehen menschengemachte Einflüsse auf Seen und deren Biodiversität und dabei besonders die Interaktionen zwischen Mensch und Binnengewässern. Ein Fallbeispiel der Untersuchungen ist der Dümmer im Nordosten Osnabrücks.

© Klaus Luttermann

Untersuchungsobjekt: Der Dümmer, hier auf einer Aufnahme im Winter.

Das im Februar gestartete Forschungsprojekt fragt nach den langfristigen Konsequenzen des menschlichen Einflusses auf die Ökosysteme von Seen, wie beispielsweise dem Klimawandel und der Landwirtschaft. Es reiht sich damit thematisch in die Ausrichtung der Profillinie „Mensch-Umwelt-Netzwerke“ der Universität Osnabrück ein. Sie ist eine von insgesamt sechs Profillinien, mit denen die Universität ihr wissenschaftliches Profil stärker akzentuieren möchte.

Das Projekt untersucht sowohl die Ursachen menschlicher Einflüsse auf Seen als auch die Maßnahmen, die eine Verbesserung des Zustands von Seen bewirken können. „Das Thema des Projekts ist vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten um landwirtschaftliche Einflüsse auf Böden und Gewässer gerade in Deutschland von äußerster Relevanz“, erklärt die Osnabrücker Wissenschaftlerin Prof. Dr. Claudia Pahl-Wostl. Eine revidierte Düngeverordnung soll dafür sorgen, dass weniger Dünger auf Böden ausgetragen werden und dadurch weniger belastende Nährstoffe ihren Weg in den Wasserkreislauf und somit in Seen und Grundwasser finden. Die Überarbeitung der Verordnung stößt jedoch auf Kritik von verschiedenen Seiten. Während sie Wasser- und Naturschutzverbänden nicht weit genug geht, befürchtet die Landwirtschaft wirtschaftliche Einbußen.

Auf Landkreisebene ist der Einfluss des Menschen auf die Qualität von Gewässern besonders aktuell nachdem der Kreistag Osnabrück am 11. März 2019 beschlossen hat, die Gewässerschutzstreifen im FFH-Schutzgebiet in Melle von zuvor anberaumten und per EU-Richtlinie vorgeschriebenen fünf Metern auf lediglich einen Meter zu reduzieren. Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft und Naturschutzverbände haben diese Entscheidung heftig kritisiert. Der Eintrag von Nährstoffen und Pestiziden in den Wasserkreislauf bleibt damit ein brisantes Thema für Niedersachsen.

Das Forschungsprojekt, welches das IUSF der Universität Osnabrück gemeinsam mit dem Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin, dem Department of Biology der Lund University, dem Département des Sciences Biologiques der Université du Québec à Montréal und dem Stockholm Resilience Centre in den nächsten drei Jahren durchführt, setzt sich mit genau diesen Problematiken auseinander. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Forschungsbereichen fokussieren sich auf die Veränderung der Biodiversität von Seen und damit auf die potentielle Beeinträchtigung von deren Ökosystemdienstleistungen. „Eine ganzheitliche Betrachtung von Ökosystemleistungen, wie beispielsweise Trinkwassergewinnung, die Produktion von Nahrung, Erhaltung der Artenvielfalt oder Naherholung an Seen, soll komplexe Zusammenhänge aufzeigen und Akteure bei der Suche nach ganzheitlichen Lösungsansätzen unterstützen“, erläutert Pahl-Wostl. In Workshops mit verschiedenen Akteuren, die in ihrer täglichen Arbeit mit der Biodiversität der Seen zu tun haben oder direkt von dieser abhängig sind, werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Visionen und Managementstrategien der Akteure herausarbeiten. „Das Ergebnis der Workshops sollen Szenarien der zukünftigen Interaktionen von Menschen und Frischwasserquellen sein. Dabei soll die Biodiversität von Seen und deren Ökosystemdienstleistungen erhalten bleiben, auch wenn die Seen weiterhin den Einflüssen des Klimawandels und der anhaltenden Nutzung von Land und Wasser durch uns Menschen ausgesetzt sein werden“, erklärt Dr. Laura Herzog vom IUSF.

Neben dem nordwestlich von Osnabrück gelegenen Dümmer, der einer hohen Belastung durch Nitrate und Phosphor ausgesetzt ist, untersucht das Projekt die Interaktionen von Mensch und See am Lac St. Charles in der Nähe von Québec City in Kanada und am Ringsjön-See in Südschweden. Gefördert wird das internationale Forschungsprojekt durch das Belmont Forum und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Weitere Informationen für die Redaktionen:
Dr. Oliver Schmidt, Universität Osnabrück
Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Neuer Graben 29, 49076 Osnabrück
Tel: +49 541 969 4516
oliver.schmidt@uni-osnabrueck.de