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Pressemeldung

Nr. 95 / 2020

20. Mai 2020 : Studie der Universität Osnabrück untersucht Anhänger von Verschwörungstheorien der Corona-Krise

Was zeichnet Personen aus, die derzeit an den Protesten gegen die aktuellen Versammlungsverbote und Einschränkungen der Grundrechte teilnehmen und warum haben Anhänger von Verschwörungstheorien momentan einen derart großen Zulauf? Dies untersuchte eine kürzlich durchgeführte Studie der Sozialpsychologinnen Prof. Dr. Julia Becker und Luisa Liekefett der Universität Osnabrück, deren Daten nun ausgewertet wurden. 

Vom 5. bis zum 11. Mai nahmen rund 1.000 Personen, die bislang nicht mit dem Corona-Virus infiziert waren, an der Umfrage teil. „Nach Auswertung der Daten zeigte sich, dass rund 18 Prozent der Befragten an einem Online-Protest teilnehmen und rund 24 Prozent eine Petition unterschreiben würden, aber nur neun Prozent würden auch auf eine richtige Kundgebung gegen die Einschränkungen gehen. An den Demonstrationen nehmen unterschiedliche Gruppen teil, es gibt die Impfgegnerinnen und Impfgegner, es gibt Personen, die einfach wütend auf die Politik sind und es gibt dort auch die Rechtspopulisten. Viele unterstützen zudem Verschwörungstheorien und fühlen sich durch die aktuellen Einschränkungen stark bedroht,“ so Prof. Becker vom Institut für Psychologie. 

Bezogen auf alle 1.000 Befragtenstellte die Studie weiterhin heraus, dass mindestens ein Drittel der Befragten den Indikatoren der Verschwörungstheorien zustimmt und daran glaubt, dass das Virus im Labor entstanden sei. „Die Personen, die an die Verschwörungstheorien glauben, zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie glauben, in einer bedrohlichen Welt zu leben. Sie können außerdem mit Ungewissheit schlecht umgehen, darum sind ihnen Verschwörungstheorien willkommen, weil sie ihnen durch einfache Erklärungen wieder Kontrolle und Gewissheit zurückgeben. Bezogen auf ihre Persönlichkeit neigen sie eher zum Machiavellismus, was bedeutet, dass sie anderen Menschen gegenüber eher misstrauisch sind und ihnen auch eher unethische Mittel recht sind, um Ziele zu erreichen. Meist haben sie nicht so sehr Angst vor dem Virus selbst als vor den gesellschaftlichen Konsequenzen der Pandemie, wie zum Beispiel finanziellen Verlusten. Oft sehen solche Personen keinen Sinn in den ‚Corona-Einschränkungen‘ und halten sich nicht an die ‚Corona-Regeln‘, weil sie sich nicht in ihren Grundrechten einschränken lassen wollen“, so Becker weiter.

Weitere Informationen für die Redaktionen:
Prof. Dr. Julia Becker, Universität Osnabrück 

Institut für Psychologie
Seminarstraße 20, 49069 Osnabrück

julia.becker@uni-osnabrueck.de