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Pressemeldung

Nr. 139 / 2018

09. Juli 2018 : Schloss Osnabrück auch unbewohnt Machtsymbol - Doktorand der Universität Osnabrück ordnet Schloss als Herrschaftssymbol neu ein

Das Osnabrücker Schloss ist ein Repräsentationsort, seit 1974 als Verwaltungssitz der Universität Osnabrück und vorher Residenz vieler Fürsten, selbst wenn sie dort nicht immer dauerhaft wohnten. Das stellt der Historiker und Absolvent des Instituts für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (IKFN), Dr. Heinrich Schepers, heraus. Er widerlegt am Beispiel der Regierungszeit des letzten Osnabrücker Fürstbischofs Friedrich von York (1763–1827) die geläufige Forschungsmeinung, dass frühneuzeitliche herrscherlose Residenzen nur eine untergeordnete Rolle für deren Fürsten spielten.

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© Universität Osnabrück/ Elena Scholz

Der Historiker Dr. Heinirch Schepers schrieb seine Dissertation über das Osnabrücker Schloss.

Es sei schon etwas Besonderes gewesen, sich so intensiv mit der Geschichte des barocken Bauwerks zu befassen und „einen Forschungsbeitrag zu einem so geschichtsträchtigen und zentralen Gebäude der Stadt und der Universität Osnabrück leisten zu dürfen“, sagt Schepers. „Außerdem habe ich als Student im Schloss Vorlesungen und Seminare besucht. Deshalb verbinde ich viele positive Erfahrungen mit dem Gebäude.“

Am IKFN schrieb Schepers zu dem Thema „Fürstliche Prachtentfaltung in Abwesenheit des Herrschers. Die Bedeutung von Schloss und Hofstaat im Fürstbistum Osnabrück zur Regierungszeit des Fürstbischofs Friedrichs von York (1764–1802)“ seine von Prof. Dr. Siegrid Westphal betreute Dissertation. 2017 schloss er sie ab.

Bis heute hat die Fassade des Osnabrücker Schlosses, das von 1667 bis 1673 durch den Fürstbischof Ernst August I. erbaut wurde, ihren barocken Charme bewahrt. Wie die prachtvolle Innengestaltung der Fürsten einst aussah, lässt sich nur noch über Archivquellen erschließen. Schepers wertete Schrift- und Bildquellen aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert aus, arbeitete dafür in den Staatsarchiven in Osnabrück und Hannover sowie in den Archiven des Kulturgeschichtlichen Museums Osnabrück und des Stadtgeschichtlichen Museums in Berlin.

Er fand heraus, dass sich vor allem der letzte Osnabrücker Fürstbischof, der Welfe Friedrich von York (1763–1827), intensiv mit dem Aus- und Umbau beschäftigt hat. „Der Fürst ließ den Schlossinnenbereich vollkommen neu gestalten und den Garten umbauen“, berichtet der Historiker.

Demnach engagierte Friedrich von York sogar den damals bekannten Innendekorateur und Bühnenmaler Bartolomeo Verona (1740–1813) aus Berlin, um das als Wohnsitz kaum genutzte Schloss zu dekorieren und stellte einen Hofstaat auf. Am Ende der Umbaumaßnahmen von 1783 bis 1791 hatte Friedrich von York eine hohe Geldsumme für die Residenz ausgegeben.

Schepers: „Das fand ich spannend, da von York kaum in Osnabrück war.“ Für ihn sei die Frage, warum dieser Fürstbischof das kaum genutzte Schloss umbauen ließ, zentral gewesen: „Bislang sind Historiker davon ausgegangen, dass unbewohnte oder selten genutzte Schlösser eine untergeordnete Rolle bei der Herrschaftsführung der Fürsten in der Frühen Neuzeit gespielt haben.“ Diese geläufige Forschungsmeinung habe er grundlegend hinterfragt. „Wenn der Fürst einen so großen Aufwand beim Umbau des Schlosses betreibt, will er damit auch etwas ausdrücken.“

Schepers kommt zu dem Schluss: „Das erneuerte und prachtvoll eingerichtete Osnabrücker Schloss sollte Untertanen und Standesgenossen verdeutlichen, dass die Herrschaft des Fürsten auch in dessen Abwesenheit fortdauerte. So entstand auch der Eindruck, dass der Landesherr jederzeit wieder dort wohnen konnte, zumal ein Hofstaat stets anwesend war.“

Nun hat der Aschendorff-Verlag Schepers` Dissertation in Münster als Buch herausgegeben. Im März dieses Jahres erhielt der Historiker für seine Doktorarbeit den von der Herrenteichslaischaft Osnabrück gestifteten Förderpreis der Universität Osnabrück. Die Publikation zum Osnabrücker Schloss wurde vom Land Niedersachsen im Rahmen des Forschungsprojektes am IKFN „Kulturelle Zentren der Frühen Neuzeit“ gefördert.

Weitere Informationen für die Redaktionen:
Dr. Heinrich Schepers,
Tel.: +49 5 93 2 50 59 755,
E-Mail: heschepe@uni-osnabrueck.de