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Artikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung. Foto: Universität Osnabrück / Elena Scholz

Kunsthistorisches Institut: Universität nimmt Stellung zu Vorwürfen

Stellungnahme des Präsidiums der Universität Osnabrück zu den von Fachvertretern und Presse geäußerten Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Kunsthistorischen Institut:

1.   Entscheidungsfindung und Kommunikation

Am 21. Dezember vergangenen Jahres war in der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) zu lesen: "Das Präsidium der Universität Osnabrück hat den Lehrkörper nach NOZ-Informationen bereits am 6. Dezember über seine Entscheidung informiert." In einer Stellungnahme der Fachvertreter auf der Institutshomepage heißt es: "Wir kritisieren auf Schärfste die Informationspolitik des Präsidiums, die allen Regeln eines Vertrauen geprägten Umgangs miteinander widerspricht. Die Vertreter des Fachs ohne Vorankündigung vor vollendete Tatsache zu stellen hat im 21. Jahrhundert keinen Platz."

Das Präsidium möchte richtigstellen, dass es in einem Gespräch am 6. Dezember mit dem Dekan des Fachbereichs Kultur- und Sozialwissenschaften sowie den drei Professorinnen und Professoren des Fachs Kunstgeschichte diese über die Planungen informiert hat, den gesetzlich zuständigen Gremien das Auslaufen des Fachs nach dem altersbedingten Freiwerden der Professuren 2023/24 vorzuschlagen. Dabei wurde vom Präsidium betont, den Senat in seiner Sitzung am 15. Februar 2017 mit dieser Thematik befassen zu wollen. Mit dem Dekan wurde verabredet, im Vorfeld der Senatssitzung eine Stellungnahme des Fachbereichsrats einzuholen. Entsprechende Informationen wurden den Vertretern des AStA in einem Gespräch am 7. Dezember sowie den Vertretern der Fachschaft in einem Gespräch am 14. Dezember mitgeteilt. Insofern ging es dem Präsidium im Gesprächstermin am 6. Dezember darum, zunächst die Fachvertreter und danach die Studierenden vertrauensvoll über die Pläne des Präsidiums zu unterrichten, bevor die gesetzlich vorgeschriebenen Entscheidungsfindungsprozesse in den zentralen Gremien der Universität begonnen werden. Es kann also weder von einer bereits erfolgten Entscheidung noch davon gesprochen werden, dass die Fachvertreter ohne Vorankündigung vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien.

2.   Zeitpunkt der Einstellung der Studiengänge

In dem Artikel der NOZ vom 21. Dezember heißt es weiter:  "Schon ab dem Wintersemester 2017/18 werden keine Studenten mehr im Fach Kunstgeschichte aufgenommen."

Hierzu erklärt das Präsidium: Dem Dekan sowie den Fachvertretern ist im Gespräch am 6. Dezember ebenso wie den Vertretern der Fachschaft am 14. Dezember mitgeteilt geworden, dass bei einer letztmaligen Aufnahme im Bachelor-Studiengang zum Wintersemester 2018/19 die Studierenden sowohl den BA- als auch den Masterstudiengang in Regelstudienzeit absolvieren können und zusätzlich eine zweisemestrige Auslaufbetreuung in Anspruch nehmen könnten. Zu keinem Zeitpunkt ist von einem sofortigen Aufnahmestopp gesprochen werden, der schon angesichts des späten Zeitpunkts des altersbedingten Ausscheidens der Fachvertreter unsinnig wäre.

3.   Gründe für das geplante Auslaufen des Fachs

Des Weiteren ist in dem Artikel vom 21. Dezember zu lesen: "Grund für die Schließung ist angeblich eine Umverteilung finanzieller Mittel zugunsten von Naturwissenschaften und Rechtswissenschaften, wo hochkarätige Wissenschaftler gehalten und weitere geworben werden sollen." Hierzu werden die Fachvertreter wie folgend zitiert: "Das Präsidium sieht keine Alternative zu dieser Entscheidung, weil u.a. die Situation in den Naturwissenschaften zu berücksichtigen sei und man dort zusätzliche Mittel einsetzen wolle, um die Attraktivität/und oder Konkurrenzfähigkeit zu steigern."

Von Seiten des Präsidiums ist hierzu klarzustellen: Zu keinem Zeitpunkt hat das Präsidium von Überlegungen oder Planungen berichtet, mit den freiwerdenden Ressourcen die Naturwissenschaften oder Rechtswissenschaften stärken zu wollen. Solche Planungen bestehen nicht! Die Überlegungen des Präsidiums sind strukturell motiviert: Zum einen von der Beobachtung, dass dies die einzigen Ressourcen sein werden, die strukturell überhaupt bis 2024 zur Verfügung stehen. Zum anderen dadurch, dass die Leistungs- und Belastungsparameter nicht die Unverzichtbarkeit des Fachs belegen. Die von den Fachvertretern lancierte Behauptung, es ginge primär um die Stärkung von Natur- und Rechtswissenschaften, entspricht nicht der Wahrheit und wurde zu keinem Zeitpunkt seitens des Präsidiums kommuniziert.

4.   Keine Berücksichtigung im Zukunftskonzept

In der Stellungnahme der Fachvertreter auf der Institutshomepage steht zudem zu lesen: Im Zukunftskonzept der Universität Osnabrück findet die Kunstgeschichte keine Berücksichtigung (vgl. 2. Absatz, letzter Satz).

Das Präsidium erklärt hierzu: Das Zukunftskonzept ist im Rahmen eines bottom-up-Prozesses, der wesentlich durch die Eigeninitiativen der Fachvertreter geprägt war, entstanden. Der Hochschulleitung kam in diesem Prozess eine primär koordinierende Rolle zu; dem Präsidenten wurde in diesem Zusammenhang sogar vorgeworfen, den Prozess zu wenig inhaltlich top-down zu prägen. Insbesondere aufgrund der starken bottom-up Orientierung des Prozesses hatten die Vertreter des Fachs Kunstgeschichte jederzeit die Möglichkeit, sich an den vielen verschiedenen Diskussionskreisen und Workshops zu beteiligen. Dies ist offensichtlich nicht erfolgt. Im Übrigen hat der Senat einen einstimmigen Beschluss zum Zukunftskonzept gefasst. Der Text wurde vor der Entscheidungsfindung hochschulweit veröffentlicht. Er scheint jedoch im Vorfeld der Entscheidungsfindung des Senats nicht von den Fachvertretern der Kunstgeschichte zur Kenntnis genommen worden zu sein.
Schließlich muss festgestellt werden, dass die zukünftigen inhaltlichen Schwerpunktsetzungen durch das Zukunftskonzept noch gar nicht final festgelegt sind, da zur Zeit noch sogenannte Potentialgespräche mit den Vertretern der Profillinien stattfinden. Für die Meinungsfindung der Hochschulleitung zum Fach Kunstgeschichte spielten deshalb die im Zukunftskonzept aufgeführten inhaltlichen Schwerpunktsetzungen keine Rolle. Wichtig für die Meinungsfindung ist jedoch das durch das Zukunftskonzept ausgedrückte allgemeine Selbstverständnis der Institution, Forschungsfähigkeit auf nationalem und international sichtbarem Niveau sicherzustellen. Aus einem solchen Selbstverständnis heraus ergibt sich ein struktureller Bedarf nach stellentechnischen Gestaltungsspielräumen, um einzelne Fächer im Wettbewerb besser positionieren zu können.

5.   Das Präsidium verwende falsche Daten

In der Stellungnahme des Kunsthistorischen Instituts auf der Homepage des Instituts findet sich darüber hinaus folgende Stellungnahme der Fachvertreter: "Ganz offensichtlich kommt es nicht auf Fakten an. Dies zu vermuten liegt deshalb nahe, weil im Vorfeld falsche Zahlen über das Institut in Umlauf gebracht wurden. Ein derart unfaires Vorgehen zeigt, dass ein bewusst erweckter falscher Eindruck einer Legitimierung der sachlich und inhaltlich unbegründeten Entscheidung dienen soll."

Hierzu ist von Seiten des Präsidiums zu sagen: Die Drittmittelzahlen des Kunsthistorischen Instituts sind für die spezifische Meinungsbildung der Hochschulleitung nicht ausschlaggebend gewesen, sondern strukturelle Gründe. Der Vorwurf der Fachvertreter, die Hochschulleitung wolle mit falschen Zahlen bewusst einen falschen Eindruck erwecken, entbehrt jeglicher Grundlage. Richtig ist, dass in einer Anlage zum Zukunftskonzept tatsächlich unvollständige Drittmittelzahlen zum Fach Kunstgeschichte aufgeführt werden. Auf diesen Sachverhalt hat der Direktor des Kunsthistorischen Instituts Prof. Dr. Klaus Niehr die Hochschulleitung in dem Gespräch am 6. Dezember 2016 hingewiesen. Die Hochschulleitung hat in diesem Gespräch jedoch zugleich richtig gestellt, dass die Anlage des Zukunftskonzepts bei der Meinungsfindung der Hochschulleitung keinerlei Rolle gespielt habe; ihr selbst liege ein separat erstellter Datensatz des Zentralen Berichtswesens vor, der auch Grundlage für den Tätigkeitsbericht des Fachbereichs sei. Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass das Präsidium im Zusammenhang mit den Überlegungen zur Zukunft des Kunsthistorischen Instituts bislang überhaupt keine Zahlen und Daten veröffentlicht hat, dies wird erst im Zusammenhang mit der Gremienbefassung erfolgen.

6.   Reduzierung der geisteswissenschaftlicher Fächer

In der ursprünglich von den Fachvertretern veröffentlichten Stellungnahme auf der Homepage des Instituts wird der Hochschulleitung unterstellt, sie könne jederzeit weitere Institute in den Geisteswissenschaften schließen bzw. Personal dort deutlich reduzieren.

Die Hochschulleitung betont hierzu: Es gibt keinerlei Überlegungen oder Planungen der Hochschulleitung, weitere geisteswissenschaftlichen Institute zu schließen oder den dortigen Personalbestand deutlich zu reduzieren. Diese Unterstellung der Fachvertreter ist grob wahrheitswidrig. Richtig ist hingegen, dass nach dem Präsidiumsbeschluss in 2014, das Fach Physik um drei Professuren zu Gunsten einer Stärkung der naturwissenschaftlichen Fächer zu reduzieren, sowie nach der Auflösung des Instituts für Geoinformatik, die 2016 zu Gunsten einer Stärkung der Informatik erfolgte, erstmals überhaupt ein strukturell relevanter Eingriff bei den geisteswissenschaftlichen Fächern erwogen wird.