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Pressemeldung

Nr. 211 / 2015

02. September 2015 : Neues Forschungsprojekt zur Vernetzung von Hebammen in Papua-Neuguinea mittels einer mobilen Applikation

Im Februar 2015 startete ein neues Forschungsprojekt am Fachgebiet für Informationsmanagement und Wirtschaftsinformatik (IMWI) der Universität Osnabrück. Ziel ist es, durch den Einsatz eines mobilen Assistenzsystems die Qualität von nichtstationären Gesundheitsdienstleistungen – im Speziellen der Geburtshilfe – in Entwicklungsländern zu erhöhen. Entwickelt wird eine mobile Applikation (kurz: App) zur Wissensvermittlung und Vernetzung der häufig in strukturell entlegenen Regionen eingesetzten Hebammen in Papua-Neuguinea.

Am IMWI beschäftigen sich 18 Mitarbeiter mit der Analyse und Entwicklung moderner Informationstechnologien. Dabei blickt das Fachgebiet von Prof. Dr. Oliver Thomas auf eine lange Tradition in der Entwicklung von mobilen Systemen für die Services zurück. Als eine der führenden Forschungsgruppen auf dem Gebiet des Service Engineering entwickelt das Team im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte mobile Assistenzsysteme für verschiedene Anwendungsfälle und Branchen wie dem Maschinen- und Anlagenbau, der Logistik und dem Gesundheitssektor. Dabei kooperiert der Lehrstuhl sowohl mit Unternehmen der Region Osnabrück, wie Hellmann oder Amazonenwerke, als auch mit internationalen Partnern wie dem Centre for Health Communication der University of Technology, Sydney (UTS).  

Mit dem Projekt BIRTHING wird die Forschung im Bereich mobiler Services  am IMWI vorangetrieben und auf die speziellen Anforderungen in Entwicklungsländern übertragen. Das Projekt wird in Kooperation mit dem Centre for Social and Creative Media und der School of Midwifery an der University of Goroka (UOG) in Papua‑Neuguinea durchgeführt. Im September 2015 reisen zwei wissenschaftliche Mitarbeiter von Prof. Thomas nach Papua-Neuguinea, um einen Eindruck vor Ort über die Infrastruktur und weitere kulturelle und regionale Gegebenheiten zu erhalten sowie entsprechende Anforderungen zu erheben. Dabei werden sie die in der Entwicklung befindende Smartphone-App erstmals den Professoren, Lehrern und Hebammen vor Ort präsentieren und gemeinsam über weitere Anpassungen diskutieren. Die Forschungsaufenthalte werden vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.  

Das Projekt will dazu beitragen, die Hebammen in Papua‑Neuguinea mittels einer App für mobile Endgeräte besser zu vernetzen. Dafür soll ein System realisiert werden, mit dem die Zusammenarbeit, der Austausch und das Netzwerken der beteiligten Hebammen mobil und IT-basiert ermöglicht werden. Ziel ist es, die extrem hohe perinatale Sterberate in Papua‑Neuguinea zu senken, indem die Qualität der Informationsversorgung am „Point of Care“ und somit die Sicherheit der Mütter und ihrer Kinder erhöht werden. »Mit dem Projekt BIRTHING stellen wir uns der gesellschaftlichen Herausforderung, dass gerade in Entwicklungsländern ein erhöhtes Ausbildungsniveau im Gesundheitssektor notwendig ist«, so Prof. Thomas.

Laut der World Health Organization (WHO) und dem National Department of Health in Papua New Guinea werden nur 53 Prozent der Geburten unter Leitung von erfahrenem, geschultem Personal in Papua-Neuguinea durchgeführt. Durch den gezielten Einsatz des mobilen Systems am Versorgungsort können erstmals sowohl weniger erfahrene Personen mit exakten Ablaufinformationen durch den Versorgungsprozess geführt werden als auch gut ausgebildete Hebammen in entlegeneren Regionen des Landes – durch die Vernetzung mit der Ausbildungsstätte und den Kolleginnen – immer auf dem aktuellen Stand bleiben.  

Die Einbindung von IT in die ambulante Gesundheitsversorgung bietet, vor allem wenn bisher keine oder nur rudimentäre Möglichkeiten existieren, ein enormes Potenzial die Servicequalität zu erhöhen, Defizite abzubauen und die verfügbare Informationslage für Dienstleister auszubauen. Der Einsatz von mobilen Endgeräten, die während der Betreuung eingesetzt werden, eröffnet die Möglichkeit, vor Ort Wissenslücken zu schließen und so die fachlich richtige, zeiteffiziente Behandlung von Patientinnen und Patienten nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu ermöglichen.

Mobilen Systemen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Dies begründet sich durch die globale Ausrichtung vieler mobiler Telekommunikationsanbieter und der in Entwicklungsländern fehlenden Infrastruktur für Alternativen, wie Telefonleitungen, kabelgebundener Internettechnologie oder Computern. Insbesondere entlegene Gebiete sind oft lediglich mittels Mobilfunk mit der Außenwelt verbunden. Bezogen auf Papua-Neuguinea stieg die Anzahl mobiler Endgeräte seit 2007 explosionsartig von 160.000 auf 2,4 Millionen, so dass die Mobilfunkabdeckung der Bevölkerung aktuell etwa 75 Prozent beträgt. Weil dort zusätzlich zahlreiche abgeschiedene Regionen nur per Flugzeug erreicht werden können, bilden Smartphones zumeist die einzige Möglichkeit der Kommunikation und Unterstützung der Hebammen am Versorgungsort.  

Weitere Informationen für die Redaktionen:
Prof. Dr. Oliver Thomas, Universität Osnabrück
Institut für Informationsmanagement und Unternehmensführung
Fachgebiet Informationsmanagement und Wirtschaftsinformatik
Katharinenstraße 3, 49074 Osnabrück
Telefon: +49 541 969 6232
oliver.thomas@uni-osnabrueck.de
http://www.imwi.uni-osnabrueck.de/projekte.htm