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Pressemeldung

Nr. 184 / 2017

05. Oktober 2017 : Sprache und Denken: Neues Forschungsprojekt am Institut für Kognitionswissenschaft

»Noch ein Bier, dann gehe ich nach Hause«: Bedingung-Folge-Relationen wie in dieser Aussage sind zentral für menschliches Handeln und Denken. Unsere Sprache verfügt über ein großes Repertoire an Ausdrücken, die eine Bedingung, also eine Kondition, und ihre Folge ausdrücken. In ihrem Forschungsprojekt SPOCC „The Semantics and Pragmatics of Conditional Connectives: cross-linguistic and experimental perspectives“ vergleicht Dr. Mingya Liu an der Universität Osnabrück Konditionalsätze unter anderem im Deutschen und im Mandarin Chinesischen.

Das Projekt ist neben 13 anderen bundesweiten Projekten Teil des Schwerpunktprogramms SPP-1727 XPrag “New Pragmatic Theories based on Experimental Evidence” der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Gleichzeitig wirkt Dr. Liu als Vorstandsmitglied des SPPs bei Verwaltungsaufgaben mit.

Bestehende Forschungsergebnisse aus der Sprachwissenschaft zeigen, dass die Interpretation von Konditionalsätzen sich durch linguistische Ausdrücke sowie grammatischen und pragmatischen Kontext beeinflussen lässt. Doch bisher fehlt es in der gegenwärtigen Literatur an einer Systematik bezüglich der Beschreibung und der Modellierung von konditionalen Verknüpfungen (das heißt Worte wie wenn/falls/unter der Bedingung, dass/außer wenn/nur wenn) in Konditionalsätzen.

Hier setzt das Forschungsprojekt am Institut für Kognitionswissenschaft der Universität an. Anhand von formal-linguistischen und psycho-/neurolinguistischen Methoden werden konditionale Verknüpfungen untersucht. Diese spielen bei der Interpretation eines Konditionalsatzes und der konditionalen Schlussfolgerung im Allgemeinen eine große Rolle. Beispielsweise kann ein Konditionalsatz im Deutschen durch eine Kombination von Perfektform und Konjunktiv II eine sogenannte kontrafaktische (d.h. entgegen dem, was tatsächlich der Fall war) Interpretation hervorrufen: Wenn es geregnet hätte, wäre ich zu Hause geblieben. »Anders als im Deutsch kann im Mandarin Chinesischen z. B. Kontrafaktizität in Konditionalsätzen durch spezielle konditionale Verknüpfungen (beispielsweise yaobushi ‘wenn-nicht’) ausgedrückt werden«, erklärt Dr. Liu, die seit August 2013 an der Universität Osnabrück forscht und lehrt. Ihr Ziel ist, einen Beitrag zu einem besseren Verständnis von Universalien und Variation in Sprache und logischem Denken zu leisten.

International sieht das Projekt Kooperationen mit Prof. Dr. Anastasia Giannakidou (University of Chicago), Prof. Dr. Yi Su (Central South University, China) und Prof. Dr. Yanjing Wang (Peking University, China) vor. Lokal wird Dr. Mingya Liu mit Kolleginnen und Kollegen am Institut für Kognitionswissenschaft zusammenarbeiten, insbesondere mit Prof. Dr. Jutta L. Mueller (Psycho-/Neurolinguistik).

Weitere Informationen für die Redaktionen:
Dr. Mingya Liu, Universität Osnabrück
Institut für Kognitionswissenschaft
Wachsbleiche 27, 49070 Osnabrück
Tel.: +49 541 969 2710
liu.mingya@uni-osnabrueck.de